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(Marburg, 28.10.06) In Kenia erkrankte ein dreijähriges Mädchen an paralytischer, also mit Lähmungen einhergehender Polio. Das Kind lebt in einem Flüchtlingslager in der North Eastern Province Kenias an der Grenze zu Somalia, wurde in dem Lager geboren und war niemals in Somalia gewesen.
Dennoch wurde das Virus aus Somalia eingeschleppt. Dies kann damit erklärt werden, dass auf einen an paralytischer Polio erkrankten Patienten 100 bis 1.000 Infizierte kommen, die zwar keine Symptome aufweisen, aber dennoch ansteckend sind. Genetische Untersuchungen des Erregers (Polio-Virus Typ 1) zeigen, dass das Virus ursprünglich aus Nigeria stammt. Dort werden mit 921 Fällen die weltweit meisten Erkrankungen gemeldet, gefolgt von Indien mit 416 Fällen. Neben diesen Ländern sind auch Somalia, Pakistan, Afghanistan, Namibia, Äthiopien und Niger von Polio betroffen, wobei es häufig zur Einschleppung in bereits poliofreie Regionen kam. Dies war im vergangenen Jahr auch in Indonesien und Jemen der Grund für große Ausbrüche in den beiden bereits seit vielen Jahren poliofreien Ländern. Große Impfprogramme konnten die Viruszirkulation stoppen, so dass 2006 nur noch 1 bzw. 2 Fälle gemeldet wurden.
Kenia wird ab dem 3. November 2006 ebenfalls eine groß angelegte, mit Somalia und Äthiopien koordinierte Impfkampagne im Nordosten des Landes durchführen, 250.000 Kinder sollen geimpft werden.
Die Konsequenz für Deutschland: Nicht nachlässig werden mit dem Impfschutz gegen Kinderlähmung! Auch beliebte Reiseländer sind immer wieder von Polio betroffen, wie gerade jetzt Kenia und Namibia. Bei mangelndem Impfschutz in Deutschland könnte auch hier die Krankheit wieder eingeschleppt werden. Zum heutigen Weltpoliotag, der weltweit jährlich am 28. Oktober begangen wird, erinnert das Deutsche Grüne Kreuz e.V. daran, bei Reisenden nach Afrika und Asien den Polio-Impfschutz zu überprüfen undaufzufrischen, wenn die letzte Impfung länger als zehn Jahre zurückliegt.
Im Jahr 2006 wurden bis zum 6. Oktober insgesamt 1.500 Fälle von Kinderlähmung (Poliomyelitis) weltweit registriert. Die Fälle wurden vor allem aus Nigeria (921), des Weiteren aus Indien (416), Somalia (32), Afghanistan (28), Pakistan (28), Namibia (20), Äthiopien (15), Bangladesh (15), Niger (11), Demokratische Republik Kongo (7), Indonesien (2), Nepal (2), Jemen (1), Angola (1) und Kenia (1) gemeldet.
Weitere Informationen:
www.wpro.who.int/health_topics/poliomyelitis/
www.emro.who.int/polio/
Polio: Krankheitsbild und Impfung

