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EHEC: Gefährliche Durchfallerkrankung breitet sich aus

Möglicherweise sind rohes Obst und Gemüse die Infektionsquelle der aktuellen Erkrankungswelle - Bildquelle: Fotolia/Alex Bauer(Marburg, 30. Mai 2011)

Nach Schätzungen vom Sonntag (29.5.2011) sind deutschlandweit mehr als 1200 Fälle registriert, in denen eine EHEC-Infektion bestätigt wurde oder zumindest ein Verdacht vorliegt. Viele Patienten liegen in äußerst kritischem Zustand auf der Intensivstation. Die Zahl der Todesfälle, die in Verbindung mit dem Erreger gebracht werden, hat sich am Wochenende auf zehn erhöht. Alle Opfer stammten aus Norddeutschland. Ärzte gehen davon aus, dass sich die EHEC-Welle weiter zuspitzen könnte.

Verbraucherministerin Ilse Aigner hält angesichts Hunderter Erkrankungen an der Warnung vor dem Verzehr roher Gurken, Blattsalate und ungekochter Tomaten fest. „Solange es den Experten in Deutschland und Spanien nicht gelungen ist, die Quelle des Erregers zweifelsfrei zu benennen, haben die allgemeinen Warnhinweise für Gemüse weiterhin Bestand.“

Doch trotz der zunehmenden Erkrankungen durch den gefährlichen Durchfallkeim hält die Bundesärztekammer die Situation für beherrschbar. "Hier geht es zwar um einen potentiell lebensgefährlichen Erreger, doch ich warne vor Panikmache", sagte der Vizepräsident der Kammer, Frank-Ulrich Montgomery, der "Passauer neuen Presse". Die Lage lasse sich beherrschen, auch wenn die Fallzahlen stiegen. Jeder könne sich schützen, indem er sich streng an die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts halte, häufig die Hände wasche und vorübergehend auf den Verzehr von ro-hen Gurken, ungekochten Tomaten und Salat zu verzichten.

Mediziner setzen bei schweren Hus-Fällen inzwischen auf den neuen Wirkstoff Eculi-zumab, einem sogenannte monoklonale Antikörper. Ärzte und Wissenschaftler aus Heidelberg, Montreal und Paris haben in der Online-Version des „New England Jour-nal of Medicine“ über die erfolgreiche Behandlung von drei Kleinkindern, die an einem schweren hämolytisch urämischen Syndrom (HUS) nach einer EHEC-Infektion litten, berichtet. Die Infektionen waren 2010 aufgetreten.

Laut dem Europäischen Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention (EDCD) in Stockholm ist der derzeitige Ausbruch des Darmkeims Ehec einer der größten seiner Art weltweit und der größte jemals in Deutschland.

Infektionen mit enterohämorrhagischen Escherichia coli (EHEC) können leichte bis schwere, blutige Durchfallerkrankungen verursachen. Gefürchtet sind die Keime, weil sie unter Umständen zu schweren Krankheitsverläufen und Todesfällen führen kön-nen, insbesondere bei kleinen Kindern. Vor allem ihnen droht als Folge einer EHEC-Infektion das lebensbedrohliche hämolytisch-urämische Syndrom (HUS), eine Erkrankung, die sich in Blutgerinnungsstörungen, einer Zerstörung der roten Blutkörperchen bis hin zum akuten Nierenversagen äußern kann. Erwachsene können sich hingegen mit EHEC infizieren, ohne dass Symptome auftreten.

Die Hauptinfektionsquelle für EHEC sind Wiederkäuer, vor allem Rinder, aber auch Schafe und Ziegen, über deren Kot die Erreger zum Menschen gelangen. Die Übertragungswege sind vielfältig: Die Infektion kann beim direkten Kontakt mit Tieren, aber auch beim Verzehr kontaminierter Lebensmittel - zum Beispiel rohem Rindfleisch oder Rohmilch - übertragen werden. Eine Infektion ist zudem über ungewaschenes, güllegedüngtes Obst und  Gemüse oder von Mensch zu Mensch möglich.

Ehec-Bakterien treten in Deutschland immer wieder auf. Den jahreszeitlichen Höhepunkt bilden die Sommermonate. Das RKI hat seit Einführung der Meldepflicht 2001 bundesweit jährlich zwischen etwa 900 und 1.200 EHEC-Erkrankungen registriert, oft mit leichteren Verläufen. Der Altersmedian liegt bei 4 Jahren. Hauptsächlich betroffen sind Kinder im Alter bis neun Jahren. Im Jahr 2009 machten allein die unter Fünfjährigen 44 Prozent der Erkrankungsfälle aus. Ungewöhnlich an dem derzeitigen Ausbruch ist, dass vor allem erwachsene Frauen betroffen sind.

Ein Merkblatt zu Übertragungswegen und der Vermeidung von Infektionen vom Bun-desinstitut für Risikobewertung (BfR) finden Sie unter:
www.bfr.bund.de/de/presseinformation/2011/02/ehec_infektionen_koennen_fuer_kinder_schwerwiegende_folgen_haben-58198.html

Einen ausführlichen Ratgeber finden Sie unter www.rki.de/cln_169/nn_467482/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber__Mbl__EHEC.html

Quellen:
Ärzteblatt.de vom 30.5.2011
Robert Koch-Institut (www.rki.de vom 30.5.2011 und Epibull 41 /2006)
Bundesinstitut für Risikobewertung (www.bfr.de)
Pressemitteilung vom Universitätsklinikum Heidelberg, vom 27.05.2011