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(dvv) Zecken sind eklig. Gleichzeitig auch faszinierend. Und obendrein sind die Spinnentiere nicht ungefährlich, denn sie übertragen mit ihrem Stich Krankheiten auf den Menschen, die folgenschwer sein können. Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) etwa, an der 2003 in Deutschland 278 Menschen erkrankten. Schwer erkranken und wieder gesund werden, das ist das eine. Bleiben aber Folgeschäden zurück, ist die Lebensqualität eingeschränkt, der Alltag kann beschwerlich sein. Trifft es Kinder, ist alles noch mal so tragisch.
Bislang ist man davon ausgegangen, dass eine FSME bei Kindern nicht so bedrohlich verläuft wie bei Erwachsenen. In den meisten Fällen ist das auch so, und die Krankheit heilt wieder ab. Aber meistens ist eben nicht immer. Zwei von hundert Kindern erkranken schwer, dann sind auch bleibende Lähmungen oder andere Störungen des Nervensystems möglich.
„Die FSME bei Kindern verläuft im Allgemeinen milder, doch es können auch schwere Erkrankungen auftreten, die aufgrund von neuropsychologischen Krankheitsfolgen sogar zu einer permanenten Beeinträchtigung der Lebensqualität führen können“, so einer der Kernsätze des Konsensus, auf den sich Experten aus zahlreichen europäischen Ländern im Rahmen des 6. Meetings der „International Scientific Working Group on Tick Borne Encephalitis (ISW TBE)“ in Tirol, Österreich, einigten.
Ähnliche Ergebnisse erbrachte eine aktuelle deutsche Studie, für die Kinder nachuntersucht wurden, die „nur“ leicht oder mittelschwer an FSME erkrankt waren. Nur acht von 19 Kindern zeigten im EEG normale Hirnströme. Im Vordergrund der Beschwerden standen Aufmerksamkeits-, Konzentrations- und psychomotorische Störungen, zum Beispiel in der Mimik. Auch die Bewegungsabläufe und Körperhaltung waren im Vergleich zu gesunden Kindern auffällig. Ein zwölfjähriger Junge litt im Jahr nach seiner Krankheit an Konzentrationsstörungen, so dass er in der Schule große Schwierigkeiten bekam, und seine Versetzung gefährdet war.
Durch die Virusinfektion entzünden sich Hirnhäute und auch das Gehirn selbst; auch das Rückenmark kann befallen sein. Medikamente, die bei FSME wirksam sind, gibt es nicht. Es kann nur versucht werden, die Symptome der Krankheit zu lindern. Gerade deshalb ist es so wichtig, vorzubeugen. Das geht am zuverlässigsten mit einer FSME-Impfung, die landläufig auch als „Zeckenimpfung“ bezeichnet wird. Sie wirkt natürlich nicht gegen die Zecken selbst, die ja auch noch andere Erreger wie etwa Borrelien übertragen kann, sondern gegen das FSME-Virus.
Gut verträgliche und wirksame FSME-Impfstoffe gibt es auch für Kinder. Und die sollten genauso wie die Erwachsenen geimpft werden, wenn sie in Risikogebieten leben. Oder wenn der Sommerurlaub die Familie in den Süden Deutschlands wie nach Bayern oder an den Bodensee führt. Auch im beliebten Reisziel Österreich sind FSME-infizierte Zecken häufig. Mit einem Kurzeit-Impfschema gelingt es, den Schutz noch rechtzeitig vor der Reise aufzubauen.
Quelle: Maritz, E., Schmolck, H., Korinthenberg, R.; ÄP Pädiatrie Mai/Juni 2004; 6. Meeting der International Scientific Working Group on Tick Borne Encephalitis (ISW TBE, Consensus 2004, Wiener Med. Wochenschrift (2004) 154/9
(aus: IPL, Infektion und Prävention Laien, Jg. 10, 1/2004)

