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Streustrahlung: unterschätzte Gefahr

(Marburg, August 2014) Nicht in die pralle Mittagsonne legen und möglichst immer Schatten aufsuchen –  so lautet meist die ärztliche Empfehlung im Sommer, um sich vor möglichen Hautschäden und Hautkrebs zu schützen. Das ist auch sicher richtig, doch die versteckten Gefahren der Sonne lauern eigentlich woanders. Viel zu sehr unterschätzt wird nämlich nach Ansicht von Schweizer Forschern das diffuse Sonnenlicht, die sogenannte Streustrahlung, die über einen längeren Zeitraum addiert den weitaus größten Anteil der UV-Einstrahlung auf uns ausmacht.

Wissenschaftler um David Vernez von der Universität Lausanne hatten für ihre Studie ein Modell entwickelt, mit dem sich die Bestrahlung ungeschützter Körperbereiche über den Verlauf eines Jahres hinweg simulieren ließ. Besonders interessant war, welchen Anteil die direkte, die reflektierte und die Streustrahlung an der UV-Belastung hatten. So trug die direkte Einstrahlung nur mit maximal 24 Prozent zur Gesamtbelastung bei, obwohl sie zu bestimmten Zeiten – etwa mittags im Sommer – mehr als 50 Prozent der Gesamtdosis erreichen kann. Reflektierte Strahlung war nur mit 0,1 bis 3 Prozent an der UV-Gesamtdosis beteiligt. Den Hauptanteil an der kumulierten Dosis steuerte die Streustrahlung bei: 80 Prozent der jährlichen UV-Last gingen auf ihre Rechnung.

Zugleich handelt es sich dabei um eine Strahlungsart, vor der man sich weniger gut schützen kann als vor direkt einfallendem Licht. „Uns scheint, dass die Streustrahlung in der aktuellen Präventionspraxis nicht adäquat berücksichtigt wird“, schreiben die Schweizer Autoren im Fazit ihrer Studie. Dabei trage sie am meisten zur individuellen UV-Belastung bei. Die Forscher bezweifeln, dass Empfehlungen wie „Mittagssonne meiden“ oder „Schatten suchen“ mit Blick auf langzeitige UV-Schäden wirklich effektiv sind.

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Quellen:

(1) Lücke im Schirm, Streustrahlung wird beim UV-Schutz arg vernachlässigt, springermedizin.de
(2) Vernez D et al., Anatomical exposure patterns of skin to sunlight: relative contributions of direct, diffuse and reflected ultraviolet radiation, Br J Dermatol 2012; DOI: 10.1111/j.1365-2133.2012.10898.x, Article first published online: 1 JUN 2012