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MS-Medikament gegen SARS ?
(Marburg, 28.07.03) Deutsche Wissenschaftler haben in einem gängigen Medikament gegen Multiple Sklerose (MS) einen Wirkstoff gegen die Atemwegsinfektion SARS gefunden.
In Labortests konnten die Wissenschaftler feststellen, dass das Virus sich nach der Verabreichung des Medikaments nicht weiter ausbreitet. Britische Forschungseinrichtungen haben die ihrer Meinung nach "übertriebenen Ergebnisse" kritisiert. In diesem Augenblick wären Jubelrufe noch verfrüht, heißt es seitens der UK Health Protection Agency ( http://www.hpa.org.uk ).
Beta-Interferon, ein Wirkstoff, der in der MS-Therapie verwendet wird, könnte das erste Medikament gegen SARS werden, meinen die Forscher der Universität Frankfurt. Bisher fehlt es an einem tatsächlich gegen die Erkrankung wirkenden Medikament. Die WHO hatte empfohlen, bei SARS-Patienten die bei Lungenentzündung üblichen Therapien anzuwenden. So auch das Medikament Ribavirin, das gegen virale Erkrankungen eingesetzt wird. Manche Patienten haben auf diese Art der Behandlung nicht angesprochen, weshalb die WHO zu einer weltweiten Suche nach einem geeigneten Medikament aufgerufen hat.
Die Wissenschaftler aus Frankfurt berichteten über das Potenzial einer synthetischen Interferon-Variante bei der Bekämpfung der Atemwegserkrankung. Interferon, ein Protein des körpereigenen Immunsystems, könnte in seiner Beta-Variante die Ausbreitung des SARS-Virus im menschlichen Körper stoppen. Das Team um Jindrich Cinatl testeten den Wirkstoff an Zellkulturen, die sie mit SARS-Stämmen von Patienten aus Frankfurt und Hongkong infiziert hatten. Interferon-beta erwies sich dabei als die wirkungsvollste Protein-Variante - und könnte zukünftig in Kombination mit anderen antiviralen Medikamenten zur Behandlung von SARS eingesetzt werden.
Quellen:
Lancet 362: 293-294 (2003),
http://www.kgu.de/zhyg/virologie/virologie.html
Mediziner prüfen neue Verdachtsfälle der schweren Lungenkrankheit
(Marburg, 25.07.03) Der Verdacht auf eine SARS-Erkrankung bei 18 Patienten in Hongkong hat sich nicht bestätigt. Nach ersten Untersuchungen gaben die Behörden der Stadt Entwarnung.
16 Insassen einer psychiatrischen Klinik sowie ein Mitarbeiter des Personals und ein Angehöriger waren am Donnerstag mit Fieber und Grippesymptomen ins Krankenhaus gebracht worden. Die ersten Tests hätten den Verdacht auf SARS nicht bestätigt, weitere Untersuchungen sollten aber noch folgen, sagte ein Sprecher der Gesundheitsbehörde.
Zuletzt war in Hongkong Anfang Juni eine SARS- Neuinfektion bestätigt worden. Am 23. Juni hatte die Weltgesundheitsorganistation WHO Hongkong von der Liste der SARS- Infektionsgebiete gestrichen. Die ehemalige britische Kronkolonie war mit rund 300 Toten und 1.755 Fällen eines der am stärksten von der SARS-Epidemie betroffenen Gebiete.

