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(Marburg, 30.11.05) Viele Patienten verfügen über zuviel Gewebe am Gesäß, so dass eine Injektion von Medikamenten oder eine Impfung den Muskel oft nicht erreichen kann. Fettpolster am Hinterteil führen dazu, dass Spritzen dort einen schwächeren oder gar keinen Effekt haben.
Zu diesem Ergebnis kam eine Studie von Medizinern des Adelaide and Meath Hospital http://www.amnch.ie, deren Ergebnisse auf einer Konferenz der Radiological Society of North Americahttp://www.rsna.org der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Bei fettleibigen Frauen wurde die beabsichtigte Wirkung der Medikamente am ehesten nicht erreicht. Bei 68 Prozent der Teilnehmer erreichte die Injektion die Muskeln des Gesäßes nicht.
Die Wissenschafter konzentrierten sich auf 50 Patienten, bei denen Scans im Bauch- bzw. Beckenbereich vorgenommen werden sollten. Jeder Teilnehmer erhielt eine Injektion, die eine kleine Luftblase enthielt. Dadurch sollte der Verbleib des Medikaments während der Scans sichtbar werden. Es zeigte sich, dass bei Männern nur 56 Prozent der Injektionen das Muskelgewebe erreichten. Bei Frauen lag die Erfolgsrate bei acht Prozent. Verglichen mit Männern verfügen Frauen üblicherweise über eine größere Menge von Fettgewebe. Die leitende Wissenschafterin Dr. Victoria Chan erklärte, dass längere Nadeln erforderlich seien, um bei den Injektionen die gewünschte Wirkung zu erzielen. „Es besteht kein Zweifel daran, dass Fettleibigkeit die Ursache dafür ist. Wir haben ein neues Problem entdeckt, dass teilweise auf die zunehmende Menge an Fett in den Gesäßen der Patienten zurückzuführen ist,“ betonte Chan.
Zahlreiche Medikamente werden durch Injektionen in die Gesäßmuskeln verabreicht. Dazu gehören Schmerzmittel, Impfungen, Verhütungsmittel und Medikamente gegen Übelkeit.
Intramuskuläre Injektionen sind zudem eine verbreitete Alternative zur Verabreichung von Tabletten. Der Einsatz dieser Injektionen hat laut BBC in den letzten zehn Jahren zugenommen. Neue Medikamente wurden im Zuge dieser Entwicklung für die intramuskuläre Verabreichung entwickelt.
Laut Chan legen die Ergebnisse der Studie nahe, dass Patienten nicht die maximal mögliche Wirkung eines Medikaments oder auch gar keine Wirkung erreichten. Wird das Medikament nicht in die Blutbahn aufgenommen, verbleibt es im Fettgewebe, wo es zu lokalen Infektionen und Irritationen kommen kann.
Impfungen sollten grundsätzlich nicht in den Pomuskel gegeben werden, da die Wirkung nachgewiesenermaßen geringer ist. Schon vor Jahren brachten Studien mit Tollwut- und Hepatitis-B-Impfstoffen dies an den Tag. Säuglinge und Kleinkinder werden in den seitlichen Oberschenkel geimpft (Musculus vastus lateralis), größere Kinder, Jugendliche und Erwachsene in den Oberarmmuskel (Musculus deltoideus). Dies ist in den STIKO-Empfehlungen nachzulesen.
Quellen:
Victoria Chan, Jane Colville, Orla Buckley, Samuel Hamilton, Thara Persaud und William Torreggiani: „ Obesity Prevents Injections from Reaching Muscle“, “Intramuscular Injections into the Buttocks: Are They Truly Intramuscular?”, RSNA, 28. Nov. 2005; http://www.rsna.org/rsna/media/pr2005/obesity.cfm
Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut, Epidemiologisches Bulletin Nr. 30/2005, S. 269

