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Ältere Menschen leiden häufig unter Blasenschwäche
9. Bamberger Gespräche „Der ältere Patient mit Blasenfunktionsstörung – Sinnvolle Diagnostik und Therapie in der Praxis“
(Marburg, 25.10.05) Blasenfunktionsstörungen und besonders die Harninkontinenz sind infolge ihrer medizinischen, psychischen und sozialen Konsequenzen ein zentrales Problem des älteren Menschen. So liegt die Inkontinenz an vierter Stelle der Alterserkrankungen, die die Lebensqualität der Betroffenen am meisten einschränkt.
Unter Blasenschwäche und Inkontinenz leiden in Deutschland mehrere Millionen Menschen – und das in jedem Lebensalter. Allerdings steigt das Risiko für eine Erkrankung mit zunehmendem Alter an. Mehr als 2 Millionen der über 60-Jährigen sind inkontinent, im Jahre 2040 werden es 3,2 Millionen sein, schätzt Prof. Dr. med. Klaus-Peter Jünemann, erster Vorsitzender der Deutschen Kontinenz Gesellschaft e.V. Je nach Ursache gibt es heute vielfältige Möglichkeiten, die Beschwerden zu bessern und die Lebensqualität der Betroffenen wieder herzustellen.
Oft aber schämen sich die Betroffenen und verheimlichen ihr Problem nicht nur vor ihren Partnern, sondern auch vor dem Arzt. Sie haben Angst, dass jemand das Problem bemerkt, dass jemand etwas riecht. Häufig führt das zu einem Rückzug in die eigenen vier Wände. Viele verlassen das Haus nur noch im Notfall und ziehen sich aus dem gesellschaftlichen Leben zurück. Kein Theater oder Kino oder Konzert. Keine langen Spaziergänge und kein ausgedehnter Einkaufsbummel. Viele scheuen sogar Treffen im Freundeskreis zu Hause.
Jeder ältere Mensch sollte in der ärztlichen Praxis oder Klinik auf das Problem einer Blasenfunktionsstörung oder Harninkontinenz angesprochen werden, so Prof. Dr. med. Daniela Schultz-Lampel, Kontinenzzentrum Südwest, Klinikum Villingen-Schwenningen, auf der Pressekonferenz anlässlich der 9. Bamberger Gespräche „Der ältere Patient mit Blasenfunktionsstörung – Sinnvolle Diagnostik und Therapie in der Praxis“.
In der Praxis sind bei der Behandlung des älteren Patienten in erster Linie der Harndrang mit oder ohne Inkontinenz („überaktive Blase“), die Belastungsinkontinenz (Stressinkontinenz), die Misch-Harninkontinenz und sekundäre Inkontinenzformen von besonderer Bedeutung, erläuterte Prof. Dr. Ingo Füsgen, Ärztlicher Direktor des Zentrums für Geriatrie der Kliniken St. Antonius, Wuppertal. Während die Stressinkontinenz ihren Schwerpunkt bei den unter 60-Jährigen hat, kommt mit zunehmendem Alter noch die Dranginkontinenz dazu, von der beide Geschlechter altersabhängig in gleicher Weise betroffen sind. In diesem Sinne hat die gemischte Inkontinenz für die älter werdende Frau eine hohe Bedeutung, wogegen beim älter werdenden Mann die Drangsymptomatik mit Inkontinenz allein überwiegt.
Für die exakte Abklärung der Blasenfunktionsstörungen ist zunächst eine Basisdiagnostik erforderlich: eine gezielte ausführliche medikamentöse und neurologische Anamnese und eine Anamnese vorausgegangener Erkrankungen, klinische Untersuchung, Harnanalyse, Restharnbestimmung und ein Trink- und Blasentagebuch. Gerade beim alten Menschen müssen oft konkrete Fragen gestellt werden, die über Zeitpunkt, Ausmaß und möglicher Ursachen der Inkontinenz Auskunft geben. Zudem sollte der Leidensdruck des Betroffenen evaluiert werden, da er die weiteren Maßnahmen der Therapie wesentlich mitbestimmt. Mit dieser Basisdiagnostik, die nicht nur sinnvoll, sondern obligat ist, kann man in 85 Prozent der Patienten die Situation so weit klären, dass die im Allgemeinen konservative Behandlung begonnen werden kann.
Häufigste Ursachen sind Krankheit oder Unfall, die nachlassende Leistungsfähigkeit der Gehirnfunktion – altersbedingt durch Erkrankungen wie Schlaganfall, Demenz oder Morbus Parkinson –, Schließmuskelschwäche infolge Tonusverlust der Beckenmuskulatur sowie chronische Harnwegsinfektionen. Meist handelt es sich um mehrere Faktoren, die zusammen dann die Symptomatik der Harninkontinenz bilden.
Die orale, medikamentöse Behandlung bleibt der Goldstandard in der Therapie der überaktiven Blase, so Stephan Mühlich, Urologe aus Bamberg. Die derzeit auf dem Markt befindlichen anticholinergen Substanzen (Trospiumchlorid, Oxybutynin, Tolterodin, Propiverin, Solifenacin, Darifenacin) verhindern ein vorzeitiges Zusammenziehen der Blasenmuskulatur. Aktuelle Studien sprechen bei älteren Patienten besonders für den Einsatz des langjährig bewährten Wirkstoffs Trospiumchlorid. Dieses ist gerade bei einer Langzeitbehandlung verträglich und sicher, da es als einziges Medikament aus der Gruppe der Anticholinergika nicht ins Gehirn eindringen kann und deshalb auch keine zentralnervösen Nebenwirkungen wie Schwindel oder Angstzustände zu erwarten sind. Eine einfache Einnahme, meist zwei- bis dreimal täglich, erleichtert den Patienten die Einhaltung der Therapievorschriften deutlich.
Mehr Informationen unter: www.ag-beckenboden.de

