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Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut
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(Marburg, 31.07.06) Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut, STIKO, hat ihre Impfempfehlungen aktualisiert und im
Epidemiologischen Bulletin 30/2006 veröffentlicht. Die wichtigsten Änderungen betreffen die Impfungen gegen Pneumokokken und Meningokokken, die nun als Standard-Impfung für alle Säuglinge und Kleinkinder empfohlen werden. Diese Erreger sind die zwei häufigsten Ursachen für schwer verlaufende (invasive) bakterielle Erkrankungen bei Säuglingen und Kleinkindern.
Die Pneumokokken-Impfung bekommen nach den neuen STIKO-Empfehlungen Säuglinge ab zwei Monaten, und sobald die Kinder ein Jahr alt sind, sollen sie zudem gegen Meningokokken des Typs C geimpft werden.
Zum Download:
STIKO_Juli_2006.pdf
Pneumokokken können lokale begrenzte Infektionen verursachen, etwa Mittelohr-, Nasennebenhöhlen- oder Lungenentzündungen. Für Säuglinge und Kleinkinder besonders bedrohlich sind bakterielle Infektionen, wenn der Erreger über das Blut auch andere Organe befällt oder eine Hirnhautentzündung verursacht (Meningitis). Die Häufigkeit ist stark altersabhängig, schwere Fälle gibt es häufig in den ersten beiden Lebensjahren sowie bei älteren Personen auf.
Daher empfiehlt die STIKO auch schon seit längerem allen Personen über 60 Jahren eine Pneumokokken-Impfung mit einem so genannten Polysaccharid-Impfstoff. Für Kinder galt eine Empfehlung bislang nur für bestimmte Risikogruppen. Dazu werden unter anderem Frühgeborene, Kinder mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten, Kinder mit funktioneller oder anatomischer Asplenie, Sichelzellanämie, bei Krankheiten der blutbildenden Organe, bei neoplastischen Krankheiten, bei HIV-Infektion und nach Knochenmarkstransplantation gerechnet.
Bei Kindern unter fünf Jahren treten pro Jahr etwa 970 invasive Pneumokokken-Erkrankungen auf, von denen 680 durch die im Impfstoff enthaltenen Varianten verursacht werden. Die STIKO empfiehlt daher nun für den Pneumokokken-Schutz der unter zwei Jahre alten Kinder einen Konjugat-Impfstoff, der einen länger anhaltenden Schutz hervorruft. Dieser steht seit März 2001in Deutschland zur Verfügung und hat seine Wirksamkeit bereits in klinischen Studien in den USA und in Finnland bei mehr als 37.000 Kleinkindern bewiesen. Für einen vollständigen Impfschutz sind vier Impfungen zeitgleich mit den anderen im Säuglingsalter empfohlenen Impfungen bis zum vollendeten 11. bis 14. Lebensmonat vorgesehen.
Meningokokken (Neisseria meningitidis) können eine Blutvergiftung (Sepsis) oder eine Hirnhautentzündung (Meningitis) verursachen, die manchmal binnen weniger Stunden zum Tode führt. Dem RKI werden jährlich etwa 700 invasive Meningokokken-Erkrankungen gemeldet, davon werden etwa 175 Erkrankungen durch den Typ ausgelöst, gegen den sich der Impfstoff richtet (Serogruppe C). Die Impfung ist mit einer Dosis ab dem vollendeten 12. Lebensmonat empfohlen. Bislang war die Meningokokken-Impfung nur bei bestimmten Vorerkrankungen empfohlen worden.
Der große Masernausbruch in Nordrhein-Westfalen im ersten Halbjahr 2006, bei dem vor allem ungeimpfte ältere Kinder und Jugendliche erkrankten, zeigt, dass diese Altersgruppe beim Impfen nicht vergessen werden sollte. Die STIKO empfiehlt seit Jahren generell, im Kleinkindalter verpasste Impfungen spätestens im Jugendlichenalter nachzuholen.
Die Einführung einer zusätzlichen Auffrischungimpfung gegen Keuchhusten (Pertussis) bei 5- bis 6-Jährigen (Kombinationsimpfung gegen Tetanus, Diphtherie, Pertussis) ist bereits Anfang des Jahres 2006 veröffentlicht worden. Da gegen Keuchhusten kein Einzelimpfstoff mehr verfügbar ist, weist die STIKO in den Empfehlungen 2006 außerdem darauf hin, dass bei jeder Aufrischimpfung gegen Tetanus/Diphtherie die Notwendigkeit einer Pertussis-Impfung überprüft und gegebenenfalls ein Kombinationsimpfstoff gegen Tetanus, Diphtherie und Pertussis verwendet werden sollte.
Die STIKO-Empfehlungen (Epidemiologisches Bulletin 30/2006) sowie die Begründungen zu den beiden neuen Standardimpfungen (Ausgabe 31/2006) sind abrufbar unter www.rki.de
Zwei neue Standard-Impfungen für Säuglinge und Kleinkinder: Neue Empfehlungen der Ständigen Impfkommission veröffentlicht
Pressemitteilung des Robert Koch-Instituts vom 31.07.06

