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Umweltbundesamt befürchtet Gesundheitsrisiken:
Verbreitung von Infektionen über tierische Überträger

(smog) In den vergangenen Jahren haben Wissenschaftler und Mediziner weltweit eine verstärkte Ausbreitung von Malaria festgestellt. Manche Forscher sehen als Ursache dafür die globale Klimaerwärmung. Auch in Deutschland gibt es die Frage, welche Folgen das veränderte Klima hat.

Aus einer direkten Hitzebelastung während der Sommermonate entstehen nicht nur Gefahren für die Gesundheit - normalerweise nur in weit entfernten Ländern auftretende Krankheiten könnten auch hierzulande im Zusammenhang mit Umwelt- und Klimaveränderungen zum Problem werden.

Eine im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) entstandene Studie unter der Leitung von Professor Walter Maier vom Institut für medizinische Parasitologie der Universität Bonn zeigt auf, wie groß die Gefahr ist, dass sich Infektionskrankheiten wie Enzephalitiden, Dengue-Fieber, Gelbfieber, Malaria oder Leishmaniose in Deutschland ausbreiten könnten.

Wesentliche Voraussetzungen für das Auftreten neuer Erkrankungen sind laut dieser Studie gegeben, da alt bekannte und neu festgestellte Erreger wie Viren, Bakterien, tierische Einzeller in Deutschland und den Nachbarländern nachgewiesen worden sind.


Viele Erreger bereits auch in Europa eingeschleppt

Dies gilt auch für geeignete tierische Überträger: Zecken, Stech-, Sand-, Kriebelmücken, Gnitzen und Nagetiere. All diese Wärme liebenden Krankheitsüberträger und -erreger seien bereits nach Deutschland oder seine Nachbarstaaten eingeschleppt.

So wurde beispielsweise die ursprünglich in Asien beheimatete Tigermücke (Aedes albopictus), ein Überträger des Dengue-Fiebers, bereits in Frankreich und Italien entdeckt. In Deutschland wurde eine bislang unbekannte Sandmückenart, Phlebotomus mascittii, gefunden, aktuell zusätzlich Phlebotomus perniciosus, ein aus Süd- und Südwesteuropa bekannter Überträger der Leishmaniose. Und tatsächlich traten in Deutschland bereits einzelne Leishmaniose-Infektionen bei Mensch und Tier auf, die nicht als "Reiseandenken" von Fernreisen mitgebracht wurden.


Malaria ist bedeutendste "Importinfektion"

Malaria gilt heutzutage hierzulande als bedeutendste "Importinfektion", wie jährlich etwa 1.000 durch das Robert Koch-Institut (RKI) registrierte Erkrankungsfälle zeigen. Teile Deutschlands waren bis Mitte der 50er-Jahre Malaria-Gebiete, in denen einheimische Anopheles-Mücken die Krankheit auf Menschen übertrugen.
"Sollten sich in Zukunft klimabedingt die Entwicklungs- und Ausbreitungsmöglichkeiten bestimmter Anopheles-Arten in Deutschland verbessern, entsteht mit zunehmender Zahl infizierter Personen auch ein steigendes Risiko, sich in Deutschland durch Stiche von Malaria-Mücken mit dem Erreger zu infizieren", so die Wissenschaftler aus Bonn.


Klimaveränderungen und intensiver Reiseverkehr sind Hauptursachen

Wesentliche Ursachen für die Verbreitung der Infektionen über tierische Überträger sind - neben der Klimaveränderung - der intensive Reiseverkehr und Tiertransporte, Nutzungsänderungen von Brut- und Rastgebieten sowie die Ausbreitung tierischer Überträger und Reservoirtiere in bisher von ihnen nicht besetzten Regionen und Nischen.

Das Risiko, an einer Vielzahl neuer oder in Deutschland als ausgerottet geltender Infektionen zu erkranken, besteht nach Aussage der Forscher bereits jetzt. Dieses Risiko wird durch die Klimaerwärmung und die damit einhergehende Ausdehnung der Verbreitungsgebiete tierischer Überträger verstärkt.

Die Forscher sind sich einig: Um einen wirksamen Schutz aufzubauen, sollte die Situation der möglichen Überträger von Krankheitserregern des Menschen und der Tiere in Deutschland fortlaufend dokumentiert und unter Mithilfe der Länder überwacht werden.

Erst auf Basis dieser Daten können rechtzeitig Empfehlungen zum Infektionsschutz erarbeitet sowie Abwehrmaßnahmen konzipiert und koordiniert werden, die den Infektionsschutz gewährleisten und zudem die Belange des nachhaltigen Umweltschutzes berücksichtigen.

Die Studie "Mögliche Auswirkungen von Klimaveränderungen auf die Ausbreitung von primär humanmedizinisch relevanten Krankheitserregern über tierische Vektoren sowie auf die wichtigen Humanparasiten in Deutschland" ist als Nr. 05/03 in der Reihe CLIMATE CHANGE des Umweltbundesamtes erschienen. Sie umfasst 341 Seiten und kostet 10 Euro. Bestellungen bei der Firma "Werbung und Vertrieb", Ahornstr. 1-2, 10787 Berlin, Telefon: 0 30 / 211 60 61, Fax: 0 30 / 218 13 79.

(Umwelt und Gesundheit (smog), Jg. 32, 1 – 2004)

 

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