DGK e.V. -Neue Studien weisen darauf hin, dass die Einnahme von Blutdrucsenkern vor dem Schlafengehen statt am Morgen verschiedene positive Effekte haben kann.
Gesundheitsinformationen zu:
Bluthochdruck, Blutdrucksenker, Diabetes, ACE-Hemmer, Angiotensin-Rezeptor-Blocker, Sartane
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Blutdrucksenker besser abends schlucken?
Die abendliche Einnahme von Blutdrucksenkern verbesserte die Blutdruck-Kontrolle möglicherweise effektiver. Foto: Fotolia

Viele Bluthochdruck-Patienten werden angehalten, alle ihre blutdrucksenkenden Medikamente morgens einzunehmen. Dabei zeigen Studien, dass die Einnahme vor dem Schlafengehen statt am Morgen verschiedene äußerst positive Effekte haben kann.

Abendliche Einnahme beugt Herz-Kreislauf-Komplikationen besser vor

Bluthochdruck ist ein bedeutsamer Risikofaktor für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Besonders bei Patienten, die bereits unter einer Herzerkrankung leiden, ergibt sich die Notwendigkeit einer guten Blutdruckeinstellung. Dies gelingt möglicherweise besser, wenn die Arzneien abends eingenommen werden.

Bereits in einer Untersuchung aus dem Jahr 2010 an mehr als 2.000 Patienten zeigte sich: Die abendliche Einnahme mindestens eines der verschriebenen blutdruck­senkenden Medikamente verbesserte die Blutdruck-Kontrolle effektiver als die konventionelle morgendliche Gabe. Kein Wunder, dass in der Folge auch die Häufigkeit von Komplikationen, die durch den Bluthochdruck hervorgerufen werden können (z. B. Herzinfarkt oder Schlaganfall) sowie auch die Sterblichkeit sanken.

Das wurde in einer in diesem Jahr veröffentlichten Studie bestätigt. Auch hier fanden die Forscher die positiven Effekte der abendlichen Einnahme. Die Risikoreduktion für Herz-Kreislauf-Erkrankungen war dabei dann am stärksten, wenn die abendliche Tablettengabe einen Angiotensin-Rezeptor-Blocker (Sartan) enthielt.

Diabetesrisiko durch abendliche Einnahme gesenkt

Bluthochdruck und Diabetes gehen häufig Hand in Hand.  Dahinter steckt vermutlich eine gemeinsame Ursache beider Erkrankungen – nämlich das metabolische Syndrom. In einer Studie untersuchten Wissenschaftler, welchen Einfluss der Zeitpunkt der Einnahme von Blutdrucksenkern auf das Diabetesrisiko hatte. Eine Gruppe von Bluthochdruckpatienten, die zu Beginn der Studie keinen Diabetes hatten, sollten ihre Blutdrucksenker morgens einnehmen, die andere Gruppe abends.

Wie erwartet entwickelten einige Hypertoniker während des Studienzeitraums von sechs Jahren einen Diabetes. Doch dies betraf jene Patienten, die ihre Blutdrucksenker abends einnahmen seltener. Das Risiko, einen Diabetes zu entwickeln, reduzierte sich bei ihnen um 52 Prozent. Am meisten profitierten Patienten mit ACE-Hemmern: Ihr Diabetesrisiko lag um 69 Prozent niedriger als im Durchschnitt.

Das erscheint logisch, wenn man sich den Mechanismus einiger Blutdrucksenker vergegenwärtigt. Sie zielen auf das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System, kurz RAAS, ab. Dabei handelt es sich um einen körpereigenen Mechanismus, der den Salz- und Wasserhaushalt im Körper steuert – und damit auch den Blutdruck reguliert. Gleichzeitig ist es aber auch eines der wichtigsten blutzuckerregulierenden Systeme des Körpers. Je stärker es aktiviert ist, desto mehr Glukose setzt die Leber ins Blut frei. Die Aktivierung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems spielt, wie Studien nahelegen, eine Schlüsselrolle für die Entstehung des Metabolischen Syndroms und damit von Bluthochdruck und Diabetes.

Gängige blutdrucksenkende Medikamente wie die sogenannten ACE-Hemmer, Angiotensin-Rezeptor-Blocker und bestimmte Betablocker hemmen die Aktivität des RAA-Systems und halten so neben dem Blutdruck auch den Blutzuckerspiegel niedrig. Die spätabendliche Einnahme der Medikamente beeinflusst deshalb den Blutzuckerstoffwechsel besonders positiv, weil das RAAS vor allem nachts aktiv ist. Der Effekt ist dann also am größten.

Fazit

Es ist also sinnvoll, Blutdruckmedikamente eher abends als morgens einzunehmen, wenn nur eine Blutdrucktablette erforderlich ist, bzw. zumindest ein Blutdruckmedi­kament am Abend zu schlucken, wenn die Blutdruckeinstellung die Einnahme von mehreren verschiedenen Medikamenten erforderlich macht. Vor allem profitieren dabei Patienten, die Angiotensin-Rezeptor-Blocker (Sartane) oder ACE-Hemmer einnehmen.

Blutdrucksenker: Änderung der Einnahme nur nach ärztlicher Absprache
Patienten sollten die Dosierung und den Einnahmezeitpunkt ihres Blutdrucksenkers nie eigenmächtig, sondern nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt ändern. Denn manche Medikamente gegen Bluthochdruck wirken besser morgens, andere abends. Bei einigen Patienten möchte man nachts keine zu starke Blutdruckab­senkung haben, bei anderen ist sie aber dringend erforderlich. Grundsätzlich müssen Blutdruckmedikamente regelmäßig angewendet werden, damit sie ihren Nutzen entfalten und das Risiko für schwere Folgeerkrankungen senken können. Die konsequente Einnahme der vom Arzt verschriebenen Tabletten ist eine der wichtigsten Maßnahmen, mit der Patienten ihre Therapie selbst aktiv unterstützen können.

 

Welche blutdrucksenkende Medikamente stehen zur Verfügung?
Es gibt fünf große Substanzklassen, die den Blutdruck effektiv senken können:
Diuretika, Betablocker, Calciumantagonisten, ACE-Hemmer und Angiotensin-Rezeptor-Blocker (= Sartane).

Bei welchen könnte die abendliche Einnahme vor Diabetes schützen?
Nur bei ACE-Hemmern, Angiotensin-Rezeptor-Blockern (Sartanen) und einigen Betablockern zeigte sich die Schutzwirkung vor Diabetes bei abendlicher Einnahme.

 



Bluthochdruck: Selbstmanagement bringt's
Ob bei Asthma oder Diabetes - bei manchen chronischen Erkrankungen kann der Bedarf an den verschriebenen Medikamenten erheblich schwanken. Viele Patienten lernen, ihren Medikamentenbedarf selbst zu ermitteln und die Dosierung vorzunehmen. Dies könnte auch bei Bluthochdrucpatienten sinnvoll sein, wie aktuelle Studien zeigen. Mehr


 


Quellen:

  1. Ramón C. Hermida: Bedtime ingestion of hypertension medications reduces the risk of new-onset type 2 diabetes: a randomised controlled trial, Diabetologia; pp 1-11, 23 September 2015
  2. Blutdrucksenker abends schlucken; Netdoktor, Meldung vom 30.10.15
  3. Hermida RC, Ayala DE, Mojón A, Fernández JR: Influence of circadian time of hypertension treatment on cardiovascular risk: results of the MAPEC study. Chronobiol Int. 2010 Sep;27(8):1629-51. doi: 10.3109/07420528.2010.510230.
  4. Smolensky MH, Hermida RC, Ayala DE, Portaluppi F: Bedtime hypertension chronotherapy: concepts and patient outcomes; Curr Pharm Des. 2015;21(6):773-90.
  5. www.diabetes-deutschland.de/archiv/archiv_2648.htm

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