DGK e.V. -Deutsche Gesundheits Korrespondenz (dgk), Jg. 47, 11 - 2006 - Themen: Medikamente, kindgerecht, Antibiotika, Trinkhalm, Kohldampf, Euphorie, Heilfasten, ärztliche Kontrolle, Diabetes, Weltdiabetestag, Versorgung, Haare, Ausreißen, Haarezupfen, Trichotillom
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Deutsches Grünes Kreuz, Deutsche Gesundheits Korrespondenz (dgk), Jg. 47, 11 - 2006 - Themen: Medikamente, kindgerecht, Antibiotika, Trinkhalm, Kohldampf, Euphorie, Heilfasten, ärztliche Kontrolle, Diabetes, Weltdiabetestag, Versorgung, Haare, Ausreißen, Haarezupfen, Trichotillomanie, Störung, Zwangserkrankung, genetische Ursache, Trichotillomanie-Patient, Fisch, fett, Risiko, Nierenkrebs, Wirkstoff, Epilepsie, Monotherapie, Arzneimittel, Tiere, Delfine, Buchtioo, Berlag im Kilian, Delfintherapie, Scheidenpilz, LOBBY FÜR DAS KIND, Folsäure, Folsäurespiegel , Schwangerschaft, DEUTSCHES DIABETES-ZENTRUM (DDZ), Frauen, Typ-2-Diabetes, Risiken
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Deutsche Gesundheits-Korrespondenz
dgk, Jg. 47, 11 - 2006

Kindgerecht und genau dosiert: Antibiotika im Trinkhalm
Eine einzigartige Möglichkeit zur Behandlung bakterieller Infektionen
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(dgk) Antibiotika werden in der Regel eingesetzt, wenn Kinder an einem bakteriellen Infekt erkrankt sind oder wenn zur Erkältung eine bakterielle Infektion hinzu kommt. Antibiotika bekämpfen die Krankheitserreger und verhindern, dass diese sich weiter ausbreiten. Zudem werden krankheitsbedingte Komplikationen und Folgeerkrankungen verhindert.

Die ersten Antibiotika wurden aus Schimmelpilzen gewonnen. Sie produzierten bestimmte Substanzen, die auf Krankheitserreger eine vernichtende Wirkung hatten. Penizillin ist einer der ältesten Vertreter solcher Substanzen. Auch heute sind und bleiben Antibiotika die wichtigsten Waffen im Kampf gegen bakterielle Krankheiten. Allein in Deutschland werden jährlich etwa drei Millionen Kinder im Alter bis zu zehn Jahren mit Antibiotika behandelt. Unersetzlich sind Antibiotika zum Beispiel bei Lungen- und Hirnhautentzündung, Keuchhusten, Scharlach, vielen Hals-Nasen-Ohren-Infektionen, eitriger Mandelentzündung und schwerer Bronchitis.

Darreichungsformen
Kleine Kinder, vor allem unter sechs Jahren, können Antibiotika noch nicht in Tablettenform einnehmen. In flüssiger Form sind viele Antibiotika ausgeprägt bitter im Geschmack und haben oft nur eine geringe Haltbarkeit. Daher werden sie gerne als so genannte Trockensäfte produziert. Die Säfte selbst müssen dann von den Eltern unter Zugabe von Wasser zubereitet werden. Doch selbst bei korrekter Herstellung ist die Abmessung der richtigen Dosis mit dem Messbecher oder -löffel oftmals problematisch. Wegen des bitteren Geschmacks besteht die Gefahr der Unterdosierung, weil die kleinen Patienten das Medikament nicht vollständig schlucken, selbst wenn die Antibiotika vorschriftsmäßig mit Wasser oder Tee zu einer Mahlzeit verabreicht werden.

Auf die Dosis kommt es an
Die Wirksamkeit der Therapie bei bakteriellen Infektionen hängt entscheidend von der am Wirkort erzielten Antibiotikakonzentration über die Therapiedauer ab. Neben der Problematik des korrekten Anmischens bekommen viele Kinder das verordnete Antibiotikum außerdem nicht regelrecht verabreicht, wie eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) ergab. Der Grund: Eltern neigen dazu, das Antibiotikum abzusetzen, sobald das Kind gesünder wirkt. Antibiotika müssen jedoch auf jeden Fall über den verordneten Zeitraum genommen werden – auch dann, wenn die Symptome bereits abgeklungen sind. Wenn Antibiotika zu früh abgesetzt werden, können einige Bakterien überleben, sich erneut vermehren und so zum Versagen der Behandlung führen.

Die Innovation: Antibiotika im Trinkhalm
Solche Komplikationen können jetzt mit einer neuen Darreichungsform umgangen werden: einem Antibiotikum im Trinkhalm, das einzeln abgepackt und sofort verwendbar ist. Das Antibiotikum befindet sich als geschmacksneutrales Granulat im Inneren des Trinkhalmes, die Dosis ist bereits fertig abgemessenen – eine Fehldosierung also kaum möglich. Das kranke Kind muss nur noch aufgefordert werden, sein geeignetes – idealer Weise kohlensäurehaltiges – Lieblingsgetränk durch einen diesen Trinkhalm zu trinken. Beim Aufsaugen wird das Granulat mit dem Getränk eingenommen. Studien haben gezeigt, dass diese neue und einfache Technologie es Kindern und Eltern erheblich erleichtert, die Behandlungsempfehlungen des Arztes zu befolgen.


Zwischen Kohldampf und Euphorie
Heilfasten nur unter ärztlicher Kontrolle!
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Heilfasten nur unter ärztlicher Kontrolle!(dgk) Feste Nahrung ist tabu, lediglich Flüssigkeiten wie Säfte, Gemüsebrühe, Kräutertee oder Molke sind erlaubt. Der totale Verzicht auf Nahrung und Genussmittel soll den Körper entgiften und eine Umstellung der Ess- und Lebensgewohnheiten einleiten. Wie gesund „Heilfasten“ tatsächlich ist, wird unter Fachleuten diskutiert. Von Fastenärzten, Fastenkliniken und Fastenbuch-Autoren wird es propagiert, von einigen Ernährungsmedizinern und Ernährungswissenschaftlern jedoch abgelehnt. Foto: PhotoDisc

Während der Fastenzeit baut der Körper Fettdepots und Muskeleiweiß ab, der Stoffwechsel stellt sich um und der Hormonspiegel verändert sich. Im Vordergrund steht die natürliche Entgiftung des Stoffwechsels über die Reinigung des Magen-Darm-Traktes. Nach Ansicht von Ernährungsmedizinern können sich Erkrankungen wie Migräne, Neurodermitis oder andere Hauterkrankungen bessern. Bei allen Krankheiten aber gilt: Das Fasten unbedingt vorher mit dem behandelnden Arzt besprechen. Auch gestresste Menschen mit Burn-Out-Syndrom oder Depressionen können vom Fasten profitieren. Das Heilfasten soll ein Impuls für die Änderung des Lebensstils und zur Verbesserung der Ernährungsgewohnheiten sein. Laut Dr. med. Francoise Wilhelmi de Toledo, Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung e. V. (ÄGHE), sollte das therapeutische Heilfasten nicht weniger als zehn Tage dauern und am besten ärztlich betreut sein. Körperliche Aktivität unter Anleitung eines erfahrenen Fastenleiters beugt dem Muskelabbau vor.

Prof. Joachim Mössner, Direktor der medizinischen Klinik am Uniklinikum Leipzig, beispielsweise kritisiert das Fasten als „medizinisch nicht haltbar und wissenschaftlich nicht begründbar”. So warnte der Facharzt für Innere Medizin bereits 2003 vor dem mit dem Fasten einhergehenden Mangel an Vitaminen und Nährstoffen. Dagegen kann man einwenden, dass eine ungesunde oder Fastfood-Ernährung auch nicht genügend Nährstoffe liefert, das Fasten jedoch nur kurzzeitig erfolgt und dann zu einer gesunden, nährstoffreichen Ernährungsweise hinführen soll. „Die Umstellung des Stoffwechsels kann Nieren und Herz schädigen, zu Gichtanfällen oder Gallensteinen führen,” so Mössner. Fasten kann zudem über den Proteinmangel zum Muskelabbau führen, wenn der Fastende sich nicht ausreichend bewegt. Davon ist auch der Herzmuskel betroffen, was besonders bei Risikopatienten tödlich enden kann. Deshalb dürfen Krebspatienten, Rekonvaleszente, Senioren, Diabetiker, akut oder chronisch Erkrankte, Schwangere und Stillende sowie psychisch Kranke oder Menschen mit Essstörungen nicht fasten.

Merke: Heilfasten ist keine Diät und zur längerfristigen Gewichtsreduktion ungeeignet. Das Abnehmen ist „ein netter Nebeneffekt“. In einem Punkt sind sich Ernährungsexperten einig: Fasten sollte am besten unter ärztlicher Aufsicht erfolgen und von erfahrenen Fastenleitern begleitet werden.

Informationen:
Deutsche Gesellschaft für Ernährung in Bonn
Tel.: 0 22 8 / 377 66 00, Internet: www.dge.de
Ärzte-Gesellschaft Heilfasten und Ernährung in Überlingen
Tel.: 0 75 51 / 80 78 25; Internet: www.aerztegesellschaft-heilfasten.de.

Quellen:
Fasten ist mittelalterlicher Hokuspokus - Im Gespräch mit dem Magen-Darm-Experten Prof. Dr. Joachim Mössner, idw 06.03.2003; Medizinische Wirkung umstritten, rpo, 01.02.06; Wilhelmi de Toledo, F, Buchinger, A u. a.: Leitlinien zur Heilfastentherapie, Forsch Komplementärmed Klass Naturheilkd 9 (2002) 189–198


Am 14. November ist Weltdiabetestag
Versorgung auf dem Prüfstand
(2.849 Zeichen)

(dgk) Unter dem Motto „Diabetesversorgung für Jedermann“ wird im Jahr 2006 wieder eine groß angelegte Kampagne vom Weltdiabetestag organisiert. Die Aktivitäten gehen weit über den „offiziellen“ Weltdiabetestag am 14. November hinaus. Auf zahlreichen Informationsveranstaltungen wird in den 151 Mitgliedsländern weltweit ein besonderer Fokus auf das Thema „Diabetes bei sozial Benachteiligten und besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen“ gelegt.

Weltweit gibt es rund 230 Millionen Diabetiker. Gut sechs Millionen sind hierzulande in Behandlung. Mindestens 1,5 Millionen Bundesbürger sind zuckerkrank, ohne dass sie bzw. ihr Arzt davon wissen. Die Zahl der Diabetiker dürfte sich in nächster Zeit weiter deutlich erhöhen, denn die Risikofaktoren sind sehr verbreitet: Mehr als 58 Prozent der Männer und 42 Prozent der Frauen in Deutschland bringen zu viel auf die Waage, heißt es in einer vom Statistischen Bundesamt in Wiesbaden veröffentlichten Untersuchung, mehr als 40 Prozent treiben keinen Sport. Mindestens jeder Fünfte der über 45-Jährigen hat zu hohen Blutdruck und ebenfalls zu hohe Blutfett- und Blutzuckerwerte (metabolisches Syndrom).

Auch in sozialer Hinsicht liegt in Deutschland manches im Argen: Die Mehrzahl der Typ-2-Diabetiker gehört der Unterschicht an; die Behandlungsergebnisse sind bei ihnen schlechter als bei Angehörigen der Mittel- und Oberschicht. „Die Bedürfnisse von Menschen niedriger sozialer Herkunft und von solchen im höheren Alter sind bei der Diabetes-Therapie stärker zu berücksichtigen”, fordert deshalb Professor Dr. Bertram Häussler, Direktor des Instituts für Gesundheits- und Sozialforschung in Berlin (IGES).

Häussler und sein Team haben das „Weißbuch Diabetes in Deutschland“ erarbeitet, eine erste Bestandsaufnahme der hiesigen Versorgungssituation (erschienen im Georg Thieme Verlag). Die Bilanz fällt durchwachsen aus: Gelobt wird, die Qualität der Diabetesversorgung habe sich in den letzten 20 Jahren merklich verbessert. Heute verfüge Deutschland über breit differenzierte, leistungsfähige Strukturen, Diabetiker zu behandeln und den unterschiedlichsten Erfordernissen gerecht zu werden, nur sei leider über die Angebote viel zu wenig bekannt. In der Versorgung der Typ-2-Diabetiker gäbe es Lücken. Nachholbedarf bestehe auch, wenn es darum gehe, Risikofaktoren abzustellen, bevor die Krankheit überhaupt ausbricht. Entsprechende Programme fehlten insbesondere für die große Zahl der Bundesbürger mit dem erwähnten metabolischen Syndrom.

Die Ziele der diesjährigen Kampagne sind unter anderem:

    • Personen mit Diabetes oder einem erhöhten Diabetesrisiko über ihr Recht auf eine optimale Aufklärung, Prävention und Behandlung zu informieren.
    • Das Bewusstsein der Menschen in Bezug auf die Nutzung der ihnen dargebotenen Möglichkeiten zu erhöhen.
    • Die Aufmerksamkeit der Bevölkerung auf Gemeinschaften und Gruppen zu lenken, die hinsichtlich einer adäquaten Diabetesversorgung benachteiligt sind.
    • Über neue, verbesserte Verfahren in der Diabetestherapie zu informieren.
    • Informationsmaterialien für alle Interessierten zur Verfügung zu stellen.


Weitere Informationen zum Weltdiabetestag finden Sie unter www.diabetes-world.net

Mehr zum Thema lesen Sie im aktuellen Ratgeber aus Ihrer Apotheke / Ausgabe 11 A/2006 (1. November )


Hilfe für „Ausreißer“
Von der krankhaften Lust am Haarezupfen
(3.374 Zeichen)

(dgk) Wer unter der Zwangsstörung Trichotillomanie (TTM) leidet, rauft sich nicht nur die Haare, sondern er reißt sie sich gleich ganz aus. Etwa 800.000 Deutsche leiden nach Angaben der Diplom-Psychologin Dr. Antje Bohne von der Universität Münster unter der in der Psychiatrie zur Zeit als Störung der Impulskontrolle – wie Pyromanie, Kleptomanie und Spielsucht – klassifizierten Erkrankung. Die Betroffenen verspüren den immer wiederkehrenden, unwiderstehlichen Drang, die Haare auszureißen. Das betrifft nicht nur die Kopfhaare, sondern manchmal auch Augenbrauen, Wimpern, Scham- und andere Körperhaare. Dabei fühlen Trichotillomanie-Patienten meist nicht einmal Schmerzen.

Vor dem Ausreißen fühlen sie eine hohe innere Spannung. Erst wenn sie sich einzelne Haare oder – selten – sogar Büschel ausgerissen haben, fühlen sich viele erleichtert. Eine besondere Befriedigung verschafft es den Betroffenen, wenn sie die Haarwurzel erwischt haben. Oftmals kauen sie auf den Haaren, beißen die Haarwurzel genussvoll ab und manche essen das Haar (Trichophagie). Es folgen Schuldgefühle.

Weil die Haare nicht in gleicher Dichte und Geschwindigkeit wachsen, wie sie ausgerissen werden, besteht die Gefahr, dass die Betroffenen mit der Zeit kahlköpfig werden. Mitunter dienen Kopftuch, Hut oder Perücke zum Verbergen.

Die Patienten neigen dazu, ihr Problem zu verharmlosen. Sie glauben außerdem oft, dass sie die einzigen sind, die unter dem Phänomen leiden. Dabei wurde die Krankheit schon in der Antike beschrieben. Der Name Trichotillomanie kommt aus Griechischen und bedeutet in etwa soviel wie „Vorliebe fürs Haare ziehen“. Erst Ende des 20. Jahrhunderts wurde Trichotillomanie als eigenständiges Krankheitsbild, als komplexe psychische Störung mit spezifischen Symptomen, Begleitererscheinungen und Begleiterkrankungen anerkannt.

Erst wenn der Leidensdruck sehr groß wird, stellen die Betroffenen sich einem Arzt vor. Untersuchungen in Kindergärten und bei Studenten haben nach Angaben der Hamburger Diplom-Psychologin Dr. Annett Neudecker gezeigt, dass Männer und Frauen gleichermaßen von der Trichotillomanie betroffen sind, meistens aber Kinder und Jugendliche. Der Anteil der Frauen, die Hilfe suchen, ist höher als der der Männer. Neudecker geht davon aus, dass Männer, die sowieso oft Haarausfall bekommen, ihr Leiden besser verstecken können. Oft sind die Trichotillomanie-Patienten gleichzeitig depressiv.

Die Lust am Haare ausreißen beginnt bei den meisten Patienten bereits im Alter von zwölf Jahren, manchmal sogar noch früher. Trichotillomanie ist heilbar. Behandelt werden Betroffene im Allgemeinen mit einer Verhaltenstherapie, die häufig gute Erfolge zeigt.

Die Ursachen für Trichotillomanie konnten bislang nicht eindeutig geklärt werden. Da der Zwang zum Haareausreißen häufig in Kombination mit anderen Symptomen wie Depressionen, Angstzuständen, anderen Zwangserkrankungen oder auch dem Tourette-Syndrom auftritt, sind Wissenschaftler noch nicht sicher, ob es sich bei der Trichotillomanie um eine eigenständige Krankheit handelt. Es gibt kein einheitliches Krankheitsbild, erklärt Prof. Dr. Iver Hand, Leiter der Verhaltens-Therapie Ambulanz an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Hamburger Universitätsklinikums Eppendorf (UKE). Geringes Selbstbewusstsein, Hang zum starken Perfektionismus, Stress, manchmal vererbte Prädisposition für Zwangserkrankungen, schwere emotionale Belastungen bei Eintritt in die Pubertät oder traumatische Erlebnisse, eine lieblose Kindheit und Missbrauch können eine Rolle spielen. Studien an Zwangserkrankten ergaben einen zu niedrigen Serotoninspiegel bei den Patienten. Ob dies die Ursache oder Folge des Haarereißens ist, bleibt so offen wie die Frage, ob die Henne zuerst da war oder das Ei.

Weitere Informationen im Internet: www.trichotillomanie.de, www.trich.de, www.zwaenge.de (Deutsche Gesellschaft Zwangserkrankungen e. V.)

Von der krankhaften Lust am HaarezupfenFoto: eyewire

Quellen:
Annett Neudecker, Iver Hand: Trichotillomanie. In: Verhaltenstherapie und Verhaltensmedizin, 1999, 20. Jahrgang (4), 465 – 478.
A. Neudecker, M. Rufer: Ambulante Verhaltenstherapie bei Trichotillomanie: Überblick, Störungsmodell und Fallbeispiel,Verhaltenstherapie 2004;14:90-98 (DOI: 10.1159/000079427)


AUS WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG

Forscher finden genetische Ursache für Trichotillomanie
(1.911 Zeichen)

(dgk) Das zwanghafte Haareausreißen bei Menschen mit der Krankheit Trichotillomanie hat zumindest in einigen Fällen eine genetische Ursache. Das schließen amerikanische Forscher aus einer aktuellen Studie, in der sie das Erbgut von betroffenen Familien untersuchten. Dabei stießen die Wissenschaftler auf zwei Genveränderungen, die zwar bei den Trichotillomanie-Patienten auftraten, nicht jedoch bei ihren gesunden Verwandten. Die Forscher vermuten, dass diese Abweichungen in etwa fünf Prozent der Trichotillomanie-Fälle den Zwang auslösen, sich immer wieder die Haare auszureißen. Über die Arbeit berichten Stephan Züchner vom der Duke-Universität in Durham und seine Kollegen in der Fachzeitschrift ‚Molecular Psychiatry’ (Oktober-Ausgabe).

Die Forscher untersuchten das Erbgut von 44 Familien, bei denen einer oder mehrere Angehörige unter Trichotillomanie litten. Sie konzentrierten sich dabei auf ein Gen namens SLITRK1, von dem bereits bekannt ist, dass es eine Rolle beim Tourette-Syndrom spielt - einer Krankheit, die ebenso wie die Trichotillomanie zu einer Gruppe von Zwangserkrankungen mit einer Störung der Impulskontrolle gehört. Tatsächlich identifizierten die Wissenschaftler gleich zwei Mutationen im SLITRK1-Gen, die ausschließlich bei Probanden mit dem Zwang zum Haareausreißen auftraten. Das betroffene Gen sei normalerweise an der Bildung der Kontakte zwischen den Gehirnzellen beteiligt, erklären die Wissenschaftler. Die Veränderungen könnten daher dazu führen, dass sich diese Verbindungen im Gehirn nicht korrekt ausbilden, und die falschen Verschaltungen dann den unwiderstehlichen Drang zum Haareausreißen auslösen.

Das Ergebnis sei besonders deswegen interessant, weil es eine biologische Erklärung für eine komplexe psychische Krankheit liefert, schreiben die Forscher. Bisher waren dafür hauptsächlich Umweltfaktoren wie Erlebnisse in der Kindheit, die Erziehung oder spätere Erfahrungen verantwortlich gemacht worden. Sie glauben allerdings nicht, dass SLITRK1 das einzige beteiligte Gen ist. „Es ist wahrscheinlich eines von vielen, die miteinander und mit Umweltfaktoren interagieren und so die Krankheit auslösen“, erklärt Allison Ashley-Koch, eine der Mitautorinnen.


Konsum von fettem Fisch kann das Risiko
von Nierenkrebs dramatisch senken
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(dgk) Frauen können offenbar allein durch den regelmäßigen Konsum von fettem Fisch ihr Nierenkrebsrisiko erheblich reduzieren. Das jedenfalls ergab die neueste Auswertung der schwedischen Mammography Cohort Study, in der 61.433 Frauen im Alter von 40 bis 76 Jahren seit 1987 beobachtet werden. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse in der neuesten Ausgabe des Journal of American Medical Association.
Konsum von fettem Fisch kann das Risiko von Nierenkrebs dramatisch senken

Foto: imagesource

Bei Frauen, die im Beobachtungszeitraum durchschnittlich ein- oder mehrmals pro Woche Makrele, Sardine oder Lachs aßen, traten Nierenzellkarzinome um 44 Prozent seltener auf. Eine Subgruppe von 36.664 Frauen mit einer konsequenten fischreichen Ernährung über 10 Jahre hatten sogar ein um 74 Prozent reduziertes Krebsrisiko.

Die Ergebnisse, so Studienleiterin Dr. Alicja Wolk, sind um so bemerkenswerter, als bisherige Studien keinen derart deutlichen Zusammenhang feststellen konnten. Die Wissenschaftlerin führt das darauf zurück, dass die verwendeten Ernährungs- und Nährstoffprotokolle nicht immer ausreichend differenziert genug waren und zum Beispiel nur die Menge des Fischkonsums, nicht aber die Art der Fische mit einbezogen haben. Das 67 Punkte umfassende Ernährungsprotokoll der schwedischen Langzeitstudie erlaubt dagegen eine genauere Auswertung. Und die zeigt, dass die Berücksichtigung alleine der Gesamtfischmenge tatsächlich kein klares Ergebnis ergibt. Denn nur der Konsum von fettreichen Fischarten, nicht aber der von Kabeljau, Seelachs, Tunfisch, Shrimps und anderen Meeresfrüchten zeigte sich in der jetzigen Studie als entscheidender Schutzfaktor gegenüber Nierenkrebs.

Als Ursache für die spezifische Wirkung fettreicher Fischarten scheint der Gehalt an Omega-3-Fettsäuren sowie an Vitamin D verantwortlich zu sein. Das würde jedenfalls sich mit den Ergebnissen anderer Untersuchungen bei Tieren und Menschen decken, die ebenfalls eine Verringerung des Krebsrisikos (u. a. Prostatakrebs und Brustkrebs) bei erhöhter Zufuhr sogenannter n3-Fettsäuren gefunden haben. Makrelen, Heringe, Sardinen und Lachse enthalten etwa 20 bis 30 Mal mehr n3-Fettsäuren als fettarme Fischarten.

Als Ursache für die Schutzwirkung von n3-Fettsäuren – zu denen neben den Fischölen auch die in Lein-, Raps- und Hanföl enthaltene Linolensäure gehört - werden gleich mehrere molekulare Mechanismen diskutiert. Ein wesentlicher Punkt scheint die Hemmung der Eicosanoid-Synthese zu sein, ein Produkt aus dem Arachidonsäurestoffwechsel, das viele Tumorzellen zum Wachstum benötigen. Arachidonsäure ist vor allem in Fleisch- und Wurstprodukten enthalten, kann im Körper aber auch aus Linolsäure gebildet werden. Linolsäure ist eine mehrfach ungesättigte n6-Fettsäure, die im hohem Maß in Distelöl, Sonnenblumenöl oder handelsüblichen Margarinen und damit auch in vielen Fertigprodukten enthalten ist. Ein vermehrter Konsum von n3-Fettsäuren als Gegenspieler zu den aufgrund moderner Ernährungsgewohnheiten heute überproportional aufgenommenen n6-Fettsäuren könnte somit entscheidend zur Reduktion vieler Krebserkrankungen beitragen.

Eine weitere Ursache für das seltenere Auftreten von Nierenkrebs liegt möglicherweise auch in der bis zu 15-fach höheren Aufnahme an Vitamin D beim Konsum fettreicher gegenüber anderen Fisch- oder Fleischarten. Da die Zellen der Nieren Rezeptoren für die Hormonwirkung des Vitamin D besitzen, könnte die Zufuhr des Vitamins einen unmittelbaren Einfluss auf die Entwicklung und den Verlauf von Nierenzellkarzinomen haben, so die Forscher. Je nach Genotyp der Vitamin-D-Rezeptoren entstehen auch unterschiedlich aggressive Tumorarten. In einer Reihe von Studien wurde bereits eine inverse Beziehung zwischen dem Körperspiegel an Vitamin D und dem Auftreten von Pankreas-, Darm-, Prostata-, und Brustkrebs gefunden. Höhere Spiegel waren also mit einer Verminderung des Krebsrisikos verbunden. Die Universität von San Diego veröffentlichte passend dazu jetzt auch Daten, die das Auftreten von Nierenkarzinomen mit der UVB-Strahlung der Sonne in verschiedenen Ländern in Beziehung setzen. Hintergrund: Vitamin D kann unter Einfluss ausreichend hoher UVB-Strahlen von der Haut gebildet werden. In Ländern, in denen die Menschen unmittelbar intensiver Sonnenstrahlung ausgesetzt sind, findet sich eine signifikant niedrigere Nierenkrebshäufigkeit.

Was lässt sich nun aus diesen Ergebnissen für die Praxis ableiten? Die an der Mammography Cohort Study beteiligten Wissenschaftler weisen diesbezüglich auf zwei Unsicherheitsfaktoren ihrer Studie hin. Zum einen lässt sich nicht mit letzter Sicherheit ausschließen, dass bisher nicht entdeckte Faktoren ebenfalls für das verringerte Auftreten von Nierenkrebs eine Rolle spielen. Zum anderen – und das ist der wichtigere Punkt für zukünftige Forschungen – lässt sich nicht klar trennen, welchen Einfluss die Fischöle und welchen das vermehrt aufgenommene Vitamin D am Krebsschutz haben. Doch wie dem auch sei: Möglichst mehrmals in der Woche fettreichen Fisch auf dem Speiseplan zu haben, scheint jedenfalls eine ausnehmend gute Gesundheitsversicherung zu sein.


MELDUNGEN

Neuer Wirkstoff gegen Epilepsie zur Monotherapie zugelassen
Vorteile liegen in der Verträglichkeit mit anderen Arzneimitteln
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(dgk) Die Epilepsie ist die häufigste neurologische Erkrankung in Deutschland. Ursache für Epilepsie-Attacken ist eine fehlerhafte Kommunikation von Nervenzellen im Gehirn. Ziel einer Behandlung ist die Anfallsfreiheit. Neben der zuverlässigen Wirkung ist die Verträglichkeit ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl des Medikamentes. Mit dem Wirkstoff Levetiracetam ist nun ein bewährtes Mittel zur Alleinbehandlung zugelassen worden, das wegen seines Stoffwechsels die Wirksamkeit anderer Arzneimittel nicht beeinträchtigt.

Gerade ältere Patienten nehmen häufig wegen verschiedener Grunderkrankungen bereits ein oder mehrere Arzneimittel ein. „Da viele Arzneimittel über die Leber abgebaut werden, kommt es immer wieder zu unerwünschten Wechselwirkungen der Wirkstoffe“, erläutert Dr. Dietmar Krause vom Deutschen Grünen Kreuz e. V. (DGK). Diese Wechselwirkungen können unter anderem auch die Wirksamkeit beeinflussen. Der Epilepsiewirkstoff Levetiracetam wird nicht über die Leber verstoffwechselt. Die Gefahr von Interaktionen mit anderen Arzneimitteln ist daher höchstens gering.

Bis vor kurzem war Levetiracetam nur als zusätzliches Mittel bei Epilepsie zugelassen. „Das ist bei allen neu zugelassenen Epilepsietherapeutika so“, erklärt der Marburger Experte. Erst wenn es ausreichend Erfahrungen mit einem Arzneimittel gegen Epilepsie gibt, kann es als alleiniger Wirkstoff gegeben werden. „Die Zulassung zur Monotherapie erweitert jetzt deutlich die Therapieoptionen bei Epilepsie“, urteilt Krause.


Tiere lindern Leid
Mit Delfintherapie werden erstaunliche Fortschritte erzielt
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(dgk) Zahlreiche Untersuchungen zeigen: Tiere als therapeutische Helfer haben heilenden Einfluss besonders auf schwer- und schwerstbehinderte Menschen. Welch große Erfolge sich zum Beispiel mit einer Delfintherapie erzielen lassen, zeigt der Fall des heute siebenjährigen Niklas.

Niklas kam viel zu früh auf die Welt – ein Schicksal, das sich in Deutschland jedes Jahr 64.000 Mal ereignet. Da er bereits in der 23. Schwangerschaftswoche geboren wurde und nur 820 Gramm wog, hatte Niklas kaum Überlebenschancen. Doch er wollte leben, und das merkt man ihm auch heute noch an. Seine Mutter beschreibt ihn als quirliges, aufgewecktes Kind – obwohl er an einer linksseitigen Spastik leidet, epileptische Anfälle hat und im Rollstuhl sitzt. Neben zahlreichen physiotherapeutischen Anwendungen, die Niklas regelmäßig machen muss, wurde bei ihm auch schon mehrmals eine Hippotherapie, eine Therapie mit Pferden, eingesetzt.

Allerdings fühlt sich Niklas im Wasser wohler, da er sich aufgrund seiner Spastik dort viel leichter bewegen kann. Deshalb finanzierten seine Eltern drei Delfintherapien aus eigener Tasche. Sie berichten: „Bei jeder seiner Begegnungen mit den Delfinen konnte Niklas kleine Fortschritte für sich verbuchen.“ Schon nach der ersten Therapie habe er neue Wörter in seinen Sprachschatz aufgenommen. Beim zweiten Mal habe sich auch sein Sozialverhalten verändert: Niklas wurde offener und mutiger, und kaum zu Hause hatte er wieder ein paar neue Wörter gelernt. „Bei der dritten Delfintherapie schließlich bemerkten wir, dass unser Sohn besser kauen konnte und viel aufmerksamer seiner Umwelt gegenüber war“, erzählen die Eltern. „Plötzlich zeigte er Interesse an der hoteleigenen Kinderdisco und wollte unbedingt auf die Rutschbahn – für uns war dies eine unglaubliche Entwicklung, die uns regelrecht in Erstaunen versetzte. Und diese Fortschritte hat er beibehalten.“

Der Fall „Niklas“ wird, neben anderen Patientengeschichten, ausführlich beschrieben in dem Buch „Delfine als Therapeuten“, das Ende November 2006 im VERLAG im KILIAN erscheint. Weltweit gibt es schätzungsweise 100 Einrichtungen und Organisationen, die eine Delfintherapie anbieten. Fast jedes dieser Zentren arbeitet nach eigenen Konzepten. Der neue Ratgeber beschreibt die so genannte Kemer-Methode, die auf vier Säulen aufbaut: das tägliche Schwimmen mit den Delfinen, das individuell zugeschnittene Behandlungs- und Betreuungskonzept für die erkrankten Patienten und deren mitgereiste Angehörige, die besonderen klimatischen Bedingungen an der türkischen Riviera sowie das Nachsorge-Programm in Deutschland.

Mit Delfintherapie werden erstaunliche Fortschritte erzielt Dr. med. Friedrich Wilhelm Steinweg, Karin Schutt: Delfine als Therapeuten – Die Kemer-Methode: Behandlung in der Türkei – Nachsorge in Deutschland, 124 Seiten, zahlreiche Abbildungen, Format 17 x 22,5 cm, Broschur, € 14,90, ISBN-10: 3-932091-94-9, ISBN-13: 978-3-932091-94-0.


Was hilft gegen Scheidenpilz?
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(dgk) Zumindest einmal im Leben trifft es jede: Wenn es im Scheidenbereich heftig juckt und höllisch brennt, ein weißlich-gelber Ausfluss auftritt und der Intimbereich womöglich noch gerötet ist, steckt meist ein Scheidenpilz dahinter. Dieses lästige Übel wird in der Fachsprache als Vaginalmykose bezeichnet und gehört zu den häufigsten Frauenleiden. Drei von vier Frauen macht Vaginalpilz mindestens einmal im Leben zu schaffen, jede fünfte erkrankt mehrmals daran. Fünf Prozent aller Frauen leiden sogar mehrmals jährlich unter der unangenehmen Infektion.

Erreger der vaginalen Pilzinfektion sind meist Hefepilze mit dem Namen Candida albicans. Sie kommen auch bei gesunden Frauen im Vaginalbereich vor – allerdings in geringen Mengen. Zu einer Pilzinfektion kommt es erst, wenn das natürliche Gleichgewicht der Scheidenflora gestört ist, etwa durch hormonelle Einflüsse, eine Antibiotika- oder Kortisontherapie, Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus, ein geschwächtes Immunsystem, die Verwendung von Pflegeprodukten, die den Säureschutzmantel der Scheide angreifen oder falsche Toilettenhygiene.

Leider verschwindet der Pilz nicht wieder von selbst. Auch durch Hausmittelchen oder gar heftiges Waschen lässt sich der Eindringling nicht beseitigen. Im Gegenteil: Joghurt-Tampons, Knoblauch-Kuren und übertriebene Hygiene können im Intimbereich sogar noch größeren Schaden anrichten. Gut lässt sich eine Vaginalmykose innerhalb weniger Tage mit rezeptfreien Antipilzmitteln, Cremes und Vaginaltabletten zum Einführen in die Scheide aus der Apotheke in den Griff bekommen. Schwangere und erstmalig Betroffene gehören in die Arztpraxis. Auch Frauen, die immer wieder von der Pilzplage heimgesucht werden, sollten sich ärztlich beraten lassen.

Mehr über dieses Thema lesen Sie im Ratgeber aus Ihrer Apotheke / Ausgabe 11 B/2006 (15. November 2006)


DIE INITIATIVE „LOBBY FÜR DAS KIND“ INFORMIERT:

Folsäure – Das bedeutendste Vitamin für Frauen mit Kinderwunsch
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(dgk) Während in Industrienationen der Bedarf an Hauptnährstoffen in der Schwangerschaft normalerweise gedeckt ist, mangelt es in vielen Fällen an bestimmten Mikronährstoffen. Im Bereich der Vitamine ist bei Folsäure, einem Vitamin der B-Gruppe, ein Defizit fast schon normal. Oftmals ist auch der Bedarf an den B-Vitaminen Thiamin, Riboflavin, Pyridoxin und Cobalamin nicht gedeckt. Auch sie sind elementar. Der Folsäure kommt bei der fetalen Entwicklung aber eine besondere Bedeutung zu. Indessen deuten Untersuchungen zur Versorgungslage drauf hin, dass die Zufuhrempfehlung für dieses Vitamin über die normale Nahrung im Allgemeinen nicht erreicht wird.1 Die Folge können Gesundheitsschäden sein.

Ein Mangel an diesem Mikronährstoff offenbart sich zuerst in den Zellsystemen mit hoher Teilungsrate: Bei der Blutbildung, in der Darmschleimhaut und im Urogenitaltrakt. Und in der Schwangerschaft, einer Zeit permanenter Zellteilung. Insbesondere während der ersten Embryonalwochen, bei der Entwicklung des kindlichen Rückens.

Quellen für natürliche Folsäure
Folsäure ist ein „grünes Vitamin“. Es befindet sich in vielen pflanzlichen Lebensmitteln. In grünem Gemüse wie Spinat, Kohlarten und Gurken. Auch Tomaten enthalten nennenswerte Mengen, ebenso einige Früchte (Weintrauben, Orangen), Getreide (Weizenkeime, Vollkornbackwaren), Hülsenfrüchte (Sojabohnen) und Kartoffeln. Unter den tierischen Lebensmitteln sind Eier, Fleisch, Milch und einige Milchprodukte gute Quellen. Obwohl dies gängige Nahrungsmittel sind, ist der Bedarf an Folsäure damit schwer zu decken.

Folat ist nicht gleich Folsäure
Es gibt verschiedene Folsäureverbindungen mit unterschiedlichen Eigenschaften. Einige Nahrungsfolate sind schwer resorbierbar, dabei licht- und hitzeempfindlich. Die Bioverfügbarkeit von synthetischer Folsäure ist deutlich höher.

Folsäureversorgung in Deutschland
Die Folsäureversorgung in Deutschland liegt deutlich unterhalb den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.2 Diese betragen für Jugendliche und Erwachsene 400 ?g pro Tag, für Schwangere 600 ?g pro Tag und für Säuglinge geschätzte 60 bis 80 ?g pro Tag. Nach den Daten des Ernährungssurveys von 1998 beträgt die mittlere Zufuhr bei Männern 291 ?g, bei Frauen sogar nur 246 ?g pro Tag. Nur 16 Prozent der Männer erreichen das Soll, und nur 10 Prozent der Frauen.

Wären in Deutschland, wie in vielen anderen Ländern üblich, verschiedene Lebensmittel aus den Warengruppen Cerealien, Molkereiprodukte und Erfrischungsgetränke mit 150 ?g Folsäure pro 100 g angereichert, würden über 90 Prozent der Bevölkerung die Zufuhrempfehlungen in Höhe von 400 ?g Folat pro Tag erreichen. Aber selbst dann noch nicht die empfohlene Menge für Frauen in der Schwangerschaft.

Risiko Neuralrohrdefekt
Ein geschlossenes Neuralrohr beim Fetus ist die Bedingung für eine normale Entwicklung der Wirbelsäule und des Nervensystems. Das Neuralrohr schließt sich in der vierten Embryonalwoche. Ist dieser Vorgang gestört, können Neuralrohrdefekte wie die Spina bifida (offener Rücken, Spaltwirbel) entstehen. Es gibt keine verlässlichen Zahlen über die Häufigkeit von Neuralrohrdefekten in Deutschland. Für viele Schwangere stellt die Prognose „offener Rücken“ einen Grund für einen Abbruch dar. Schätzungen in Sachsen gehen von 0,84 Promille, entsprechend etwa einem Fall auf 1.200 Lebendgeburten3 aus. Nur wenige dieser Kinder erreichen das zweite Lebensjahr.

Der Neuralrohrdefekt entsteht zum Beispiel durch einen Mangel an Folsäure im mütterlichen Organismus. Zwar ist dieser Mangel nicht die einzige mögliche Ursache. Auch genetische Faktoren spielen eine Rolle. Aber Studien konnten zeigen, dass Frauen, die ihre Nahrung mit Folsäure ergänzen, ein deutlich geringeres Risiko haben.

In Deutschland sind etwa die Hälfte aller Schwangerschaften ungeplant. Wenn diese Frauen ihre Umstände bemerken, ist das kritische Zeitfenster bereits geschlossen. Aber auch sie profitieren von einer weiteren Nahrungsergänzung bis in die Stillzeit.

Wenn die Frauen der anderen Hälfte – mit Kinderwunsch und geplanter Schwangerschaft – zu einer verbesserten Folatversorgung bereit wäre, d. h.

    • Verzehr von folatreichen bzw. mit Folat angereicherten Lebensmitteln bereits vier Wochen vor der Konzeption, und / oder
    • Einnahme eines geeigneten Multivitamin-/ Ergänzungspräparates,

dann könnte die Häufigkeit von Neuralrohrdefekten sicher deutlich reduziert werden.

Quellen:
1 Weißenborn A, Przyrembel H: Folsäureversorgung der deutschen Bevölkerung. Bundesinstitut für Risikobewertung, Berlin 2005 (BfR-Wissenschaft 01/2005)
2 DGE: Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. DGE, ÖGE, SGE, SVE. 1. Auflage, Frankfurt, Umschau / Braus 2000
3 Fehlbildungsmonitoring Sachsen-Anhalt (2003): Jahresbericht des Bundeslandes Sachsen-Anhalt zur Häufigkeit von congenitalen Fehlbildungen und Anomalien sowie genetisch bedingten Erkrankungen 2002. Otto-von-Guericke-Universität, Magdeburg.

Hinweis für Redaktionen:

Jedes Jahr werden Tausende von vermeidbar vorgeschädigten Kindern geboren. Weil die werdenden Eltern Risiken nicht gekannt, übersehen oder ignoriert haben. Diese Situation zu verbessern, ist Auftrag der Kampagne LOBBY FÜR DAS KIND.
Die Initiative des Kinderzentrums München, der Klinik für Geburtsmedizin der Charité, der Stiftung für das behinderte Kind und des Deutschen Grünen Kreuzes e.V. (DGK) informiert an dieser Stelle zehn Monate lang über einen Aspekt der Gesundheit „werdender Kinder“.
Helfen Sie uns mit Ihrer Veröffentlichung, alle Eltern zu erreichen.
Internet: www.lobby-fuer-das-kind.de, E-Mail: lobby.kind(à)kilian.de

 


NACHRICHTEN AUS DEM DEUTSCHEN DIABETES-ZENTRUM (DDZ)

Frauen mit einem Typ-2-Diabetes sind höheren Risiken ausgesetzt
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(dgk/DDZ) Unter makrovaskulären Erkrankungen versteht man solche, die die großen Blutgefäße des Körpers betreffen. Darunter fällt zum Beispiel die Arteriosklerose (Arterienverkalkung), die in ihrem weiteren Verlauf zu Durchblutungsstörungen, Angina pectoris („Herzenge“), Herzinfarkten sowie Schlaganfällen führen kann.

In einer niederländischen Studie wurde nun erforscht, ob Frauen mit einem Typ-2-Diabetes und einer Mikroalbuminurie (Eiweissausscheidung im Urin in bestimmten Konzentrationsbereichen) ein höheres makrovaskuläres Erkrankungsrisiko als Männer aufweisen. Untersucht wurden 46 Männer und 21 Frauen mit einem Typ-2-Diabetes innerhalb eines Zeitraumes von fünf Jahren. Bei sämtlichen Diabetikern lag der Blutdruck im Normbereich, jedoch wiesen alle eine Mikroalbuminurie auf. Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass Frauen mit einem Typ-2-Diabetes ein mehr als dreifaches Risiko für Herzkreislauferkrankungen entwickelten als Männer mit einem Typ-2-Diabetes. Das Risiko stieg um das 6,4-fache an, wenn weitere Faktoren wie Bluthochdruck, Alter, Nikotinmissbrauch, erhöhte Blutfettwerte und der Body-Mass-Index berücksichtigt wurden. Bei einer zusätzlichen Berücksichtigung der diabetischen Retinopathie (diabetische Netzhauterkrankung des Auges) stieg das Risiko sogar um das 8,23-fache an.

Dies bedeutet, dass die Ausbildung des Risikos für Herzkreislauferkrankungen bei Ty-2-Diabetikern auch vom Geschlecht abhängt. Um das vergleichsweise hohe Risiko für Herzkreislauferkrankungen bei diabetischen Frauen zu erforschen, sind weitere Studien vonnöten. Was man weiß: Der Grund für das erhöhte Risiko bei Frauen im Vergleich zu Männern liegt nicht in den unterschiedlich hohen Risiken für Herzkreislauferkrankungen oder gar der Schwere der Nierenerkrankung (diabetische Nephropathie) oder am Vorhandensein der diabetischen Retinopathie.

Gunilla Erdmann, freie Mitarbeiterin der Deutschen Diabetes-Klinik des Deutschen Diabetes-Zentrums an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle:
Zandbergen et al. Normotensive Women With Type 2 Diabetes and Microalbuminuria Are at High Risk for Macrovascular Disease. Diabetes Care 2006;29:1851-1855.

Informationen finden Sie im Internet unter www.diabetes-deutschland.de
Für Rückfragen zu dieser Presseinformation wenden Sie sich bitte an:
Prof. Dr. med. Werner A. Scherbaum
Deutsches Diabetes-Zentrum / Deutsche Diabetes-Klinik
Leibniz-Institut an der Heinrich-Heine-Universität
Auf’m Hennekamp 65, 40225 Düsseldorf

Telefon: 02 11 / 33 82 – 2 00, Fax: 02 11 / 33 69 103

 


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