DGK e.V. -Pressedienst Deutsche Gesundheits-Korrespondenz (dgk), Jahrgang 43, Ausgabe 1/2 - 2002 - Themen: Husten, Lungenentzündung, Jodsalz, Ostereierfarben, Künstliche Ernährung, nachtblind, Augen, Schlafen, Kalorien, Altern in Würde, Alergie
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Pressedienst Deutsche Gesundheits-Korrespondenz
dgk, Jg. 43, 1/2 - 2002

Husten, Schnupfen, Lungenentzündung? (1462 Zeichen)

Gefährliche Pneumokokken-Infektion kann tödlich enden


(dgk) In der kalten Jahreszeit verbreiten sich nicht nur die lästigen, aber harmlosen Schnupfenviren, auch wirklich gefährliche Bakterien kommen besser zum Zug: Pneumokokken verursachen häufig Lungenentzündungen, die tödlich enden können. Schätzungsweise 12.000 Menschen sterben pro Jahr in Deutschland an einer Pneumokokken-Infektion.

Betroffen sind vor allem Menschen, deren Immunsystem "nicht ganz auf der Höhe" ist. Hierzu gehören beispielsweise

  • alte Menschen ab 60 Jahre,
  • Frühgeborene, das heißt vor der 38. Schwangerschaftswoche Geborene,
  • Babys mit einem Geburtsgewicht unter 2,5 Kilogramm oder
  • Säuglinge und Kinder mit Gedeihstörungen oder Krankheiten des Nervensystems.
  • Unabhängig vom Alter sind außerdem alle Patienten besonders gefährdet, die eine Immunschwäche haben (etwa durch Krebsbehandlung oder durch HIV- Infektion) oder an chronischen Erkrankungen leiden - vor allem der Atemwege, aber auch anderer Organe.


Diese Risikogruppen sollten sich nach der Empfehlung der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut in Berlin (STIKO) vorbeugend impfen lassen. Es stehen zwei Impfstoffe zur Verfügung: Der so genannte Polysaccharid- Impfstoff schützt vor 23 verschiedenen Pneumokokken-Typen und kann bei Personen ab zwei Jahren eingesetzt werden. Seit 2001 gibt es auch einen für Säuglinge und Kleinkinder geeigneten Impfstoff, der schwere Erkrankungen und deren Folgen verhindert. Er kann ab dem dritten Lebensmonat gegeben werden.


Nachts sind alle Katzen grau (3226 Zeichen)

Wenn die Dämmerung die Sicht nimmt, sehen Nachtblinde völlig schwarz


(dgk) Wer nachts leicht vom Scheinwerferlicht des Gegenverkehrs irritiert wird oder bei nächtlichen Fahrten immer näher an das Lenkrad rutscht, der hat sehr wahrscheinlich ein Nachtsichtproblem. Die Nachtblindheit, Nyktalopie, ist die verminderte Sehfähigkeit bei Dunkelheit. Grund ist eine Störung der Lichtsinneszellen in der Netzhaut (Stäbchenzellen), die das Dämmerungssehen ermöglichen.

Bei der angeborenen erblichen Nachtblindheit ist das Tagsehen erhalten, weil sich in der Mitte der Netzhaut Zapfenzellen für das Farbensehen, jedoch keine Stäbchenzellen befinden. Bei minimaler Beleuchtung jedoch sieht der Nachtblinde fast nichts mehr. Die Fähigkeit seiner Augen, sich an Nacht- oder Zwielicht anzupassen, ist stark eingeschränkt. Der Betroffene ist nicht in der Lage, die Grautöne zu unterscheiden, die ein Gesunder auch bei zunehmender Dunkelheit noch wahrnimmt, und empfindet seine Umgebung daher als völlig schwarz. Vor allem bei Kurzsichtigen tritt Nachtblindheit häufiger auf.

Für eine Nachtblindheit können auch Erkrankungen die Ursache sein, zum Beispiel eine Leberzirrhose oder Netzhauterkrankungen, wie grüner Star oder Retinitis pigmentosa. In diesen Fällen kann die Therapie der Grundkrankheit die Nachtblindheit verbessern.

Untersuchungen haben ergeben, dass Nachtblindheit häufig auch durch Mangel an Vitamin A entsteht. Der Körper benötigt Vitamin A für den Aufbau des Sehfarbstoffes Rhodopsin (Sehpurpur), der in den Stäbchen der Netzhaut genügend vorhanden sein muss, um das Auge an die Dunkelheit anzupassen. In diesem Fall sollte man viel Nahrungsmittel zu sich nehmen, die reich an Vitamin A sind, beispielsweise Aprikosen, Butter, Eier, Gemüse, Käse, Leber, Milch und auch die berühmten roten Möhren.
Auch Zinkmangel kann Schuld an den nächtlichen Sehstörungen sein, denn Zink ist ebenfalls für die Hell-Dunkel-Adaption im Auge notwendig. Das Spurenelement verwandelt Retinol in das wirksame Retinal. Zink ist reichlich in Spargel, Austern, Weizenkeimen, Haferflocken und Schwarztee enthalten. Die Gabe von Vitamin A oder Zink lässt aber nur eine leichte Besserung zu, denn die Nachtblindheit ist an sich kaum behandelbar.

Leidet man unter den geschilderten Symptomen sollte man sich in jedem Fall untersuchen lassen. Einige Augenärzte bieten spezielle Untersuchungen mit einem so genannten Nyktometer an. Wenn die Nachtblindheit Folge des grauen Stars ist, könnte operiert werden. In der Regel reichen bereits spezielle Brillen oder Kontaktlinsen aus, um die Sehschwäche wieder auszugleichen. Leider müssen sich einige Patienten aber mit ihrer nächtlichen Sehschwäche abfinden. Im Zweifel: Das Auto in der Dunkelheit stehen lassen. Denn der Nachtblinde stellt nicht nur für sich, sondern auch für andere eine Gefahr im Straßenverkehr dar. Die Fahrten auf unbeleuchteten Straßen sind für Nachtblinde häufig eine "Fahrt ins schwarze Nichts". Für Brillenträger sind bei Dunkelheit entspiegelte Gläser zu empfehlen. Sie verhindern die Bildung störender Lichtreflexe und haben eine höhere Lichtdurchlässigkeit. In keinem Fall sollte man nachts mit getönten Gläsern unterwegs sein. Je nach Tönung wird nochmals ein erheblicher Teil des vorhandenen Lichts absorbiert - man sieht noch weniger.


Schlummertipps für nimmermüde Geister (2697 Zeichen)

Schlafen - aber richtig


(dgk) Schlafen ist ein Grundbedürfnis, das genauso wichtig ist wie Essen und Trinken. Trotzdem gehen wir mit dieser lebenswichtigen Erholungsphase oft nicht sehr sorgsam um. Dabei braucht unser Körper durchschnittlich acht Stunden Schlaf, um wieder fit für den nächsten Tag zu sein. Im Schlaf werden zum Beispiel Erlebnisse und Gefühle verarbeitet, wichtige Hormone produziert, auch Muskeln und Gelenke können sich endlich entspannen.

Doch das alles funktioniert nur, wenn das Umfeld stimmt. Von der richtigen Matratze bis zum Schlafzimmer. Und das sieht idealerweise so aus: Es ist der ruhigste Raum der Wohnung, von äußeren Lichtquellen gut abgeschirmt. Die Luftfeuchtigkeit liegt bei etwa 50 Prozent. Ist die Luft zu trocken, bekommen wir leichter eine Erkältung. Ist sie zu feucht, bilden sich gesundheitsgefährdende Schimmelpilze. Die optimale Raumtemperatur für erholsame Nachtruhe beträgt 16 bis 17 Grad Celsius. Wer es gern warm hat, sollte besser eine dickere Decke wählen, statt die Heizung höher zu regeln. Und wer nicht bei offenem Fenster schlafen mag - etwa wenn die Quecksilbersäule in Minusgrade fällt -, lüftet vor dem Zubettgehen auf jeden Fall mindestens 10, besser 20 Minuten.

Die Matratze sollte nicht zu hart sein, sondern sich dem Körper anpassen. In Bauch- und Rückenlage muss die natürliche Krümmung der Wirbelsäule weitgehend erhalten, bei seitlichem Liegen das Rückgrat gerade bleiben. Auf diese Weise werden die Bandscheiben während des Liegens entlastet - die gallertartigen Kerne können wieder Flüssigkeit aufnehmen.

Einschlaftipps

Abschalten: Machen Sie einen klaren Schnitt zwischen Alltagsstress und Schlaf. Lesen Sie, hören Sie Musik, machen Sie einen Spaziergang. Fernsehen ist weniger zu empfehlen, schon gar nicht im Schlafzimmer.
Sport: Mindestens drei Mal wöchentlich Sport treiben verschafft die nötige Bettschwere. Direkt danach ist der Körper noch voll Power. Doch dann setzt die Müdigkeit ein.
Essen: Man sollte weder mit vollem noch mit leerem Magen ins Bett. Am besten drei Stunden vorher eine leichte Mahlzeit essen.
Massage: Durch die Berührung werden die Sinne beruhigt, die Muskeln entspannt. Massageöl beispielsweise mit Melisse oder Lavendel verstärkt die Wirkung.
Baden: Vor dem Schlafen eine Viertelstunde in körperwarmem Wasser baden mit beruhigenden Zusätzen wie Fichtennadelextrakt.
Schlummertrunk: Ein wenig Alkohol - ein Glas Wein oder Bier - ist in Ordnung und macht müde. Doch Vorsicht, zuviel des Guten führt zu frühem Erwachen. Auch spezielle Teemischungen aus Baldrian und Melisse sorgen für die nötige Bettschwere. Ein heißes Glas Milch mit Honig kann Wunder wirken!


Jodsalz ist unbedenklich und notwendig (3361 Zeichen)

Kein Risiko für Schilddrüsenpatienten und Allergiker


(dgk) Die Deutschen sind nach den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) trotz zahlreicher Aufklärungskampagnen noch immer zu schlecht mit Jod versorgt. Als sinnvollste Methode zur Behebung des Problems empfiehlt die WHO jodiertes Speisesalz. Dieses ist ein wichtiger Beitrag zur Bekämpfung von Jodmangelkrankheiten in Deutschland.

Optimal wären bei Jugendlichen und Erwachsenen 180 bis 200 Mikrogramm Jod pro Tag (µg/d). Bei Säuglingen beträgt die empfohlene Nahrungsjodmenge in Abhängigkeit vom Alter 40 bis 80 µg/d. Als Obergrenze wird in Deutschland ein Wert von 500 µg/d empfohlen. Neben der täglichen Ration Jodsalz sollten auch regelmäßig Seefische auf dem Speiseplan stehen, die ausreichend Jod enthalten, zum Beispiel Schellfisch, Seelachs und Kabeljau.

Der lebensnotwendige Nährstoff Jod ist ein wichtiger Bestandteil der Schilddrüsenhormone, die ohne Jod in der Nahrung nicht gebildet werden können. Die Folge eines Jodmangels: eine Vergrößerung der Schilddrüse, somit hormonelle und damit gesundheitliche Mangelerscheinungen wie Schluck- und Atembeschwerden, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Antriebsarmut und Mattheit. Eine schwere Folge von Jodunterversorgung ist die Ausbildung eines Kropfes. Besonders gefährdet sind Schwangere und Stillende und in der Folge Säuglinge und Kleinkinder. Jodmangel kann bei Föten zu schweren Entwicklungsstörungen der Knochen, Organe oder des Zentralnervensystems, dem so genannten Kretinismus, zu Kleinwüchsigkeit oder Schwerhörigkeit führen.

Dennoch kursieren Gerüchte, dass die Anreicherung von Lebensmitteln mit Jodsalz oder dass die Nahrung nach Jodierung der Tierfuttermittel für bestimmte Personengruppen gesundheitsschädlich sei. Das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) weist nachdrücklich darauf hin, dass die freiwillige Jodanreicherung von Lebensmitteln weder für Schilddrüsenpatienten noch für Allergiker ein gesundheitliches Risiko darstellt.
Eine Jodallergie auf jodierte Lebensmittel gibt es nicht. Das Jodatom und die im Speisesalz verwendeten Jodid- und Jodatverbindungen sind zu kleine Moleküle, um im menschlichen Organismus die Bildung von Antikörpern hervorzurufen. Bekannt sind nur Überempfindlichkeiten oder Allergien zum Beispiel gegen jodhaltige Röntgenkontrastmittel, Desinfektionsmittel oder Medikamente sowie nach dem Verzehr sehr jodreicher Algenerzeugnisse. Wer eine solche Allergie hat, reagiert jedoch nicht auf Jodverbindungen, die im Jodsalz enthalten sind, sondern auf großmolekulare Verbindungen, Allergene, an die das Jod gebunden ist. Erst bei sehr hohen Joddosen ab 1000 µg/d kann bei einzelnen Patienten ein sehr seltener Nebeneffekt auftreten, die so genannte Jodakne, die der Akne in der Pubertät ähnlich ist.

Nur bei einer ständigen Aufnahme von unphysiologisch hohen Joddosen (2000 µg und mehr pro Tag) oder einer einmaligen Zufuhr von über 100.000 µg/d kann es zu einer längerfristigen Blockade der Jodaufnahme in der Schilddrüse und dadurch zu einer Unterfunktion (Hypothyreose) kommen. Klinisch bedeutsam ist die durch hohe Joddosen ausgelöste Hypothyreose bei Neugeborenen, die durch jodhaltige Hautdesinfektionsmittel auftreten kann.
Fazit: Jodmengen von 100 bis 200 µg/d pro Tag zur Prophylaxe, wie sie auch in Form von Jodsalz aufgenommen werden, haben einen günstigen Einfluss auf die Gesundheit.


Ostereierfarben: Vorsicht Allergiegefahr! (1237 Zeichen)

(dgk) Wenn zu Ostern bunt gefärbte Eier im Supermarkt gekauft werden, sind diese sicherlich mit Lebensmittelfarbe behandelt worden. Normalerweise wird dies auch gekennzeichnet. Diese Farben gelten an sich als gesundheitlich unbedenklich.

Nicht jeder Mensch verträgt aber alle erlaubten Farbstoffe. Oftmals werden künstliche Substanzen zum Färben der Eier eingesetzt, die bei empfindlichen Menschen allergieähnliche Reaktionen auslösen können. Gerade die häufig verwendeten Azofarbstoffe E 102 (Tartrazin, Gelb), E 104 (Chinolingelb), E 110 (Sunsetgelb FCF, Gelborange S), E 122 (Azorubin, Rot) oder E 151 (Brillantschwarz, Blau) sind für Allergiker bedenklich und können Hautrötungen, Juckreiz oder im schlimmsten Fall sogar einen Neurodermitis-Schub oder einen Asthma-Anfall auslösen. Die Farbstoffe dringen durch winzige Risse und Sprünge in der Eierschale ins Innere des Eis und werden so, wenn auch in geringen Mengen, mitverzehrt. Eine unbedenkliche Alternative, die farblich zwar blasser, aber nicht weniger attraktiv ist, sind Naturpigmente.
Noch ein Tipp: Gekochte Eier halten sich im Kühlschrank etwa zwei Wochen lang. Wenn Sie die Eier über längere Zeit bei Zimmertemperatur aufbewahrt haben, raten Experten vom Verzehr ab.


Männer verbrennen mehr Kalorien im Schlaf als Frauen (687 Zeichen)

(dgk) Es ist ungerecht, aber wahr: Männer haben es im Leben wirklich leichter als Frauen, denn sie brauchen nicht ständig auf die Kalorien zu achten und nehmen bereits im Schlaf ab. Laut dem American Journal of Physiology verbrennen Männer beim Schlafen ungefähr elf Prozent mehr Energie als Frauen. Dies ist wohl ein Grund, warum Männer einen höheren Grundumsatz an Kalorien haben als Frauen und täglich mehr davon zu sich nehmen können, ohne an Gewicht zuzulegen. Diese "Ungerechtigkeit" hat nichts mit der Größe, Breite oder der sportlichen Betätigung zu tun. Tagsüber gilt: Wenn Männer und Frauen dieselben Sportübungen gleich lang machen, verbrauchen sie auch gleich viel Energie.


'Altern in Würde' - Neue Sektion beim Deutschen Grünen Kreuz (2069 Zeichen)

(dgk) Das Thema Altersdemenz wird zu einem der herausfordernsten und wichtigsten Gesundheitsthemen der Zukunft werden. Zu diesem Ergebnis kommt die Sachverständigenkommission des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in ihrem jüngst vorgelegten Vierten Altenbericht. Derzeit leiden etwa 1,4 Million Menschen in Deutschland an einer Demenz. Ihre Zahl wird rapide zunehmen, denn mit der Lebenserwartung steigt auch das Risiko, an einer Demenz zu erkranken.

Etwa 80 Prozent aller Betroffenen werden von Angehörigen zu Hause gepflegt. Für die Pflegenden heißt das, wenig Zeit für Freunde und Beruf zu haben, um rund um die Uhr für das kranke Familienmitglied da sein zu können.

Mit dem geistigen Abbau des Kranken können die meisten Angehörigen recht gut umgehen. Schwierig wird die Betreuung, wenn sich das Verhalten des Patienten ändert, wenn er unruhig, gereizt und aggressiv wird, nachts nicht schlafen kann und tagsüber seinem Pflegenden überall hin folgt. Das kann für alle Beteiligten zu einer großen Belastung werden. Nur wenige Pflegende trauen sich, über den Pflegealltag zu sprechen und nach Hilfe zu fragen. Verhaltensstörungen sind ein Tabuthema, das Wissen um Entlastungsmöglichkeiten und andere Hilfsangebote ist eher gering.

Das Deutsche Grüne Kreuz (DGK) beschäftigt sich seit einigen Jahren intensiv mit dem Thema Demenz. Die Initiative "Altern in Würde" will nun in einer breit angelegten Aufklärungskampagne das Thema "Verhaltensstörungen in Folge einer Demenz" aufgreifen.

Unterstützt wird das DGK von dem Wissenschaftlichen Beirat "Altern in Würde". Er wurde im Januar 2002 gegründet. Zu dem Beirat gehören: Dr. Hans-Jürgen Bosma (Gerontopsychiater und Geriater, Rees), Peter Neumeier (Pflegespezialist für Gerontopsychiatrie, Taufkirchen), Dr. Dr. Günter Niklewski (Psychiater, Nürnberg), Dr. Klaus-Chr. Steinwachs (Gerontopsychiater, Erlangen) und Dr. Georg Wiesner (Allgemeinmediziner). Der Beirat wird die Initiative fachlich begleiten und inhaltlich mitprägen.


Künstlicher Ernährung drohen Sparmaßnahmen (3039 Zeichen )

(dgk) Essen und Trinken gehören zum täglichen Leben. Normalerweise nehmen wir die Nahrung über den Mund zu uns. Doch viele Patienten auf der Intensivstation im Marburger Universitätsklinikum sind nicht mehr in der Lage, selbst die Gabel zum Mund zu führen. Helmut T. liegt beispielsweise nach einem Verkehrsunfall seit zwei Monaten im Wachkoma und die 74-jährige Klara F. hatte einen Schlaganfall und ist jetzt auf Hilfe angewiesen. Oder die kleine Nadine, die sich bei einem Sturz mit dem Fahrrad eine Schädel-Hirn-Verletzung zugezogen hat und alleine nicht mehr schlucken kann.

Da der Organismus jedoch Energie und Nährstoffe zum Überleben benötigt, wird bei diesen Patienten eine künstliche Ernährung durchgeführt. Durch einen dünnen, weichen Schlauch, eine so genannte Sonde, der über die Nase in den Magen eingebracht wird, erfolgt die Ernährung in flüssiger Form. Falls der Magen-Darm- Trakt nicht ausreichend funktioniert, können die Nährstoffe auch über eine große Vene zugeführt werden. Man spricht dann von parenteraler Ernährung.

Notwendig wird die künstliche Ernährung immer dann, wenn die "Schluck- und Verdauungsstraße" ihre Aufgaben nicht mehr wahrnehmen kann oder darf. Auch wenn ein Patient vor Operationen oder bei lang andauernden Untersuchungen nicht essen soll, kann sich der behandelnde Arzt für eine künstliche Ernährung entscheiden. Insbesondere dann, wenn der Patient mangelernährt ist. So ein schlechter Ernährungszustand kann Komplikationen wie Wundheilungsstörungen, Lungenentzündung oder Störungen der Infektabwehr hervorrufen und die Krankheitsdauer verlängern.

Sozialrechtlich gilt Sondennahrung als Arzneimittel und ist für Mediziner demzufolge bugdetiert. Die Kosten für Sonden und Hilfsmittel werden bislang von der Krankenversicherung erstattet. Der Bundesausschuss Ärzte und Krankenkassen (BUÄK) plant nun Einsparungen bei der künstlichen Ernährung. Der BUÄK lehnt vor allem ballaststoffhaltige Sondenkost beispielsweise bei Patienten mit Morbus Parkinson oder seniler Demenz, Schädel-Hirn-Verletzten oder Patienten im Wachkoma als "unwirtschaftlich" ab. Derzeit liegt die Beschlussvorlage dem Bundesministerium für Gesundheit zur Prüfung vor. Würde dieser verabschiedet, dürften niedergelassene Ärzte Spezialnahrung sowie ballaststoffreiche und hochkalorische Kost künftig nicht mehr auf Kosten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnen. Kranke oder Unfallopfer dürften nur künstlich versorgt werden, wenn sie stark untergewichtig sind.

Mit einer groß angelegten Unterschriftenaktion hat sich die "Initiative künstliche Ernährung" bereits im Sommer vergangenen Jahres gegen die Pläne des BUÄK gewendet, die Versorgung von Patienten mit Sondenernährung zu beschneiden. Mehr als 40.000 Betroffene wollten damit auf diesen Missstand aufmerksam machen. Eine Reaktion der Behörden steht nach Auskunft der Initiative noch aus. Weitere Informationen gibt es beim Bundesverband Schädel-Hirn-Patienten in Not e. V. unter der Telefonnummer
0 96 21 / 6 48 00 oder im Internet auf www.Schaedel-Hirn.de .

 

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