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Hepatitis-B-Impfung: Ist eine Titerbestimmung und Auffrischung bei Jugendlichen sinnvoll?
Foto: Dasha Petrenko-Fotolia

Autor: Dr. med. Jan Leidel

Mich erreichte folgende Frage:
„In unserer Praxis wird grundsätzlich bei allen Jugendlichen, die routinemäßig im Kindesalter geimpft wurden, Anti-HBs bestimmt, auch wenn die Grundimmunisierung vollständig und im richtigen Abstand durchgeführt wurde. Oftmals ist auch dann kein ausreichender Titer mehr messbar, und wir geben eine erneute Auffrischimpfung. Sollen wir dann wieder testen? Was sagt die STIKO dazu? Und wie gehen wir am besten vor, wenn ein Jugendlicher ein erhöhtes Infektionsrisiko für Hepatitis B hat (beruflich, Trekkingreise o. Ä.)?“

Antwort:
Für den Schutz vor einer Erkrankung an Hepatitis B ist die Frage, ob durch eine Impfung in der Vergangenheit ein immunologisches Gedächtnis induziert wurde, sehr viel wichtiger als die aktuelle Antikörperkonzentration zum Zeitpunkt eines Kontakts mit dem Virus. Anti-HBs kann mit der Zeit abnehmen und evtl. sogar nicht mehr nachweisbar sein. Wenn aber ein immunologisches Gedächtnis etabliert wurde, setzt bei einem Kontakt mit Hepatitis-B-Viren rasch die Ak-Produktion wieder ein. Und nach ca. 2 Wochen kann von einem schützenden Antikörperspiegel ausgegangen werden. Dies reicht angesichts der langen Inkubationszeit der Hepatitis B aus, eine Erkrankung zu verhindern.

Von einem immunologischen Gedächtnis kann im Allgemeinen ausgegangen werden, wenn beim Impfling 4 bis 8 Wochen nach Abschluss der Impfung ein Anti-HBs von >10 IU/l vorliegt. Allerdings wurde in einer deutschen Studie (Huzly et al. J. Clin. Microbiol 2008; 46: 260 – 264) gezeigt, dass mit den meisten kommerziellen Testsystemen im Bereich zwischen 5 und 20 IU/l keine verlässlichen und reproduzierbaren Ergebnisse erzielt werden. Daher empfiehlt die STIKO als Ausdruck eines etablierten immunologischen Gedächtnisses und eines sehr langen, wohl meist lebenslangen, Schutz vor Erkrankung einen Wert von mindestens 100 IU/l.

In einer italienischen Studie (Zanetti et al. Lancet 2005; 366: 1379 – 1384) konnte gezeigt werden, dass 62% von als Säuglingen geimpften Kindern (n=1.212) nach 10 Jahren noch Antikörper im schützenden Bereich (>10 IU/l) aufwiesen. Eine Wiederimpfung der Kinder, deren Antikörper unter diese Grenze abgesunken waren, führte in 97% zu einem Anstieg über 10 IU/l. 86% erreichten sogar >100 IU/l.

Das immunologische Gedächtnis persistiert nach zahlreichen Untersuchungen über die Anwesenheit von anti-HBs hinaus. Es kann zwar eine Infektion nicht sicher verhindern, sehr wohl aber den Ausbruch einer Erkrankung und besonders eine Chronifizierung.

Beim derzeitigen Kenntnisstand empfiehlt die STIKO nach regulär im Kindesalter erfolgter Hepatitis-B-Impfung weder eine routinemäßige anti-HBs-Kontrolle bei den Jugendlichen (viele „vermeintlich“ negative Befunde trotz vorhandenem immunologischen Gedächtnis), noch eine routinemäßige Auffrischung bei negativem Antikörperbefund (zahlreiche unnötige Impfungen). Wenn aber bei jemandem, der als Kind geimpft wurde, ein neues Hepatitis-B-Risiko auftritt (z. B. Abenteuerreise, Berufswahl), empfiehlt die STIKO eine Auffrischimpfung und die nachfolgende Kontrolle des Impferfolgs 4 bis 8 Wochen später.