DGK e.V. -Gebärmutter soll bleiben, übermäßige Monatsblutung, Menorrhagie, Hysterektomie, Totalentfernung der Gebärmutter, organerhaltende Behandlungsmethoden
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Die Gebärmutter soll bleiben

(Marburg, 22.09.2009) Jedes Jahr sehen sich in Deutschland mehr als 150.000 Frauen mit der Empfehlung konfrontiert, sich die Gebärmutter entfernen zu lassen. Einer der häufigsten Gründe für eine solche schwerwiegende Operation ist eine übermäßige Monatsblutung, auch Menorrhagie genannt. Bei ungefähr 50 Prozent dieser Fälle ist die Hysterektomie, also die Totalentfernung der Gebärmutter, jedoch überhaupt nicht nötig, sagen Experten. Denn längst gebe es wesentlich schonendere und organerhaltende Behandlungsmethoden, die weltweit schon millionenfach mit Erfolg angewendet würden. Den betroffenen Frauen hierzulande blieben diese aus Kostengründen aber oft noch vorenthalten.

Die erste Monatsblutung ist für jedes Mädchen ein einschneidendes Erlebnis. Manche bekommen ihre Periode schon mit zehn, andere erst mit 14 Jahren. Wenn die Regel dann mit den beginnenden Wechseljahren etwa um das 50. Lebensjahr ausbleibt, hat jede Frau durchschnittlich 400 bis 500 Monatsblutungen mit einer Dauer von jeweils vier bis sechs Tagen erlebt.

Doch nicht für alle Frauen ist die Menstruation einfach nur ein sich regelmäßig wiederholendes, ganz normales Ereignis. Etwa jede fünfte Frau zwischen 30 und 50 Jahren leidet unter einer Menorrhagie. Bei ihnen dauert die monatliche Blutung länger als üblich an, und/oder sie verlieren deutlich mehr Blut. Blutarmut, eine ausgeprägte Müdigkeit und Schmerzen können die unmittelbaren körperlichen Folgen sein. Für viele der Betroffenen stellt die übermäßige Monatsblutung darüber hinaus eine psychische und soziale Belastung dar, die die Lebensqualität zusätzlich stark beeinträchtigt. So trauen sich manche Frauen während der „Tage“ kaum noch an ihren Arbeitsplatz oder überhaupt in die Öffentlichkeit, weil sie peinliche Komplikationen befürchten.

Ursache einer Menorrhagie können hormonelle Störungen sowie gutartige oder bösartige Veränderungen an der Gebärmutterschleimhaut sein. In den meisten Fällen wird daher zunächst versucht, das Problem mit einer Hormonbehandlung zu lindern oder Geschwülste und Polypen chirurgisch zu beseitigen. Doch oft reichen diese Maßnahmen nicht aus. Den betroffenen Frauen wird dann hierzulande meist zu einer vollständigen Entfernung der Gebärmutter, einer Hysterektomie, geraten.

Ein solch großer operativer Eingriff sei jedoch sehr oft gar nicht notwendig, sagen Experten wie der Mainzer Gynäkologe Dr. Rüdiger Söder, dessen Schwerpunkt die operative gynäkologische Endoskopie ist. Von den etwa 150.000 Hysterektomien, die jährlich in Deutschland vorgenommen werden, sei zirka die Hälfte überflüssig, meint Söder und verweist auf moderne Verfahren, mit denen Frauen mit übermäßigen Monatsblutungen deutlich schonender geholfen werden könne.

Das Grundprinzip dieser Verfahren beruht darauf, lediglich die Schleimhaut der Gebärmutter (Endometrium) zu veröden oder zu entfernen, so dass sich im monatlichen Zyklus keine neue Schleimhaut mehr aufbauen kann und die Blutung auf ein normales Maß verringert wird oder ganz ausbleibt.

Die modernste und effektivste Methode dieser als Endometriumablation bezeichneten Therapie ist das sogenannte Goldnetzverfahren. Dabei wird eine Elektrode (das Goldnetz) in die Gebärmutter eingeführt. Die Elektrode entfaltet sich dann dort, schmiegt sich an die Gebärmutterschleimhaut an, und mit Hilfe eines Hochfrequenzstroms wird die blutungsverursachende Schleimhaut anschließend kontrolliert verödet.

Die Erfolgsrate der Goldnetz-Methode, also die Verhinderung zu starker Blutungen, sei sehr gut, erläutert Söder. Den damit behandelten Patientinnen konnte in mehr als 97 Prozent der Fälle eine unnötige Entfernung der Gebärmutter erspart werden. Söder beruft sich dabei nicht nur auf umfangreiche Erfahrungen aus seiner eigenen Praxisklinik sondern auch auf die Ergebnisse klinischer Studien und die Tatsache, dass mit dem Goldnetzverfahren weltweit bereits einer Million Frauen geholfen werden konnte.

Während dieses bereits seit dem Jahr 2001 vorhandene Gebärmutter-erhaltende Verfahren in den USA, Kanada sowie europäischen Ländern wie Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden und der Schweiz längst zur Regelleistung der gesetzlichen Krankenkassen geworden ist, hinke man dieser Entwicklung in Deutschland noch erheblich hinterher, beklagen sowohl Dr. Söder als auch Sanitätsrat Dr. Werner Harlfinger, der Vorsitzende des Berufsverbands der Frauenärzte in Rheinland-Pfalz.

Trotz vorhandener Studien zur Wirksamkeit, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit würden die Sachkosten für das Goldnetz-Verfahren in Deutschland bisher nicht automatisch von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet. Obwohl die ärztliche Leistung der Endometriumablation abgerechnet werden könne, müssten die Patientinnen momentan bei ihrer Krankenkasse einen Antrag auf Übernahme der Sachkosten stellen oder die Kosten für das Goldnetz, trotz bestehender Krankenversicherung, selbst bezahlen. Im Rahmen dieser Kostenübernahmeanträge, erläutert Söder, werden die Sachkosten von einigen innovativen Kassen übernommen. Andere Kassen jedoch, wie zum Beispiel die AOK Hessen, würden derzeit noch jeden Kostenübernahmeantrag abweisen.

Mit den privaten Kassen hingegen gebe es überhaupt keine Probleme, sie bezahlten den Eingriff inklusive der Sachkosten anstandslos. Söder berichtet, er habe aber auch schon sehr positive Erfahrungen beispielsweise mit der Techniker Krankenkasse in Rheinland-Pfalz gemacht, die ihren Versicherten im Rahmen eines besonderen Vertrages seit kurzem diese sichere, wirtschaftliche, Gebärmutter erhaltende Therapie ermögliche.

 

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