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Bewegung war mein Leben. Als Ingenieur habe ich am Ausbau der Eisenbahn in der Ukraine und Russland gearbeitet. Ich war viel unterwegs! Nun bin ich froh über das bisschen Beweglichkeit, dass mir die Osteoporose gelassen hat.
Den Beginn der Erkrankung habe ich gar nicht bemerkt. Dann kamen starke Schmerzen in der Brust und im Rücken. Aber Klagen half nicht. Der Alltag war schon ohne Schmerzen schwer genug, und die Ärzte konnten sowieso nicht helfen, denn es gab keine Medikamente. Mit der Zeit wurde ich krumm und schief. Aber es ging anderen ebenso.
Ende der 90er Jahre – ich war 80 – gab es plötzlich Hilfe. Jemand sagte mir, geh mal ins Krankenhaus, Leonid, die behandeln jetzt krumme Rücken! Eine Ärztin untersuchte mich sehr gründlich. Von ihr erfuhr ich, dass ich Osteoporose habe. Sie gab mir ein Medikament, von dem sie hoffte, es könnte meine Knochen wieder aufbauen. Ich sei noch so fit, da wolle sie probieren, ob auch eine desolate Knochenstruktur zu verbessern sei. Und ich bekam etwas gegen die Schmerzen.
Die Ärztin war es auch, die mir von dem Ausstellungsprojekt erzählte und mich fragte, ob ich daran teilnehmen wollte. Nun, einen Moment habe ich schon überlegt. Aber dann dachte ich, es macht nichts, Leonid, wenn dein Foto allen zeigt, wie verbogen du bist. Es wird anderen helfen, etwas gegen die Krankheit zu tun, bevor die Knochen brechen – jetzt, wo es Medikamente gibt. Und so bin ich mit meiner Ärztin nach Berlin gefahren – mit der Eisenbahn! – um mich für die Ausstellung fotografieren zu lassen. Aber ich habe darauf bestanden, meine Mütze aufzubehalten: Wenn alle Welt schon sehen würde, wie schief mein Körper ist, sollte wenigstens meine Glatze verborgen bleiben.
zum Download:
Patientengeschichte_Leonid.pdf


