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(Marburg, 12.07.04) Nach aktuellen Studienergebnissen erhalten Kinder mit Schmerzen nach einer Operation durchschnittlich nur 70 Prozent der empfohlenen Schmerzmittel-Tagesdosis. Ein Grund ist offenbar die Furcht vor möglichen unerwünschten Wirkungen, vermutet Privatdozentin Dorothee Bremerich von der Universitätsklinik Frankfurt am Main.
Nach wie vor wird in Krankenhäusern vor allem Paracetamol als Zäpfchen verwendet, Der Wirkstoff hat jedoch eine relativ geringe therapeutische Breite, es besteht die Gefahr von Leberschäden bei Überdosierung, und die Aufnahmerate in den Körper schwankt bei Zäpfchen sehr stark. In eigenen Studien wies Bremerich nach, dass wirksame Plasmaspiegel oft erst verzögert nach zwei bis vier oder gar sechs Stunden erreicht werden. Manchmal auch gar nicht. Mit der Folge, dass die Kinder unnötig Schmerzen erleiden. Die Langzeiteffekte von starken, nicht ausreichend behandelten Akutschmerzen bei Kindern würden offenbar immer noch unterschätzt, so Bremerich. Studien zufolge entwickelten zum Beispiel Kinder mit einschneidenen Schmerzerlebnissen bei späteren Impfungen häufiger extreme Ängste als Kinder ohne solche negativen Erfahrungen.
Besser geeignet sind nach Ansicht der Anästhesistin nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR). Mehrere Studien haben gezeigt, dass die Behandlung von Schmerzen nach einer Operation mit Ibuprofen-Tabletten deutlich wirksamer ist als mit Paracetamol. Bei Eingriffen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich mit erhöhtem Blutungsrisiko können es allerdings eher zu Nachblutungen kommen als bei anderen Schmerzmitteln.
Quelle: Ärzte-Zeitung, 17. Mai 2004

