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Opioide

Es gibt Patienten, die unter derart starken chronischen Schmerzen leiden, dass sie auf die Therapie mit opioidhaltigen Medikamenten angewiesen sind. Hinter dem Begriff Opioide verbergen sich höchst wirksame Substanzen, die körpereigene Mechanismen nachahmen. Der Körper bildet kurzfristig zum Schutz vor unerträglichen Schmerzen selbst Opioide, die so genannten Endorphine. Wie die von außen zugeführten Opioide sorgen sie dafür, dass Schmerzreize aus dem peripheren Nervensystem nur mit geringerer Empfindlichkeit oder gar nicht mehr wahrgenommen werden. Auch werden die Nervenimpulse weniger stark oder gar nicht mehr weitergeleitet. Wegen dieser Eigenschaften werden Opioide von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für die Behandlung starker und stärkster Schmerzen empfohlen.

Die Sorge, dass Opioide mit der Zeit ihre Wirkung verlieren, ist unbegründet. Opioide können auch über einen langen Zeitraum eingenommen werden, ohne dass sie wirkungslos werden. Höhere Dosierungen werden in der Regel nur dann notwendig, wenn die schmerzauslösende Grundkrankheit fortschreitet, der Schmerz also zunimmt. Opioidhaltige Schmerzmittel gehören mit zu den am besten verträglichen Medikamenten, weil sie keine schädigende Wirkung auf Nieren, Leber, Magen oder Blutbild haben. Das macht sie gerade für die Langzeitbehandlung von starken Schmerzen besonders geeignet.

Da bei der Therapie chronischer Schmerzen gleichmäßige Wirkstoffspiegel ganz wichtig sind, war die Entwicklung von opioidhaltigen Präparaten, die eine lange Wirkdauer haben, ein Fortschritt. Den Anfang machten Retardtabletten. Das Schmerzmittel ist in den Tabletten an Substanzen gebunden, die sich nur langsam in Magen und Darm auflösen. Diese Tabletten müssen jedoch jeden Tag, manchmal auch mehrmals am Tag, eingenommen werden. Deshalb suchten Wissenschaftler nach Alternativen. Schon lange nutzen Mediziner die Haut als Transportweg für therapeutische Zwecke. Man denke zum Beispiel an das Hormonpflaster für die Behandlung von Wechseljahrsbeschwerden bei Frauen oder das Nikotinpflaster bei Rauchern. Ein wichtige Rolle bei der Behandlung mit langwirksamen opioidhalitigen Medikamenten spielt ein Membranpflaster, das den Wirkstoff Fentanyl enthält. Eine in das Pflaster eingebaute Kontrollmembran sorgt dafür, dass eine gleichmäßige Aufnahme geringer Wirkstoffmengen durch die Haut erfolgt. Von dort wird der Wirkstoff langsam an das Blut abgegeben, das schont die Leber und den Magen- Darm-Trakt. Das Pflaster muss nur alle drei Tage gewechselt werden. Das ständige Mitführen von Tabletten entfällt und der Tagesablauf kann freier gestaltet werden. Auch die Aktivität und Mobilität der Patienten wird deutlich gesteigert. Das bedeutet einen erheblichen Zugewinn an Lebensqualität für die Betroffenen.