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Massenveranstaltungen - Erst vorbeugen, dann vergnügen
Das Aufeinandertreffen vieler Menschen bietet hochansteckenden Keimen günstige Bedingungen zur Ausbreitung. Foto: wassiliy-Fotolia

(dgk) Was haben Großveranstaltungen wie Pop-Konzerte, Festivals, Sportevents und Demonstrationen gemeinsam? Sie ziehen viele junge Menschen an und entfalten oftmals eine starke Dynamik, in der das Ereignis im absoluten Mittelpunkt steht. Eine Kombination, die dazu führt, dass sinnvollen Präventionsmaßnahmen kaum Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Infektionskrankheiten sind dabei sicherlich nicht die ersten Gefahren, an die man denkt, wenn es um das Heavy-Metal-Festival in Wacken geht, um ein Bundesligaspiel im Stadion oder ein Konzert von Justin Bieber.

Aber die Infektionsgefahr die von Großveranstaltungen ausgeht, sollte nicht unterschätzt werden. Die Weltbevölkerung wächst und wird mobiler, Massenveranstaltungen werden immer häufiger und größer.

Prof. Martin Haditsch, Reisemediziner vom TravelMedCenter Leonding (Österreich) und Labor Hannover MVZ (Deutschland): „Immer wieder kommt es heutzutage zu enormen Menschenmassenansammlungen – zum Beispiel bei Pilgerreisen, Demonstrationen, Sport-, Musikveranstaltungen und andere Events. Großveranstaltungen mit Hunderttausenden, ja Millionen Teilnehmern auf vergleichsweise engem Raum sind keine Rarität mehr“.

Das Aufeinandertreffen vieler Menschen auf engem Raum, oftmals aus verschiedenen Ländern, führt zu günstigen Bedingungen für die Ausbreitung von Infektionskrankheiten.

Dabei geht es vor allem um solche Erkrankungen, die hochansteckend sind und noch dazu einen einfachen Übertragungsweg (z. B. Tröpfcheninfektion) haben. Forscher fürchten, dass hoch ansteckende Viren wie Grippe- oder Masernviren auf diese Art und Weise noch schneller verbreitet werden.

So kam es immer wieder zu Masernausbrüchen im Rahmen von großen Sportver­an­staltungen, wie beispielsweise bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver im Jahr 2010. Die Masern sind auf dem amerikanischen Kontinent eigentlich ausgerottet, aber während der Winterspiele steckten sich drei Kanadier mit dem Virus an. Das Virus breitete sich aus, und so kam es zum größten Masernausbruch in der Region British Columbia seit 1997. 82 Menschen erkrankten, ein Viertel von ihnen musste im Krankenhaus behandelt werden.

Auch kam es, so Haditsch, mit großer Regelmäßigkeit zu Masernepidemien im Umfeld von Fußballgroß­veran­staltungen, wie bei der WM 2006 in Deutschland, der EM 2008 in Österreich und der Schweiz, der WM 2010 in Südafrika und der EM 2012 in der Ukraine. Bei der diesjährigen WM in Brasilien, wo die Masern durch umfassende Impfaktionen eliminiert worden waren, kam es zu keinem Ausbruch.

Es gibt keine allgemeinen Empfehlungen oder gar Vorschriften für Impfungen bei Großveranstaltungen.* Experten empfehlen jedoch, vor Großveranstaltungen den Standard-Impfschutz zu überprüfen und ggf. zu vervollständigen. Darüber hinaus sollte an die Indikationsimpfungen gedacht werden: Menschen mit Atemwegs­erkrankungen wie beispielsweise Asthma sollten gegen Influenza und Pneumokokken geimpft sein. „Das gilt ganz besonders für Veranstaltungen in geschlossenen Räumen oder bei längeren gemeinsamen Aufenthalten auf beschränktem Raum, wie beispielsweise bei Schiffskreuzfahrten“, betont Haditsch.

Auch andere chronisch Kranke, wie Patienten mit Herz-Kreislauf- oder Nierenerkrankungen, Diabetes, Abwehrschwäche und chronischen neurologischen Krankheiten, sollten diese Vorsichtsmaßnahmen beherzigen.

 

* Mit Ausnahme der Pilgerreise nach Mekka (Hadj). Hier ist die Meningokokken-Impfung mit Vierfachimpfstoff Pflicht, ebenso wird der Nachweis von Polioimpfungen verlangt.

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