DGK e.V. -Die Attraktion einer Familienfeier wurde acht Menschen in Baden-Württemberg zum Verhängnis. Anfang Oktober vergangenen Jahres besuchten etwa 20 Familienmitglieder ein wenige Tage zuvor neugeborenes Kalb im Stall des landwirtschaftlich genutzten Hofes.
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Q-Fieber, Baden-Württemberg, Familie. Kalb
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Kalb mit Q-Fieber steckt Großfamilie an

(Marburg, 29.05.04) Die Attraktion einer Familienfeier wurde acht Menschen in Baden-Württemberg zum Verhängnis. Anfang Oktober vergangenen Jahres besuchten etwa 20 Familienmitglieder ein wenige Tage zuvor neugeborenes Kalb im Stall des landwirtschaftlich genutzten Hofes. Das Tier starb einige Tage später. Bei der Obduktion fanden sich Coxiella burnetii, Erreger des Q(uery)-Fiebers – auch Balkan-Fieber genannt. Coxiella burnetii sind Bakterien aus der Familie der Rickettsien. Es zeigt eine enge Verwandtschaft zu den beim Menschen gefürchteten Legionellen.

Das durch Coxiella burnetti verursachte Q-Fieber ist eine weltweit vorkommende Zoonose. In Deutschland tritt Q-Fieber am häufigsten in Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordhein-Westfalen, Thüringen und Bayern auf. Die Coxiellen finden sich bei infizierten Tieren, meistens Schafen oder Rindern, im Stuhl, Urin und Gewebe. Die Ansteckung des Menschen erfolgt durch infektiöse Aerosole oder Inhalation von erregerhaltigem Staub. Auch durch Zecken (Dermacentor marginatus) kann Q-Fieber in seltenen Fällen auf den Menschen übertragen werden.

In Deutschland kam es bislang zu Ausbrüchen von menschlichen Erkrankungen in der Nähe von infizierten Schafherden (in Hessen) oder beim Besuch eines Bauernmarktes, auf dem ein infiziertes Lamm geboren wurde (in Westfalen).

In Baden-Württemberg war es fast eine ganze Großfamilie, die sich infizierte: Zunächst erkrankte der Großvater mit akut einsetzenden Symptomen eines hoch fieberhaften Infektes, dann der Sohn und anschließend sechs weitere Angehörige. Alle Familienmitglieder wurden auf Antikörper gegen Coxiellen getestet. Bei den fünf erkrankten Erwachsenen und bei einem Kind ließen sich fünf bis sechs Wochen nach klinischem Erkrankungsbeginn Antikörper gegen Q-Fieber Phase II feststellen. Trotz gleicher Symptomatik wie bei den Erwachsenen waren auch sieben Wochen nach Krankheitsbeginn bei den erkrankten Kindern keinen Antikörper nachweisbar.

Besonders die Nachgeburt von infizierten Tieren ist hochinfektiös. Bei der Geburt der Tiere landen die Q-Fieber-Bakterien im Stroh, trocknen und können sich dann im Dung auch über Monate halten. Mit dem Staub im Stall können die Erreger dann eingeatmet werden oder sie werden vom Wind verteilt.

Der Fall der Familie belegt: Je enger der Kontakt mit dem erkrankten Tier, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer Infektion. So erkrankten alle Erwachsenen, die zudem täglich in dem Stall arbeiteten, die anderen nicht.
Die Inkubationszeit des Q-Fiebers wird in der Regel mit zwei bis drei Wochen angegeben. In diesem Fall lag der Erkrankungsbeginn trotz des kurzen Kontakts bei zehn Tagen, so dass von einer massiv hohen Infektionsdosis ausgegangen werden kann.
Die Infektionsquelle des Rindes blieb letztlich ungeklärt, da ein Zusammenhang mit einer kurz zuvor dort weidenden Schafherde nicht nachgewiesen werden konnte. Vorsorglich wurden alle Rinder der betroffenen Bauernfamilie getötet.

Alle Erkrankten sind mittlerweile wieder gesund.

Quelle:
"Ermittlungen zu einem Q-Fieber-Ausbruch in einer Großfamilie" in: Epidemiolog. Bull. Nr. 26, 25. Juni 2004

Mehr zum Thema lesen Sie auch in unserer aktuellen Ausgabe des Pressedienstes "Tier und Gesundheit" animal, Nr. 3 - 2004.

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