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Keine Renovierung bei Schwangerschaft
Schwangere sollten Renovierungsarbeiten besser auf später verschieben. Foto: stimmungsvoll - Fotolia

(dgk) Für den „Nestbautrieb“ gibt es wissenschaftlich gesehen keinen Nachweis, dennoch kann man dieses Phänomen oft bei Schwangeren beobachten. Werdende Mütter möchten die Wohnung für den neuen Erdenbürger vorbereiten und vielleicht auch für die gesamte Familie schöner machen – wer weiß schon, wann man wieder dazu kommt, wenn das Kind erst einmal da ist?

Das Herrichten der Wohnung für ein Baby ist schön und sinnvoll. Darüber hinausgehende Renovierungs­maßnahmen z. B. des Fußbodens hingegen bergen Gefahren für das Kind.

Das jedenfalls legt eine Studie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) nahe. Sie zeigt, dass ein neuer Fußboden im Wohnumfeld von Schwangeren das Risiko für Atemwegsbeschwerden bei Kleinkindern erhöht. Grund dafür sind Ausdünstungen aus dem Material.

Ziel der Forschungsarbeit war es, die Auswirkungen von flüchtigen organischen Verbindungen aus Fußbodenmaterialien, die während oder kurz nach der Schwangerschaft ausgelegt wurden, auf Atemprobleme in der frühesten Kindheit zu ermitteln.

Dabei zeigte sich, dass ein neuer Fußboden im Wohnumfeld von Schwangeren das Risiko von Kleinkindern deutlich vergrößert, im ersten Lebensjahr Atemwegsbeschwerden zu bekommen. Besonders gefährdet waren Kinder, deren Mutter oder Vater bereits unter Asthma, Heuschnupfen oder anderen allergischen Erkrankungen gelitten haben. Bei diesen Kindern verfünffachte sich das Risiko.

„Wir raten daher davon ab, in Wohnungen von Schwangeren Laminat, Teppichboden oder anderen Fußbodenbelag neu zu verlegen“, erklärt Dr. Ulrich Franck vom UFZ. „Zwar sind die Konzentrationen dieser flüchtigen Chemikalien geringer, wenn kein Kleber beim Verlegen verwendet wird, aber selbst dann reichen die Konzentrationen immer noch aus, um das Risiko der Kleinkinder, in den ersten Monaten an Atemwegsbeschwer­den zu leiden, deutlich zu erhöhen“, so Franck weiter.

Doch nicht nur Fußböden entströmen die ungesunden Gase. Weitere wichtige Quellen für die flüchtigen organischen Verbindungen sind laut Umweltbundesamt verschiedene Baumaterialien, Wand- und Deckenmaterialien, Farben, Lacke, Klebstoffe und Möbel.

Jede Renovierung, die mit Ausdünstungen aus Anstrichen, Klebstoffen, Teppichen oder neuen Möbeln verbunden ist, sollte daher in der Schwangerschaft und im ersten Lebensjahr unterbleiben.

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Quellen:

  1. Pressemitteilung des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) vom 15. Dezember 2014: Neuer Fußboden kann zu Atemproblemen bei Babys führen
  2. Francka, Ulrich, Wellera, Annegret et al.: Prenatal VOC exposure and redecoration are related to wheezing in early infancy; Environment International, Dezember 2014,  doi:10.1016/j.envint.2014.08.013
  3. Umweltbundesamt vom 21.08.2013: Flüchtige organische Verbindungen http://www.umweltbundesamt.de
  4. Pressemitteilung des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) vom 13. Januar 2003: Renovieren in der Schwangerschaft - ein Gesundheitsrisiko für das Kind!