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Vorübergehende Impfstoffknappheit wirft viele Fragen auf
(Marburg, 1.06.07) Das Interesse der Bevölkerung am Thema Zecken ist derzeit groß. Die winzigen Spinnentiere sind als Krankheitsüberträger der bakteriellen Borreliose und der durch Viren verursachten Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME, bekannt. Das Risiko für den Menschen, eine zeckenübertragene Krankheit zu bekommen, ist nicht von der Hand zu weisen. Über die Gefahren, die von Zecken ausgehen, hat das Deutsche Grüne Kreuz e. V. (DGK) in diesem Jahr auf Pressekonferenzen hingewiesen.
Die Akzeptanz der FSME-Impfung in der Bevölkerung hat in diesem Jahr deutlich zugenommen. Für die FSME gibt es definierte Risikogebiete. Für alle, die sich dort im Freien bewegen, ist die Impfung sehr sinnvoll.
Fotos: Prof. Mehlhorn, Düsseldorf
Nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts kommt es derzeit aufgrund der deutlich erhöhten regionalen Nachfrage zu einem vorübergehenden Versorgungsengpass mit FSME-Impfstoffen. Daher hat die Zulassungsbehörde für Impfstoffe in dieser besonderen Situation in Absprache mit beiden Impfstoffherstellern bereits eine Entscheidungshilfe für Ärzte veröffentlicht, wie bei vorübergehender Knappheit von FSME-Impfstoffen vorgegangen werden soll. Aktuell werden die Fachkreise darüber informiert. Da der Produktionsprozess der Impfstoffe komplex und zeitintensiv ist, rechnet man mit einer deutlichen Entspannung der Liefersituation frühestens im Herbst.
Zurzeit gibt es deshalb viele Fragen in der Bevölkerung, die beantwortet werden wollen. Ein Beispiel: Sie haben bisher nur eine Impfung bekommen, in welchem Abstand muss spätestens die zweite Dosis gegeben werden? Oder: Habe ich nach zwei Impfungen bereits einen Schutz? Aufgrund der besonderen Situation haben sich daher auch das DGK und die beiden Impfstoffhersteller zu einer gemeinschaftlichen Initiative entschlossen und eine Telefon-Hotline für die Bevölkerung initiiert. Fragen speziell zur FSME-Impfung beantworten DGK-Experten in einer eigens eingerichteten Telefonsprechstunde, die seit dem 4. Juni noch bis zum Freitag, 27. Juli, geschaltet ist. Montag bis Freitag von 10 bis 12 Uhr ist die Hotline besetzt und unter der Telefonnummer 06421 / 293 584 zu erreichen. Es fallen die üblichen Telefongebühren an, die Beratung selbst ist kostenlos.
Telefonsprechstunde zur FSME-Impfung |
Hintergrund:
Man muss differenzieren: Es gibt zwei Erkrankungen, die hierzulande vornehmlich eine Rolle spielen, die Borreliose und die FSME. Die FSME-Risikogebiete wurden im April vom Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin neu bewertet: Insgesamt sind 129 Kreise als FSME-Risikogebiete ausgewiesen: fast gesamt Baden-Württemberg (39 von 43 Kreisen, 7 sind neu hinzugekommen), 74 Kreise in Bayern (19 neue Kreise), 8 in Hessen (3 neue Kreise ausgewiesen), 7 in Thüringen (4 neue Kreise) und unverändert der Kreis Birkenfeld in Rheinland-Pfalz. Nicht als Risikogebiet deklariert sind derzeit Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen und Sachsen-Anhalt, wo aber vereinzelte FSME-Krankheitsfälle gemeldet wurden. In Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Berlin, Nordrhein-Westfalen und im Saarland wurde bisher noch keine FSME erworben. Übrigens: Innerhalb von nur zwei Jahren haben sich die Erkrankungszahlen in Deutschland verdoppelt: 2004 wurden bundesweit 275 FSME-Fälle gemeldet, 2006 waren es bereits 546. Aktuell wurden dem RKI bis zum jetzigen Zeitpunkt 15 FSME-Erkrankungen gemeldet, im gleichen Vorjahreszeitraum waren es 3.
„Wichtig ist die FSME-Impfung besonders auch für ältere Menschen“, darauf weist der Pforzheimer Neurologe Professor Reinhard Kaiser hin. Denn Häufigkeit und Schweregrad der FSME nehmen mit steigendem Lebensalter zu. Jeder dritte erwachsene Patient leidet unter lang anhaltenden Beschwerden wie Kopfschmerzen, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Sprechstörungen, Schluckstörungen, emotionale Labilität, Gleichgewichtsstörungen, Hörstörungen und Lähmungen von Armen und Beinen. Es existiert keine kausale Behandlungsmöglichkeit, die einzig wirksame Verhinderung der Erkrankung ist die aktive Impfung. Sie wird ab dem dritten Lebensjahr jedem empfohlen, der sich in einem Risikogebiet aufhält. Die Kinderimpfstoffe sind ab dem vollendeten ersten Lebensjahr zugelassen. Bei Kindern verläuft die Krankheit meist milder, ausnahmsweise werden aber auch schwerere Verläufe mit bleibenden Problemen wie Konzentrations- und Lernstörungen beobachtet, die ein Kind in seiner Entwicklung stark beeinträchtigen können.
Borreliose ist bundesweit verbreitet. Die Bakterien werden in durchschnittlich 15 Prozent aller Zecken gefunden. Schätzungsweise 40.000 Menschen erkranken jährlich. Das Hauptkrankheitsbild ist in 90 Prozent der Fälle die Wanderröte. Gegen Borreliose gibt es aber noch keine Impfung. Wichtig ist deshalb, die Krankheit so früh wie möglich zu erkennen, denn je eher die Krankheit diagnostiziert wird, desto besser ist sie mit Antibiotika zu behandeln. Sonst können sich nach Monaten oder Jahren schwerwiegende neurologische Schädigungen, chronische Gelenkentzündungen (Lyme-Borreliose) oder Hautkrankheiten einstellen.
Sinnvoll ist es, sich vor dem Aufenthalt im Freien mit zeckenabwehrenden Mitteln einzureiben, die für etwa zwei Stunden Schutz bieten. Schon festgesogene Zecken sollte man schnellstmöglich entfernen, denn mit der Dauer der Blutsaugens steigt das Risiko, dass die Zecke Borrelien in die Wunde abgibt. FSME-Viren sind allerdings schon kurz nach dem Stich in der Wunde, deshalb bietet ein schnelles Entfernen dabei keinen Schutz.
Quellen, Hinweise, Service:
- FSME-Risikolandkarte: Epidemiologisches Bulletin Nr. 15/2007 unter
www.rki.de - Dr. Jochen Süss, „Zecken – was man über FSME und Borreliose wissen muss“, Irisiana / Heinrich Hugendubel-Verlag 2007)
- Der Flyer „Zecken – unaufhaltsam unterwegs“ kann angefordert werden gegen einen mit 0,55 € frankierten Lang-DIN-Rückumschlag unter dem Stichwort „Zecken“ bei: Deutsches Grünes Kreuz e.V., Schuhmarkt 4, 35037 Marburg
- Weitere Informationen unter www.dgk.de,
www.pei.de/fsme

