[Druckansicht schliessen]
Sport in der Schwangerschaft: kein Risiko für das Ungeborene
Quelle: BabylonDesignz_fotolia

(Marburg, 16. November 2012) Joggen mit „dickem Bauch“? Sportliche Betätigung für Schwangere? Werdende Mütter haben da häufig Sorge vor eventuellen gesundheitlichen Schäden. Doch eine neue US-Studie bestätigt: Gesunde Frauen können und sollten während einer Schwangerschaft weiter Sport treiben; dem ungeborenen Kind schadet die körperliche Anstrengung der Mutter nicht.
    
Viele Schwangere verzichten darauf, Sport zu treiben und erlegen sich lieber ein Schon-programm auf – auch dem Hinweis einiger Ärzte folgend, die befürchten, dass das Ungeborene nicht genügend Sauerstoff erhält, wenn die sportliche Aktivität bei der Mutter den Bedarf ansteigen lässt.
Doch die Annahme, dass Sport in der Schwangerschaft die Blutversorgung des Kindes drosseln könnte, entkräftet eine aktuelle Studie amerikanischer Wissenschaftler aus Baltimore. Das Team von der Johns Hopkins Universität ließ 45 Schwangere 30 Minuten auf einem Laufband trainieren und bestimmte danach mittels Doppler-Ultraschall den Blutfluss in der Nabelschnur der ungeborenen Kinder.
Ergebnis: Bei einer mittleren Belastung von 40 bis 59 Prozent des maximalen Pulsschlags, der zuvor für jede Schwangere individuell ermittelt worden war, änderte sich die Blutversorgung in der Nabel-schnur nicht. Intensives Laufbandtraining mit einem Anstieg des Pulsschlags auf 60 bis 84 Prozent des Maximalwerts führte zwar zu einem leichten Abfall der Blutflusswerte in der Nabelschnur, es bestand jedoch zu keiner Zeit eine Gefahr für das Kind.

Trainierte Frauen können und sollten ihre sportlichen Aktivitäten auch während der Schwangerschaft  beibehalten, wie ebenfalls die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) empfiehlt. Auch bei Frauen, die vorher keinen Sport getrieben hatten, kam es laut Studienergebnis nicht zu Störungen in der Sauerstoffversorgung des ungeborenen Nachwuchses. Nach Ansicht von Experten spreche nichts dagegen, auch untrainierten Frauen während der Schwangerschaft zu Sport zu raten.

Die Studie bestätigt die geltenden US-Leitlinien, wonach Schwangeren zu fünf mal 30 Minuten Sport in der Woche geraten wird. Auch nicht-trainierte Frauen sind ausdrücklich zur Aufnahme sportlicher Aktivitäten aufgefordert, so Professor Annegret Geipel, Leiterin der Abteilung für Geburtshilfe und Pränatale Medizin am Universitätsklinikum Bonn und Vorstandsmitglied der DEGUM. Denn Frauen, die regelmäßig schwimmen, radfahren oder walken, vermieden dadurch eine übermäßige Gewichts-zunahme in der Schwangerschaft und senkten das Risiko für einen Schwangerschaftsdiabetes, die der Gesundheit von Mutter und Kind schade.

Allerdings gelten diese Empfehlungen nur für gesunde Frauen mit normalem Schwangerschaftsverlauf. Frauen mit Mehrlingsschwangerschaft, vorausgegangenen Frühgeburten, einer Gebärmutterhals-schwäche oder anderen Schwangerschaftsstörungen sollten vorher ärztlichen Rat einholen. Außerdem sollten Schwangere nur Sportarten mit geringem Verletzungsrisiko betreiben. Sportarten wie Skifahren, Reiten, Hockey oder Tauchen sind während der Schwangerschaft tabu.

Weitere Informationen finden Sie   Opens external link in new window  h i e r  .


Quellen:


Linda M. Szymanski, Andrew J. Satin. Exercise during pregnancy: fetal responses to current public health guidelines. Obstetrics & Gynecology 2012 Mar; 119(3): 603-610,
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22314872

Sport in der Schwangerschaft ohne Risiko für das Kind, 11.10.2012,
http://www.journalmed.de/newsview.php?id=38916