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Neue STIKO-Empfehlungen 2015
Foto: Oksana Kuzmina-Fotolia

Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) hat ihre aktuellen Impfempfehlungen veröffentlicht. Die wichtigsten Punkte möchten wir Ihnen vorstellen.

Erleichterung bei der Pneumokokken-Impfung

Für die Impfung brauchen Säuglinge jetzt nur noch 3 Termine. Denn laut Ständiger Impfkommission (STIKO) sollen Babys zukünftig nur drei statt bisher vier Impfstoffdo­sen eines Pneumokokken-Konjugatimpfstoffs erhalten, und zwar im Alter von 2, 4 und 11 bis 14 Monaten (sogenanntes 2+1-Impf­schema = zwei Impfungen zur Grundimmunisierung plus eine Auffrischung). Möglich geworden ist dieses kürzere Impfschema durch neue Daten, die dessen Wirksamkeit belegen.

Allerdings gibt es eine Einschränkung für die Allerkleinsten: Für Frühgeborene (Geburt vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche) wird unverändert das 3+1-Schema empfohlen, da in der Impfstoff-Zulassung die Anwendung des kürzeren Impfschemas bislang auf Reifgeborene beschränkt ist. Frühgeborene sollen demnach wie bisher vier Impfstoffdosen im Alter von 2, 3, 4 und 11-14 Monaten erhalten.

Meningokokken B-Impfung bei Vorerkrankungen

Gegen Meningokokken der Serogruppe B ist seit Dezember 2013 ein Impfstoff in Deutschland verfügbar. Die STIKO wertet die bisherigen Studienergebnisse allerdings als noch nicht ausreichend für eine Entscheidung über eine generelle Impf­empfehlung.

Doch für Personen mit spezifischen Grundkrankheiten empfiehlt die STIKO nun zukünftig eine Impfung gegen Meningokokken B (Indikationsimpfung). Dies kann z. B. Patienten mit angeborener oder erworbener Immundefizienz betreffen.

Da das Risiko an einer invasiven Meningokokken-B-Infektion zu erkranken je nach Grundkrankheit unterschiedlich hoch ist, sollte die Entscheidung für eine Meningokokken-B-Impfung nach individueller Risikoabschätzung getroffen werden.

Auch speziell gefährdetes Laborpersonal soll sich künftig impfen lassen. Explizit empfiehlt die STIKO zusätzlich zur Antibiotikagabe auch die Impfung, wenn enger Kontakt zu einem an einer Meningokokken-B-Infektion Erkrankten bestanden hat (sog. Postexpositionsprophylaxe).

Gelbfieber: keine Auffrischimpfung mehr nötig

Bei der Gelbfieberimpfung empfiehlt die STIKO aufgrund der Änderungen in den internationalen Gesundheitsvorschriften (IGV) keine generelle Auffrischimpfung mehr. Die Änderung wurde möglich, nachdem in den vergangenen Jahren mehrere Studien auf einen lebenslangen Impfschutz nach einmaliger Gelbfieberimpfung hingewiesen haben. Aber wie so oft gibt es Ausnahmen: Für manche Personen ist dennoch eine Auffrischimpfung zu erwägen, die eventuell keinen lebenslangen Schutz aufgebaut haben. Dazu zählen etwa Kinder, die schon im Alter unter zwei Jahren geimpft wurden oder wenn die erste Impfung in der Schwangerschaft gegeben wurde.

Mit ihrer Empfehlung greift die STIKO den in 2014 aktualisierten Internationalen Gesundheitsvorschriften der WHO vor, deren Umsetzung in den WHO-Mitgliedsstaaten erst bis Juli 2016 vollzogen werden muss. Vor einer Reise muss also im Moment unbedingt geprüft werden, ob das Reiseland derzeit doch noch eine Auffrischimpfung verlangt.

Varizellen: erweiterte Empfehlung für Immunglobuline

Varizella-Zoster-Immunglobuline sind bei fehlender Immunität gegen das Varizella-Zoster-Virus wichtig, wenn ein erhöhtes Risiko für eine schwere Windpocken-Infek­tion besteht und nicht mit dem Lebendimpfstoff geimpft werden konnte. Hier hat die STIKO ihre Empfehlung erweitert, hinsichtlich des Personenkreises (Frühgeborene mit Kontakt zum Erreger) und des Zeitraums der Anwendung (bis zu 10 Tage nach Erregerkontakt).

Masern: klarere Form der Empfehlungen

Zudem hat die STIKO die Masern-Impfempfehlungen überarbeitet – allerdings nur redaktionell. Impfindikationen für bestimmte Situationen (zum Beispiel Ausbruchsge­schehen, Aufnahme in eine Kita) wurden bisher nur im Fließtext erwähnt und sind nun in den Tabellen 2 und 3 der Empfehlungen detailliert aufgelistet.

Quellen:

  1. Pressemitteilung des Robert Koch-Instituts vom 24.8.2015: 2+1 statt 3+1. Neue Impfempfehlungen der STIKO veröffentlicht http://www.rki.de/DE/Home/Teaser.html
  2. Epidemiologisches Bulletin Nr. 34/2015