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Textanfang / Content
Mit 15 Jahren war ich die Größte in unserer Familie: ganze 1,82 Meter. Und ich wog 68 Kilogramm – zu viel, wie ich dachte. Mein einziges Ziel war abzunehmen, ein folgenschwerer Fehler, denn aus der Diät wurde eine Magersucht.
Nach einigen Jahren wog ich nur noch 36 Kilo, meine Periode setzte aus, alle Therapieversuche schlugen fehl. Was ich meinem Körper antat, das konnte ich nicht überblicken. Mit 19 hatte ich die Magersucht endlich überwunden und begann mit dem Studium. Es ging mir wieder gut, ich hatte einen Nebenjob in einem Altenheim; die Rückenschmerzen, unter denen ich gelegentlich litt, führte ich auf das Heben von Patienten zurück. Eines Morgens jedoch bekam ich urplötzlich Schmerzen in einem unvorstellbaren Ausmaß. Solche Schmerzen hatte ich noch nie erlebt, ich fiel auf den Boden und kroch zurück ins Bett. Aufstehen konnte ich nicht. Mein Hausarzt diagnostizierte einen Bandscheibenvorfall und verordnete Bettruhe. Als ich nach einiger Zeit wieder laufen konnte, bemerkte meine Mutter, dass ich plötzlich fünf Zentimeter kleiner war als meine Schwestern.
Die wirkliche Erklärung für meine Rückenschmerzen war dann schnell gefunden: Wirbelbrüche. Meine Magersucht und die damit verbundene Störung des Hormonhaushalts hatten zu einer Osteoporose geführt. Durch Medikamente, Bewegung und kalziumreiche Ernährung hat sich meine Knochendichte seit damals verbessert. Ich habe Medizin studiert und arbeite jetzt an der psychiatrischen Abteilung der Universitätsklinik Liverpool.
Mein Rat an alle Menschen mit einer Essstörung: Akzeptiert einfach, dass das Gewicht mal höher, mal niedriger ist – wer aber fünf Zentimeter Körpergröße durch eine Osteoporose verliert, bekommt diese niemals zurück.
zum Download:
Patientengeschichte_Anna_2.pdf


