DGK e.V. -Kampf gegen Allergien: Immuntherapie nimmt zentrale Stellung ein
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Kampf gegen Allergien: Immuntherapie nimmt zentrale Stellung ein
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Immuntherapie nimmt zentrale Stellung ein
Kampf gegen Allergien:
Immuntherapie nimmt zentrale Stellung ein

Fachgesellschaften veröffentlichen neue Leitlinien zur Hyposensibilisierung

(Marburg/Berlin, 30. November 2009) Etwa jeder vierte Bundesbürger leidet unter einer Allergie. Triefende Nase, leichtes Asthma, Haut­reizungen, Empfindlichkeiten gegenüber Pollen, Insektengift  oder Tierhaaren – die Aus­wir­kungen sind sehr unterschiedlich. Doch die Hilfen für Betroffene werden immer besser,  die Thera­pie­formen immer ausgereifter. Beispiel: die spezifische Immuntherapie, kurz SIT oder Hyposensi­bi­lisierung genannt, bei der mittels Spritze, Tropfen oder Tabletten das Immunsystem lernen soll, nicht mehr auf bestimmte Allergene überzureagieren. Die Therapieerfolge der letzten Jahre schlagen sich auch in den medizinischen Leitlinien der zuständigen Fachgesellschaften nieder. So haben jetzt sämtliche deutschsprachigen Allergiegesell­schaften (1) gemeinsam mit österreichi­schen und schweizerischen Allergie-Experten fachliche Empfehlungen zur spezifischen Immun­the­rapie aktualisiert.

Bei einer  Allergie reagiert das Abwehrsystem überempfindlich auf bestimmte Substanzen – die Allergene –, die normalerweise für den Körper keine Gefahr darstellen. Doch der betroffene Orga­nis­mus produziert Antikörper, um sich vor der vermeintlichen Gefahr zu schützen, was wiederum Reaktionen auslöst, die zu allergischen Beschwerden führen mit Symptomen von allergischem Schnupfen, Bindehautentzündung bis zu allergischem Asthma.

Bei einer spezifischen Immuntherapie / Hyposensibilisierung wird dem Körper wiederholt die Aller­gie ­auslösende Substanz in steigender Dosierung zugeführt, bis die überschießende Immun­reak­tion nicht mehr eintritt und das Abwehrsystem das Allergen toleriert. Die Antikörperproduktion wird reduziert oder gestoppt. So kann eine Hyposensibilisierung im Idealfall die Krankheitssymptome stark reduzieren oder ganz beseitigen. Unter Forschern war lange umstritten, ob die Hyposen­si­bilisierung tatsächlich einen Nutzen für den Patienten hat. Inzwischen konnte aber die Wirksamkeit nachgewiesen werden, und es liegen zahlreiche wissenschaftliche Studien vor, die belegen, dass die spezifische Immuntherapie gut wirkt und kaum Nebenwirkungen hat.

Üblicherweise erfolgt eine spezifischen Immuntherapie über drei Jahre, wobei der Arzt bei der klassischen Therapieform die Allergene in regelmäßigen Abständen unter die Haut spritzt. Das Immunsystem gewöhnt sich dadurch an den Allergieauslöser und wird wieder unempfindlicher. Die Erfolgsraten liegen sehr hoch, bei einer Gräserpollenallergie zum Beispiel bei über 80 Prozent. Außerdem kann eine spezifische Immuntherapie das Risiko vermindern, neue Allergien zu entwickeln.

Für die klassische Allergenbehandlung mit Injektionen (medizinisch: SCIT) gibt es neue Erkenntnisse und wirksame Verfahren, so der Koordi­nator der neuen Leitlinie, Dr. Jörg Kleine-Tebbe vom Allergie- und Asthma-Zentrum Westend in Berlin: Allergischer Schnupfen und leichtes Asthma durch Pollen- und Hausstaubmilbenallergien können nach Ansicht der Experten damit langfristig kuriert werden, auch sommer­liche Schimmelpilzallergien und Beschwerden durch Tierbestandteile lassen sich im Einzelfall mildern (allerdings sollte das verursachende Tier nicht mehr zu Hause gehalten werden). Außerdem gebe es neue Regelun­gen und Leitlinien der europäischen Zulassungs­behörde (EMEA), die neue Maßstäbe für die Qualität der verwendeten und zunehmend besser werdenden Präparate setzten.
Wie Dr. Kleine-Tebbe erläutert, können die Allergen-Injektionen der spezifischen Immuntherapie – drei Jahre lang entweder einmal monatlich oder nur einige Spritzen vor der Pollensaison – bereits ab dem Schulalter gegeben werden, und nach oben gebe es heutzutage praktisch keine Altersbeschränkung mehr. Ferner sei es möglich, damit einem Bronchi­alasthma mit Entzündung der unteren Atemwege und zusätzlichen Allergien vorzubeugen.

Die Fachgesellschaften stellen in der neuen S2-Leitlinie weiter fest, dass die  Verabreichungsform der Allergene unter die Zunge (medizinisch: sublinguale SIT oder kurz SLIT) mittels Tropfen oder Tabletten besonders bei einer Gräserpollenallergie wirksam ist: Sowohl Symptome als auch der Ver­brauch antiallergischer Medikamente nehmen nach einigen Monaten Behandlung deutlich ab, so Dr. Kleine-Tebbe. Erste Daten zu einer anhaltenden Wirkung nach dem Ende einer dreijährigen Behandlung seien vielverspre­chend. Auch für Kinder mit Gräserpollenallergie seien seit kurzem bestimmte SLIT-Präparate zugelassen, die angewandt werden, wenn eine Spritzenbehandlung nicht infrage kommt. Abgesehen von häufigen, oft vorübergehenden Beschwerden in der Mundhöhle (Juckreiz, leichte Schwellungen) würden diese Präparate gut vertragen. Diese Hyposensibilisierungform sei zwar für Pollenallergiker geeignet, bei Haus­staubmilbenallergie oder der Diagnose „Asthma" allerdings sei sie kein Ersatz für die Spritzen.

So nehme die Immuntherapie mit Allergenen mittlerweile eine zentrale Bedeutung für die Behand­lung allergischer Erkrankungen ein, konstatiert die neue Leitlinie der Fachgesellschaften. Das allerdings sei noch zu wenig bekannt: „Wären die betroffenen Allergiker besser infor­miert, könnten viel mehr Patienten von einer Hy­posensibilisierung profitieren", ist sich Dr. Kleine-Tebbe sicher.

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(1) Allergie-Gesellschaften in Deutschland, Österreich und der Schweiz:
Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA); Opens external link in new windowwww.aeda.de
Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI); Opens external link in new windowwww.dgaki.de
Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA); www.gpaev.de
Österreichische Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (ÖGAI); Opens external link in new windowwww.oegai.org
Schweizerische Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (SGAI); Opens external link in new windowwww.ssai-sgai.ch


Quelle:
Kleine-Tebbe J, Bufe A, Ebner C, Eigenmann P, Friedrichs F, Fuchs T, Huttegger I, Jung K, Klimek L, Kopp M, Lässig W, Merk H, Niggemann B, Rabe U, Saloga J, Schmid-Grendelmeier P, Sitter H, Virchow J-C, Wagenmann M, Wedi B, Worm M. Die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) bei IgE-vermittelten allergischen Erkrankungen. S2-Leitlinie von DGAKI, ÄDA, GPA, ÖGAI und SGAI. Allergo Journal 2009;18:508-37.

Update zur spezifischen Immuntherapie (SIT) bei allergischer Rhinokonjunktivitis: Subkutane (SCIT) und sublinguale Applikation (SLIT) der Hyposensibilisierung,
Opens external link in new windowhttp://www.springerlink.com/content/5034842tw241g332/

Opens external link in new windowhttp://resources.metapress.com/pdf-preview.axd?code=5034842tw241g332&size=largest

 

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