DGK e.V. -Drei Wochen nach Beginn einer neuartigen Behandlung schwebt der Tollwut-Patient in Marburg weiter in Lebensgefahr.
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Nach Transplantation infiziert
Zweiter Patient an Tollwut gestorben

(Marburg, 08.03.05) Drei Wochen nach Beginn einer neuartigen Behandlung schwebt der Tollwut-Patient in Marburg weiter in Lebensgefahr. "Sein Zustand ist unverändert kritisch", sagte ein Klinikumssprecher am Montag. Der 45 Jahre alte Patient liegt auf der Intensivstation im künstlichen Koma. Er ist der einzige von drei Empfängern, der die Transplantation von Tollwut-infizierten Organen bisher überlebt hat. In der Neujahrsnacht hatte der Mann Niere und Bauchspeicheldrüse einer Spenderin erhalten, die sich vermutlich in Indien mit dem tödlichen Virus angesteckt hatte.

Der Patient wird mit einer neuartigen Methode aus den USA behandelt. Mit der Kombination aus antiviralen Medikamenten und einem künstlich hervorgerufenen Koma hatten US-Ärzte im vergangenen Jahr eine 15-jährige Patientin mit Tollwutsymptomen gerettet. Tollwut gilt eigentlich als tödlich, wenn die Krankheit ausgebrochen ist. Ob die Therapie bei dem 45-Jährigen anschlage, sei nach wie vor ungewiss, sagte der Kliniksprecher. Bereits vor rund zwei Wochen waren die beiden weiteren Organempfänger in Hannover und Hannoversch Münden gestorben. Sie hatten ebenfalls die neuartige Therapie aus den USA erhalten.


70-Jähriger stirbt trotz neuartiger Behandlung

(Marburg, 23.02.05) Im Drama um die Tollwut-verseuchten Spenderorgane ist der zweite Patient gestorben. Die Ärzte in Hannoversch Münden haben den Kampf um das Leben des 70-Jährigen verloren, wie das Nephrologische Zentrum Niedersachsen am Montag mitteilte. Der Patient hatte eine Niere einer mit Tollwut infizierten 26 Jahre alten Organspenderin erhalten, die sich vermutlich in Indien mit dem tödlichen Virus angesteckt hatte. Der 70-Jährige in Hannoversch Münden war nach Klinikangaben noch nach einer neuartigen Methode aus den USA behandelt worden - wie schon die bereits am Samstag gestorbene Empfängerin der Lunge war in Hannover. Mit der Kombination aus antiviralen Medikamenten und einem künstlich hervorgerufenen Koma hatten US-Ärzte im vergangenen Jahr eine 15-jährige Patientin mit Tollwutsymptomen gerettet. Alle Anstrengungen bei den Organspendenempfängern seien jedoch vergeblich gewesen, sagte der Ärztliche Leiter der Klinik, Volker Kliem.

Der in Marburg behandelte dritte Tollwutpatient schwebte am Montag weiter in Lebensgefahr. Er wird - wie die beiden gestorbenen Patienten - mit der neuartigen Methode aus den USA behandelt. Trotz der Therapie ringt er mit dem Tod. "Sein Zustand ist äußerst kritisch", sagte ein Klinikumssprecher am Dienstag. Insgesamt haben sechs Patienten Organe der mit Tollwut infizierten Spenderin erhalten. Den beiden Empfängern der Augenhornhäute in Mainz ging es nach Klinikangaben vom Montag unverändert gut.

Impfung schützt

Der Heidelberger Transplantationspatient, dem die Leber der Spenderin eingesetzt worden war, zeigte keine Tollwut-Symptome. Das Ergebnis eines Bluttests hatte gestern die Annahme der Ärzte bestätigt, dass der beschwerdefreie Patient bereits lange vor der Transplantation gegen Tollwut geimpft worden und dadurch gegen eine Infektion durch das transplantierte Organ geschützt war. Der Patient wird als Vorsichtsmaßnahme weiterhin mit Medikamenten behandelt und in der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg überwacht.

Tollwut gilt als tödlich, wenn die Krankheit ausgebrochen ist. Zwischen den ersten Symptomen und dem Tod liegen nach Angaben des Berliner Robert Koch-Instituts maximal sieben Tage. Vor dem Auftreten von Symptomen kann eine Impfung auch nach der Infektion noch schützen.


Tollwut-Patientin in Hannover gestorben

(Marburg, 21.02.05) Eine der Patientinnen, die von einer an Tollwut erkrankten Organ-Spenderin eine Lunge erhalten hat, ist am Samstagabend in der Medizinischen Hochschule in Hannover (MHH) gestorben. Damit ist erstmals in Deutschland ein Mensch durch ein mit Tollwut infiziertes Transplantationsorgan ums Leben gekommen, weltweit ist dies der zweite Fall einer Virusübertragung auf diese Weise.

Die Klinik hatte zuletzt mit einer neuartigen Therapie aus den USA versucht, das Leben der Frau zu retten. Mit dem Verfahren hatten US- Ärzte im vergangenen Jahr ein 15 Jahre altes Mädchen mit einer Tollwuterkrankung retten können. Allerdings hatte diese im Gegensatz zu der jetzt gestorbenen Frau keine Organspende empfangen.

Der Patientin aus Hannover war Anfang Januar die Lunge einer Spenderin eingepflanzt worden, die sich nach Angaben der DSO vermutlich in Indien mit Tollwut angesteckt hatte und im Dezember gestorben war. Insgesamt hatten sechs Menschen Organe der infizierten jungen Frau bekommen. Bei zwei Patienten in Marburg (Hessen) und Hann. Münden (Niedersachsen) brach die Erkrankung ebenfalls bereits aus. Der Zustand dieser Patienten ist weiter kritisch.

Die Organspenderin hatte nach Medienberichten vom Sonntag über tollwuttypische Symptome wie heftige Kopfschmerzen und Angstzustände geklagt, bevor sie in der Universitätsklinik Mainz nach Drogenkonsum starb. Die Mainzer Staatsanwaltschaft prüft zurzeit, ob sie Ermittlungen aufnimmt.
Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) hatte bisher betont, die Frau habe keine Tollwut-Symptome gezeigt. Alle ihre Organe seien vor der Transplantation auf Bakterien, Viren oder Tumore untersucht worden.

Unterdessen wollen Spezialisten der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) die Entwicklung von Tollwut-Schnelltests bei Organtransplantationen vorantreiben. Das sagte der Herz-Chirurg Professor Axel Haverich am Sonntag in Hannover.


Weitere Informationen:

http://www.bni-hamburg.de/
Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg: Informationen zu Tollwut und Tollwut-Diagnostik.Press release, 17 February 2005.

www.eurosurveillance.org/ew/2005/050217.asp
Summer R, Ross S, Kiehl W. Imported case of rabies in Germany from India. Eurosurveillance Weekly 2004; 8(46): 11/11/2004

http://www.cdc.gov/ncidod/dvrd/rabies/organ_update_070204.htm
CDC. Update: Investigation of Rabies Infections in Organ Donor and Transplant Recipients --- Alabama, Arkansas, Oklahoma, and Texas, 2004. MMWR Morb Mortal Wkly Rep 2004; 53(Dispatch);1

http://www.cdc.gov/mmwr/preview/mmwrhtml/mm5326a6.htm
CDC. Investigation of rabies infections in organ donor and transplant recipients---Alabama, Arkansas, Oklahoma, and Texas, 2004. MMWR Morb Mortal Wkly Rep 2004; 53(26): 586-589.


Patienten nach Transplantation mit Tollwut infiziert

(Marburg, 17.02.05) Mehrere Transplantationspatienten in den Unikliniken von Hannover, Heidelberg und Marburg haben in den vergangenen Wochen in Deutschland Organe einer mit Tollwut infizierten Frau erhalten. Dies ist der erste Fall in Deutschland, bei dem Organempfänger mit dieser Krankheit infiziert worden sind.

Wie die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) berichtete, befinden sich drei der Betroffenen in einem höchst kritischen Stadium. An der Uniklinik Mainz hätten weitere Patienten Organe der infizierten Frau erhalten. Diesen Betroffenen gehe es aber derzeit den Umständen entsprechend gut.

Die Spenderin, die im Dezember 2004 nach Drogengebrauch einem Hirntod erlag, soll vor ihrem Tod keine Symptome der Krankheit gezeigt haben, so die DSO. Ihr wurden Lunge, Niere, Bauchspeicheldrüse, Leber und Augenhornhaut entnommen.
Anhand histologischer und immunhistologischer Untersuchungen des Hirngewebes der Spenderin am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg wurde nun bestätigt: Die Spenderin war an einer lebensgefährlichen Tollwutinfektion infiziert.

Eine Infektion mit Tollwut nach einer Transplantation ist äußerst selten. "So etwas hat es in Deutschland noch nie gegeben. Allerdings ist uns ein vergleichbarer Fall aus den USA vom letzten Sommer bekannt. Leider ist es medizinisch nicht möglich, solche seltenen Infektionen im Voraus - trotz umfassender Untersuchungen des Organspenders - auszuschließen. Ein potenzielles Restrisiko durch solche Infektionen bleibt somit bei jeder Transplantation bestehen", erklärt Professor Dr. Günter Kirste, Vorstand der DSO.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts hat es in den vergangenen zehn Jahren nur zwei Fälle von Tollwut beim Menschen in Deutschland gegeben. Beide Male hätten sich die Patienten im Ausland angesteckt und seien gestorben. 1996 starb danach ein Mann aus Nordrhein-Westfalen an Tollwut, der in Sri Lanka von einem Hund gebissen worden war. 2004 starb ein Mann aus Bayern, der in Indien Kontakt zu streunenden Hunden gehabt hatte.

Die Organspenderin hatte sich im vergangenen Jahr in Indien aufgehalten und sich dort offenbar mit Tollwut infiziert. In Indien sterben in jedem Jahr 30.000 bis 50.000 Menschen an Tollwut. Deswegen ist vor Reisen in solche Risikogebiete besonders für Trekkingreisende eine prophylaktische Tollwutimpfung dringend empfohlen.

Weitere Informationen zur Tollwut unter:

Tollwut: Krankheitsbild und Impfung

Pressedienst Tier und Gesundheit (animal), Nr. 4 - 2004

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