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Die Zecken sind wieder aktiv

Quelle: Prof. Mehlhorn, Düsseldorf(Marburg, April 2011) Zecken sind wahre Überlebenskünstler: Sie können bis zu zwei Jahre ohne Nahrung auskommen und den Winter überstehen sie ziemlich unbeschadet in verrottendem Laub, wo immer ein angenehm feuchtes Klima herrscht. Nicht nur milde, sondern auch schneereiche Winter scheinen für Zecken das Überdauern der kalten Jahreszeit zu erleichtern, weil sie unter der Schneedecke vor allzu strengen Frösten geschützt sind. Kommt der Frühling, so werden die Tiere ab einer Temperatur von etwa sieben Grad Celsius wieder aktiv – und begeben sich auf Nahrungssuche.

Durch ihre sensiblen Sinnesorgane nehmen Zecken schon aus großer Entfernung über Erschütterungen, Änderungen der Temperatur oder chemische Reize, z. B. die Schweißzusam-mensetzung, wahr, wenn sich ein möglicher Wirt nähert. Dabei sind sie dann nicht wählerisch: Vögel oder Kleinsäuger wie Mäuse sind sichere und stets verfügbare Opfer. Aber auch der Mensch „wird gerne genommen“, wenn die Zecke die Gelegenheit hat, sich an ihm festzukrallen. Denn es ist eine Mär, dass Zecken sich vom Baum fallen lassen, sie sitzen in Gras und Unterholz bis maximal 1,5 m Höhe und werden vom Wirt abgestreift.

Zecken können mit ihrem Stich Erreger auf den Menschen übertragen: Viren, die eine  FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) oder Bakterien, die eine Borreliose auslösen. Natürlich führt nicht jeder Zeckenstich zu einer FSME oder Borreliose, aber die Befallsrate der Zecken z. B. mit FSME-Viren hat verglichen mit den 1980er Jahren stark zugenommen. Bei etwa 10 Prozent der infizierten Patienten treten schwere, neurologische Symptome auf, wobei mit steigendem Lebensalter Häufigkeit und Schweregrad einer FSME zunehmen. Oftmals erkundigen sich Eltern und Großeltern nach dem FSME-Impfschutz für ihre Kinder und Enkel, vergessen aber ihren besonders wichtigen eigenen, so die Experten beim Deutschen Grünen Kreuz. Da es keine Möglichkeit gibt, die FSME ursächlich zu behandeln, empfiehlt die Ständige Impfkommission die  FSME-Impfung für alle,  die in FSME-Gebieten leben und sich viel in der Natur aufhalten – wie zum Beispiel beim Wandern, Campen, beim Sport oder im eigenen Garten – oder die in FSME-Gebiete reisen möchten. Selbstverständlich sollen auch beruflich Gefährdete eine Impfung erhalten (Förster, Jäger, Waldarbeiter, Landwirte.
Eine Infektion mit Borrelien zeigt sich häufig, aber nicht immer, durch eine Rötung um die Stichstelle, die sich kreisförmig ausbreitet (Wanderröte). Daher ist es wichtig, die Einstichstelle noch bis zu zwei Monate zu beobachten. Besteht Verdacht auf eine Borreliose, sollten Sie unverzüglich den Arzt aufsuchen, denn diese Erkrankung ist im Anfangsstadium sehr gut mit Antibiotika therapierbar. Der einzige vorbeugende Schutz gegen Borreliose ist die Vermeidung von Zeckenstichen.

Reisecheck: Reicht der FSME-Impfschutz noch aus?
Den Basisimpfschutz gegen die gefürchtete FSME bietet die Grundimmunisierung bestehend aus insgesamt drei FSME-Impfungen. Die beiden ersten Impfungen sollten je nach Impfstoff mindestens drei bis vier Wochen auseinander liegen, etwa zwei Wochen nach der zweiten Dosis ist der Impfschutz für maximal ein Jahr verlässlich. Die für den Langzeitschutz wichtige dritte Impfdosis wird nach neun bis zwölf Monaten gegeben; danach besteht für drei Jahre Schutz.
Wichtig ist, bei weiterbestehendem Risiko an die Auffrischimpfungen zu denken: Drei Jahre nach der Grundimmunisierung genügt eine Dosis, bei weiteren Auffrischungen sind in der Regel Abstände von fünf Jahren ausreichend. Personen ab 50 Jahren wird eine Auffrischimpfung alle drei Jahre empfohlen. Die Verträglichkeit der FSME-Impfstoffe, die es in geeigneter Dosierung für Kinder ab einem Jahr und für Erwachsene gibt, ist mit anderen inaktivierten Impfstoffen z. B. gegen Tetanus und Diphtherie, zu vergleichen.