DGK e.V. -Die Über- und Fehlversorgung mit Antibiotika wird während der Erkältungszeit besonders deutlich. Sowohl Ärzte als auch Patienten müssen ihren Beitrag leisten, damit Antibiotika weiterhin eine wirksame Waffe gegen gefährliche Krankheitserreger bleiben.
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Erkältungen, Viren, Antibiotika, Bakterien
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Hände weg von Antibiotika bei Erkältungen
Antibiotika helfen nicht bei Erkältungen. Foto: imaginis-Fotolia

Über- und Fehlversorgung mit Antibiotika wird während der Erkältungszeit besonders deutlich

 

(dgk) Halsschmerzen, Schnupfen, Husten, Kopfschmerzen und ein Gefühl von Abgeschlagenheit — das sind die Symptome, mit denen erkältete Patienten kämpfen. Zwei- bis fünfmal im Jahr kann es Erwachsene treffen, Kinder auch häufiger. Meist verschwindet die Erkältung innerhalb von zwei Wochen von allein wieder, nur der Husten hält häufig noch etwas länger an – auch das ist normal.

Drängelnde Patienten: Unkenntnis und mangelnde Geduld
Keine Frage, Erkältungen können sehr lästig sein, aber eine solche Gefahr, dass sie eine Antibiotika-Therapie notwendig machen würden, sind sie in der Regel nicht. Viele Patienten sehen das anders. Laut einer Umfrage der DAK-Krankenversicherung erwarten drei Viertel der Betroffenen eine Antibiotika-Verordnung, wenn Erkältungsbeschwerden nicht von selbst besser werden. Neben mangelnder Geduld zeigt sich hierbei auch Unkenntnis. Erkältungen werden, so Experten, in 80 bis 90 Prozent aller Fälle von Viren verursacht, ohne dass es eine zusätzliche bakterielle Besiedlung gibt. Antibiotika aber wirken nur gegen Bakterien, sie sind bei normalen Erkältungen also vollkommen nutzlos. 40 Prozent der von der DAK Befragten wussten dies nicht.

Nebenwirkungen der Antibiotika-Therapie
Was so manch einer bei seinem Wunsch nach einer schnelleren Genesung von der Erkältung nicht bedenkt, sind die nicht unerhebliche Nebenwirkungen von Antibiotika, wie beispielsweise eine Störung der Darmflora. Antibiotika töten nicht nur bakterielle Krankheitserreger ab, sie treffen auch die im Darm lebenden, nützlichen Bakterien und dezimieren diese stark. Doch die Darmbakterien sind für uns lebensnotwendig. Ihre Aufgaben sind vielfältig, wie der Abbau von Ballaststoffen und die Unterstützung des Immunsystems.  Derzeit ist noch gar noch nicht absehbar, welche Langzeitwirkungen Antibiotika auf die Darmbesiedlung haben.

Antibiotika: Die Schwerter sind stumpf geworden
Noch gravierender ist die Tatsache, dass unnötige Verordnungen das Risiko der Resistenzbildung verschärfen. Hier lauern die wirklichen Gefahren, wenn auch erstmal für die Betroffenen nicht direkt spürbar. Resistente, also widerstandsfähige Keime, denen Penicillin und Co. nichts mehr anhaben können, bedrohen zunehmend die Gesundheit von geschwächten Patienten im Krankenhaus. Infektionen mit multiresistenten Keinem werden für sie zur tödlichen Gefahr, weil Antibiotika nicht mehr wirken können.

Bronchitis muss nicht automatisch mit Antibiotika behandelt werden
Keine Frage: Wer ein Antibiotikum benötigt, soll es bekommen, und – auch das ist wichtig, um Resistenzen zu verhindern – genauso lange einnehmen, wie vom Arzt verordnet. Doch laut Analyse der DAK-Arzneimitteldaten waren fast 30 Prozent der Antibiotika-Verordnungen im Jahr 2013 mit Blick auf die Diagnose fragwürdig, das heißt wahrscheinlich überflüssig. Vor allem bei Infektionen der oberen Atemwege, Bronchitis oder Husten wurden entgegen der Behandlungsleitlinien häufig Antibiotika verschrieben.

Studien zeigen, dass sich eine Antibiotika-Therapie bei akuter Bronchitis meist weder auf die Heilungszeit noch auf die Dauer der Arbeitsunfähigkeit auswirkt. Kein Wunder: Nur bei weniger als 10 Prozent der Patienten können Bakterien als Verursacher überhaupt nachgewiesen werden. Dennoch erhalten hierzulande zwei von drei Patienten mit akuter Bronchitis von Anfang an ein Antibiotikum. Ähnlich verhält es sich z. B. bei Nebenhöhlen- oder Mittelohrentzündungen.

Patienten müssen Verantwortung übernehmen
Wer meint, allein Ärzte müssten hier entgegensteuern, irrt. Viele Patienten haben das Gefühl, sie hätten ein Recht auf die Behandlung mit Antibiotika. Das setzt Ärzte unter Zugzwang. In einer britischen Studie gab jeder zweite Hausarzt an, sich von seinen Patienten bei dieser Frage unter Druck gesetzt zu fühlen. Dementsprechend verordnete auch fast jeder zweite ein Antibiotikum, oft gegen besseres Wissen, um den fordernden Patienten loszuwerden. Interessanterweise verordnen Ärzte nachmittags mehr Antibiotika als vormittags, möglicherweise weil ihre „Wider­stands­kraft“ im Laufe des Tages bröckelt.

Diese Widerstandskraft müssen Ärzte stärken. Doch auch die Patienten sind gefragt. Sie sollten sich kritisch mit dem Konsum von Antibiotika auseinandersetzen und ihre Anspruchshaltung überprüfen. Alle müssen ihren Beitrag leisten, damit Antibiotika weiterhin eine wirksame Waffe gegen gefährliche Krankheitserreger bleiben.

 

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 Quellen:

  1. DAK Gesundheit, Pressemitteilung vom 28.10.2014: Deutsche nehmen zu viele Antibiotika; www.dak.de/dak/bundes-themen/Antibiotika-Report-1487632.html
  2. Ärzte Zeitung vom 13.10.2015: Erkältung - Das hilft bei Husten, Schnupfen und Co. wirklich
  3. Carstens Stiftung, Pressemitteilung vom 8.9.2015: Was tun bei Infektanfälligkeit? Tipps aus der Komplementärmedizin zur Immunstärkung www.carstens-stiftung.de/artikel/top-10-was-tun-bei-infektanfaelligkeit.html
  4. Carstens Stiftung, Pressemitteilung vom 29.9.2015: Top 10 bei Erkältung und Infekten - So kommen Sie mit Naturheilkunde gesund durch den Herbst! http://www.carstens-stiftung.de/artikel/top-10-bei-infekten.html
  5. Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie zu Rhinosinusitis; Stand 3/2011 www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/017-049k_S2k_Rhinosinusitis_2011-verl%C3%A4ngert.pdf

 

 

 

 

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