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(Marburg, 10.11.06) Kinder werden oft mit Medikamenten behandelt, die arzneimittelrechtlich gar nicht für sie zugelassen sind. In Europa soll dieser Zustand beseitigt und die Entwicklung von mehr kindgerechten Medikamenten unterstützt werden. Denn für mehr als 50 Prozent der Medikamente gibt es keine wissenschaftlichen, auf Kinder und Jugendliche bezogenen Daten. Einem entsprechenden Verordnungsentwurf stimmte das Europaparlament in erster Lesung zu. Der Entwurf sieht vor, dass neue Medikamente künftig ausdrücklich auf ihre Tauglichkeit für Kinder getestet werden.
Foto: imagesource
Das begrüßen Kinderärzte in ganz Europa sehr. Sie fordern darüber hinaus auch kindgerechtere Darreichungsformen für Medikamente. In Deutschland wurde nun ein erstes Antibiotikum, das dieser Forderung entspricht, auf den Markt gebracht.
Seit der Entdeckung des Penicillins vor mehr als 70 Jahren gehören Antibiotika zu den erfolgreichsten Waffen der Medizin im Kampf gegen bakterielle Krankheitserreger. Damit ein Antibiotikum aber seine Aufgabe erfüllen kann, muss es in der vorgeschriebenen Dosierung und über einen bestimmten Zeitraum eingenommen werden. Das hört sich zunächst einfach an, besonders bei kleineren Kindern kann das Einhalten dieser Vorschriften für die Eltern aber zu einem echten Problem werden. Viele Kinder mögen Tabletten und Säfte gar nicht und spucken sie wieder aus. Damit ist die richtige Dosierung schon missglückt und die Wirksamkeit in Frage gestellt!
Zwar gibt es inzwischen so genannte Antibiotika-Trockensäfte, die in der Regel erst kurz vor der Anwendung zubereitet werden. Eine häufige Fehlerquelle ist dabei aber, dass das Pulver sich nicht richtig aufgelöst hat, oder das Kind nur einen Teil des Saftes einnimmt. In diesen Fällen ist der Therapieerfolg fraglich und die dadurch eventuell notwendigen Nachverordnungen weiterer Medikamente treiben die Kosten der Behandlung in die Höhe. Mittelohrentzündung, Mandelentzündung oder Bronchitis dauern dann weiter an, zudem können überlebende Bakterien eine unerwünschte Widerstandsfähigkeit gegen das eingesetzte Antibiotikum entwickeln.
Das bei Kindern bewährte Antibiotikum Clarithromycin ist nun als geschmacksneutrales Granulat in einem Trinkhalm erhältlich. Der kleine Patient bekommt sein Lieblingsgetränk und darf dieses durch den Trinkhalm trinken: Beim Aufsaugen wird das Antibiotikum vollständig aufgenommen. Diese Darreichungsform entspricht den Forderungen der Kinderärzte, da Fehler bei der Einnahme so gut wie ausgeschlossen sind. Mütter können aufatmen.
Quängelei oder Streit bei der Einnahme wird so vermieden und die Voraussetzung einer wirkungsvollen Therapie ist erreicht.

