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(Marburg, 17.04.07) Der „gemeine Holzbock“ ist nicht nur gemein, sondern auch gefährlich, man könnte sagen „gemeingefährlich“! Denn er übertragt Infektionskrankheiten auf den Menschen, die bleibende gesundheitliche Auswirkungen haben können. FSME und Borreliose sind die beiden wichtigsten.
„Die Zahl der FSME-Erkrankungen in Deutschland hat 2006 mit 546 Fällen den höchsten Stand seit der Registrierung erreicht“, so Professor Reinhard Kaiser anlässlich der Pressekonferenz des Deutschen Grünen Kreuzes am 17. April in Stuttgart. Auch die FSME-Risikogebiete weiten sich aus. In Stuttgart wurden die aktuellen Daten des Robert Koch-Institutes vorgestellt: Im Epidemiologischen Bulletin vom 13. April 2007 werden die Risikogebiete in Deutschland völlig neu bewertet. Insgesamt sind 129 Kreise als FSME-Risikogebiete ausgewiesen: Fast gesamt Baden-Württemberg (39 von 43 Kreisen, 7 sind neu hinzugekommen), 74 Kreise in Bayern (19 neue Kreise), 8 in Hessen (3 neue Kreise ausgewiesen), 7 in Thüringen (4 neue Kreise) und unverändert 1 Kreis in Rheinland-Pfalz. Vereinzelte Erkrankungen wurden außerdem aus Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen und Sachsen-Anhalt gemeldet, lediglich in Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Berlin, Nordrhein-Westfalen und im Saarland wurden bisher noch keine FSME-Erkrankungen erworben.
Professor Peter Kimmig, Landesgesundheitsamt Stuttgart, legte dar, dass sich die Zecken-Befallsraten seit den 1980er-Jahren um wenigstens das Zehnfache erhöht haben und die FSME-Infektionsgefahr damit entsprechend größer einzuschätzen ist. „Die Entwicklung der FSME-Fallzahlen in Baden-Württemberg stimmen mit diesen Daten überein. Während sie in den 1980er-Jahren mit ca. 5 bis 30 Fällen/Jahr noch gering waren, stieg die Zahl der neurologischen Erkrankungen Anfang der 1990er-Jahre jedoch sprungartig an und lag bis 2002 im Mittel bei 113 Fällen/Jahr. Eine erneute Steigerung war in den letzten beiden Jahren festzustellen, auf 172 Erkrankungen im Jahr 2005 und 272 im Jahr 2006. Dies bedeutet eine Steigerung von über 140 Prozent gegenüber dem vorherigen Mittelwert, für Gesamtdeutschland lag die Steigerung sogar bei 190 Prozent. Angesichts dieser Zahlen muss die Impfakzeptanz, die in Baden-Württemberg derzeit nur bei durchschnittlich 10 Prozent liegt, dringend verbessert werden.“
Professor Kaiser wies darauf hin, dass die Durchimpfungsraten bei den 40- bis 70-Jährigen nur bei etwa 7 Prozent liegen, Häufigkeit und Schweregrad der FSME nehmen jedoch mit steigendem Lebensalter zu. Jeder dritte erwachsene Patient leidet unter lang anhaltenden Beschwerden wie Kopfschmerzen, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Sprechstörungen, Schluckstörungen, emotionale Labilität, Gleichgewichtsstörungen, Hörstörungen und Lähmungen von Armen und Beinen. Es existiert keine kausale Behandlungsmöglichkeit, die einzig sinnvolle Verhinderung der Erkrankung ist die aktive Impfung. Sie wird ab dem dritten Lebensjahr jedem empfohlen, der sich in einem Risikogebiet aufhält. Die Kinderimpfstoffe sind ab dem vollendeten 1. Lebensjahr zugelassen.
Borreliose ist bundesweit verbreitet, sie wird in durchschnittlich 15 Prozent aller Zecken gefunden. Gegen Borreliose gibt es aber noch keine Impfung. Wichtig ist, die Krankheit so früh wie möglich zu erkennen (z. B. aufgrund der typischen Wanderröte rund um die Stichstelle), denn je eher die Krankheit diagnostiziert wird, desto besser ist sie mit Antibiotika zu behandeln.

