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Leseschwäche? Graphogame trainiert das Gehirn
Wie lernen Kinder lesen?
Wie lernen Kinder lesen? Was passiert dabei im Gehirn? Mit funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) wurde während einer Studie mit Kindergartenkindern gemessen, wie sich ihre Buchstabenkenntnisse verbessern und wie ihr Hirn lernt. Foto: Universität Zürich

Kinder mit Leseschwäche können gezielt die zuständige Hirnregion stimulieren

Das Verknüpfen von Buchstaben (Grapheme) und Sprachlauten (Phoneme) ist in vielen Sprachen der erste und besonders wichtige Schritt beim Lesenlernen. Die meisten Kinder lernen bereits vor der Schule einige Buchstaben kennen und beginnen diese mit Sprachlauten zu verknüpfen.

Später läuft diese Verknüpfung ganz automatisch ab: Das Hirn von Erwachsenen verarbeitet Schriftzeichen schnell und unbewusst. Grund dafür ist ein Netzwerk im Hirn, das sich während des Lesenlernens auf die Verarbeitung von Schrift spezialisiert und entscheidend zum flüssigen Lesen beiträgt.

Ist jedoch das Lesenlernen durch eine verminderte Verknüpfungsfähigkeit von Buchstaben und Sprachlaut gestört, entwicklen Kinder eine Leseschwäche (Dyslexie, Legasthenie). Folglich ist schon der Schulbeginn für diese Kinder schwieriger als für ihre Klassenkameraden, denen das Lesenlernen leichter fällt.

Die Zeitschrift "Spektrum Hören" berichtet in ihrer Ausgabe Nr. 3 (Juni/Juli 2010) von einer Studie, die sich intensiv mit den cerebralen Abläufen beim Lesenlernen beschäftigt: Forscher am Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Zürich und dem Agora Center der Universität in Jyväskylä (Finnland) haben gezeigt, dass Kinder die Verknüpfungen von Sprachlauten und Buchstaben trainieren können. Für ihre Studie ließen sie mehr als 30 Kindergartenkinder mit und ohne familiäres Risiko für Dyslexie mit dem computerbasierten Buchstaben-Sprachlaut-Lernprogramm "Graphogame" trainieren. Das Programm wurde in Finnland vom Niilo-Mäki-Institut und der  Universität Jyväskylä entwickelt.

Erfreulicherweise konnten beinahe alle Kinder unabhängig vom familiären Risiko ihre Buchstabenkenntnisse innerhalb dieser kurzen Zeit verbessern. Aber auch im Hirn wurde das Lernen sichtbar. Bestimmte Areale im Sehhirn entwickelten durch das Buchstaben-Sprachlaut-Training eine Spezialisierung für Schrift: So zeigten die Kinder eine stärkere Aktivität im Hirn für geschriebene Wörter gegenüber Symbolen, die ihnen gezeigt wurden.

Ist Graphogame besser als andere Lernprogramm? Darauf gebe die Studie keine Antwort, betont die Universität Zürich. Dennoch seien die Resultate viel versprechend im Hinblick darauf, Kinder mit einer familiären Veranlagung für Dyslexie in ihrer Leseentwicklung durch frühes und gezieltes Training zu unterstützen.

Quellen:

  • Spektrum Hören
    "Durch Hörtraining besser Lesen lernen", in: "Spektrum Hören", Nr. 3 (Juni/Juli 2010)
  • Originalstudie:
    Silvia Brem, Silvia Bach, Karin Kucian, Tomi K. Guttorm, Ernst Martin, Heikki Lyytinen, Daniel Brandeis und Ulla Richardson: Brain sensitivity to print emerges when children learn letter-speech sound correspondences, in: PNAS, online early edition, doi:10.1073/pnas.0904402107

Weitere Informationen zum Graphogame:

  • Frühförderung von Dyslexie-Risikokindern mit "Graphogame". Eine qualitative Analyse (deutsch/niederländisch) aus dem Jahr 2006 als pdf-Datei