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Senioren nicht ausreichend vor Lungenentzündung geschützt

Ständige Impfkommission hat neue Empfehlungen veröffentlicht

(dgk) Pneumokokken stellen in Europa die Hauptursache von bakteriellen Lungenentzündungen dar. Allein in Deutschland sterben nach Schätzungen jedes Jahr mehr als 5.000 Menschen an den Folgen einer Erkrankung mit den Keimen, berichtet die Ständige Impfkommission (STIKO) in ihrer aktuellen Pressemitteilung.

Besonders gefährdet sind ältere Menschen. Doch gerade sie sind schlecht geschützt: Bislang sind nur 31 Prozent der Senioren im Alter von 65 bis 79 Jahren gegen Pneumokokken geimpft. "Eine bessere Umsetzung der Impf-Empfehlungen ist dringend wünschenswert", betont die STIKO daher in ihren neuen Empfehlungen.

Neben Senioren sind Kinder unter zwei Jahren sowie Patienten jeden Alters mit Grundkrankheiten wie Immunschwäche oder mit chronischen Erkrankungen, z. B. an Herz oder Lunge, durch die Bakterien besonders gefährdet.

Zwar gibt es in Deutschland keine Impfpflicht, die Versicherten haben aber einen Anspruch auf bestimmte kostenfreie Schutzimpfungen. Voraussetzung für diesen Anspruch sind die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI). Dieses Expertengremium prüft die verfügbaren Daten und empfiehlt jene Impfungen mit einem hohen Wert für den Gesundheitsschutz des Einzelnen und der Allgemeinheit. Zudem werden bestehende Empfehlungen aufgrund von Erfahrungen „nachjustiert“. Die Ende August erscheinenden Empfehlungen der STIKO werden jedes Jahr mit Spannung erwartet. Im Epidemiologischen Bulletin 34/2016 hat das Expertengremium nun seine aktuellen Impfempfehlungen veröffentlicht.


Die Wahl des Impfstoffes

Derzeit stehen in Deutschland zwei verschiedene Impfstoffe zur Verfügung. Ein schon seit 1983 zugelassener sogenannter Polysaccharid-Impfstoff, der vor 23 verschiedenen Pneumokokken-Typen schützt und ein neuerer sogenannter Konjugatimpfstoff, der allerdings nur vor 13 verschiedenen Typen schützt.

Die STIKO empfiehlt weiterhin für alle Personen ab 60 Jahren als Standardimpfung eine alleinige Injektion mit dem Polysaccharid-Impfstoff, da er gegen ein breiteres Spektrum der insgesamt über 90 Pneumokokkentypen schützen kann.

Für Kinder unter zwei Jahren aber gilt weiterhin die Empfehlung der routinemäßigen Impfung mit dem Konjugatimpfstoff, weil diese nach Impfung mit dem Polysaccharid-Impfstoff keine ausreichende Immunantwort entwickeln. Die generelle Impfung der unter Zweijährigen hat sich in mehrfacher Hinsicht bewährt. Die Injektion schützt erwiesenermaßen nicht nur die Impflinge selbst, sondern hat die Krankheitslast auch in anderen Altersgruppen reduziert, weil weniger Kinder die Erkrankung auf andere übertragen können (Herdenschutz).

Besondere Empfehlungen für Risikogruppen
Für Menschen mit einer Immunschwäche und einige weitere Risikogruppen, wird empfohlen, beide Impfstoffe in einem bestimmten Zeitabstand hintereinander zu verabreichen. Dies betrifft z. B. Patienten mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten oder bei Fehlen der Milz.

Die STIKO hält aufgrund der begrenzten Dauer des Impfschutzes grundsätzlich für alle Risikogruppen eine Auffrischung mit dem Polysaccharid-Impfstoff im Mindestabstand von 6 Jahren für sinnvoll. Senioren ohne weitere gesundheitliche Risiken benötigen nur eine Impfung.

Und Beschäftigte, die beim Schweißen oder Trennen von Metallen Rauch einatmen, sollen sich nun auch gegen Pneumokokken impfen lassen. Metallrauch kann die Lunge schädigen, die dadurch anfälliger für schwere Pneumokokken-Infektionen werden kann.

Unser Tipp: Gleich doppelt schützen
Die Pneumo­kokken-Impfung kann beim gleichen Impf­termin durch­ge­führt werden wie die Grippe­schutz­impfung, die eben­falls für Ältere und für chronisch Kranke aller Alters­stufen empfohlen ist – anders als die Pneumokokken-Impfung allerdings in jedem Jahr.

Viele Informationen zur Pneumokokkeninfektion und der vorbeugenden Impfung finden Sie hier auf unseren Seiten.



Quelle:
Pressemitteilung des Robert Koch-Instituts vom 29.08.2016: Ständige Impfkommission veröffentlicht neue Impfempfehlungen, Epidemiologisches Bulletin 34/2016

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