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Röteln & Schwangerschaft

Routinemäßige Röteln-Titerbestimmung: Längst verjährt, doch nicht vergessen

Januar 2016

So meldete sich beispielsweise eine Schwangere, bei der routinemäßig eine Überprüfung des Rötelnimmunstatus durchgeführt wurde, obwohl sie zweimal geimpft war. Sie machte sich nun Sorgen wegen eines niedrigen Antikörpertiters. Andere Frauen wollten wissen, ob sie in der Frühschwangerschaft eine Titerunter­suchung bräuchten – so würde es in verschiedenen Internetforen empfohlen, der betreuende Arzt lehne dies jedoch ab. Auch bezüglich der Impfung zeigte sich oft Unsicherheit: Können die Impfviren eigentlich auf andere Personen übertragen werden? Große Sorgen machte sich eine werdende Mutter, die versehentlich in der Frühschwangerschaft eine MMR-Impfung erhalten hatte: Es stellte sich die Frage, ob es dadurch zu einer Gefährdung des Kindes kommen könne.

Gefahr durch Röteln in der Schwangerschaft
Vor allem bei Kindern, aber auch bei den meisten Erwachsenen, verlaufen die Röteln in der Regel ohne größere Komplikationen. Infiziert sich jedoch eine Frau während der Schwangerschaft mit dem Röteln-Virus, kann dieses über die Plazenta auf den Fötus übergehen. Mögliche Folgen einer Infektion des ungeborenen Kindes sind Abort, Embryopathie und Röteln-Syndrom des Neugeborenen. Die Fehlbildungen betreffen hauptsächlich das Zentral­nerven­system, Auge, Ohr und Herz.

Das Risiko einer Schädigung hängt vor allem vom Zeitpunkt der Infektion ab und ist umso größer, je früher während der Schwangerschaft die Infektion erfolgt. Es liegt bei 50 bis 60 Prozent im ersten Schwangerschafts­monat und sinkt ab auf bis zu 7 bis 10 % im vierten Schwangerschaftsmonat. (1)

R
öteln-Titerbestimmungen waren gängige Praxis
Bis vor einigen Jahren wurde routinemäßig der Röteln-Titer sowohl bei Frauen mit Kinderwunsch als auch bei Schwangeren bestimmt. Das Ziel war, Frauen mit Kinderwunsch ggf. noch rechtzeitig vor einer Schwanger­schaft impfen zu lassen, bzw. bei nicht ausreichend geschützten Schwangeren zu Vorsichtsmaß­nahmen raten zu können.

Impfempfehlung
Die Röteln-Impfung ist eine Standardimpfung im Kindesalter, fehlende Impfungen sollen nachgeholt werden. Für ungeimpfte Frauen im gebärfähigen Alter oder Frauen im gebärfähigen Alter mit unklarem Impfstatus empfiehlt die STIKO eine zweifache Rötelnimpfung im Mindestabstand von 4 Wochen. Frauen im gebärfähigen Alter, die bisher einmalig gegen Röteln geimpft worden sind, sollten eine weitere Impfung gegen Röteln erhalten. Da seit 2012 in Deutschland kein Röteln-Einzelimpfstoff mehr verfügbar ist, ist die Impfung nur noch mit einem Masern-Mumps-Röteln (MMR) -Kombinationsimpfstoff möglich. Dies stellt jedoch kein Problem dar. Die kombinierte Impfung führt nicht zu vermehrten unerwünschten Wirkungen, auch wenn bereits eine Teilimmunität gegen andere im Impfstoff enthaltene Komponenten vorliegt. Liegt der Nachweis über zwei erfolgte Rötelnimpfungen vor, ist von einer Immunität auszugehen, weitere Maßnahmen wie Titerkontrollen sind nicht erforderlich. (1)


Keine routinemäßige Überprüfung des Serostatus mehr erforderlich
Die Vorgaben in den Mutterschafts-Richtlinien zur Bestimmung der Röteln-Immunität wurden Ende 2011 geändert – analog zu den STIKO-Empfehlungen 2010. Seitdem gilt: Wenn eine Frau zweimal gegen Röteln geimpft wurde und dies dokumentiert ist, braucht bei Vorliegen einer Schwangerschaft bzw. bei Kinderwunsch keine Titerbe­stimmung zu erfolgen. Denn es gilt mittlerweile als gesichert, dass nach zwei Impfungen ein solider Schutz für die Mutter und das ungeborene Kind besteht. (2)

Trotzdem wird in einigen Arztpraxen auch heute noch der Röteln-Serostatus bei zweifach geimpften Schwangeren überprüft. Doch Frauen können auch mit zweifacher Impfung einen niedrigen Antikörper-Titer aufweisen. Die Titerbestimmung ist aber nur eine Messung spezifischer Antikörper, in erster Linie des Immunglobulins G (IgG). Eine Abwehrreaktion gegen Viren beruht jedoch auch auf der zellulären Immunant­wort (T-Zellen), die mit der Überprüfung des Serostatus nicht erfasst wird. Eine zweifache Röteln-Impfung bietet einen belastbaren Schutz, so die STIKO.
Von einem zuverlässigen Schutz geht man auch aus, wenn spezifische Antikörper vor Eintritt einer Schwangerschaft nachgewiesen worden sind und dieser Befund ordnungsgemäß dokumentiert worden ist. Eine Labordiagnostik zur Bestimmung der Röteln-Immunität ist nur noch erforderlich, wenn die Immunität der Schwangeren nicht gesichert ist.

Was tun, wenn eine Schwangere nicht geschützt ist?
Wenn nach einer Titer-Bestimmung ein Befund vorliegt, der eine fehlende Immunität schließen lässt, sollte die Schwangere, falls sie innerhalb der ersten vier Schwanger­schaftsmonate Röteln-Kontakt hat oder an rötelnverdächtigen Symptomen erkrankt ist, sofort den Arzt oder die Ärztin aufsuchen. In jedem Fall soll bei diesen Schwangeren in der 16. -17. Schwangerschafts­woche eine erneute Antikörper-Untersuchung durchgeführt werden. (2)

Eine Rötelnschutzimpfung (bzw. MMR-Impfung) darf während der Schwangerschaft nicht gegeben werden, denn Lebendimpfstoffe sind in der Schwangerschaft kontraindiziert. Wird jedoch versehentlich in eine (nicht bekannte) Frühschwangerschaft hineingeimpft, stellt dies keinen Grund für einen Schwangerschaftsabbruch dar. Denn bislang sind in den vielen bekannten Fällen einer versehentlichen MMR- wie auch Varizellen-Impfung in der Frühschwangerschaft keine negativen Auswirkungen bekannt geworden. (1)

Zur Übertragbarkeit der Impfviren
Und last but not least: Röteln-Impfviren werden über den normalen Kontrakt nicht übertragen. Zwar kommt es 7 bis 28 Tage nach Verabreichung des Impfstoffs bei der Mehrzahl der Geimpften zur Ausscheidung von geringen Mengen des Röteln-Impfvirus aus dem Nasen- oder Rachenraum. Allerdings gibt es keinen gesicherten Nachweis darauf, dass auf diesem Weg ausgeschiedene Viren auf empfängliche Kontaktpersonen übertragen werden. Die Übertragung des Röteln-Impfvirus auf Säuglinge über die Muttermilch und über die Plazenta ist hingegen bekannt, allerdings ohne jegliche Anzeichen einer Erkrankung. (3)


Wir bieten Unterstützung in der Praxis an
Unsere Impf-Service-Mappe dient dem Praxisteam als Organi­sationshilfe und bietet ausführliche Informationen für Patienten, u. a. zu Impfungen vor und während der Schwangerschaft, zum Nestschutz und zu Impfungen in der Stillzeit. Außerdem beinhaltet der Ordner sämtliche Impfaufklärungsbögen.

Regelmäßige Updates (mindestens 2 x jährlich) sorgen dafür, dass die Informationen stets aktuell sind. Die Praxismappe Impfen können Sie direkt über unseren Shop beziehen.


Wie hoch ist die Impfquote gegen Röteln in Deutschland?
Bundesweit wird jährlich im Rahmen der Schuleingangsuntersuchungen der Impfstatus der einzuschulenden Kinder erhoben. In den letzten Jahren konnte ein kontinuierlicher Anstieg der Impfquoten, insbesondere bei der 2. Rötelimpfung beobachtet werden. So lag die Impfquote für die 1. Rötelimpfung 2004 bei 91,8 Prozent, im Jahr 2013 bei 96,4 Prozent. Die Impfquote für die 2. Rötelimpfung lag 2004 zwar nur bei 64,4 Prozent, im Jahr 2013 jedoch schon bei 92,4 Prozent. (4)
Eine hohe Impfquote von mindestens 95 Prozent für wenigstens eine Rötelnimpfung ist notwendig, um die Krankheit zu eliminieren. Dieses Ziel wurde in dem Zeitraum von 2008 bis 2013 jährlich erreicht. Neuere Zahlen liegen noch nicht vor. (4, 5) Durch die breite Anwendung des MMR-Kombinationsimpfstoffes entsprechen die Zahlen für Röteln annähernd den Impfquoten für Masern und Mumps.

 

 Quellen:

  1. Robert Koch-Institut: Vorgehen bei Frauen im gebärfähigen Alter zur Vermeidung von Röteln und Varizellen in der Schwangerschaft unter www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Impfen/AllgFr_AllgemeineFragen/FAQ10.html
  2. Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses über die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Entbindung („Mutterschafts-Richtlinien“), geändert am 20. August 2015, veröffentlicht im Bundesanzeiger AT 09.11.2015 B1, zu finden unter www.g-ba.de/informationen/richtlinien/19/
  3. Fachinformation zum Impfstoff M-M-RvaxPro® von Sanofi Pasteur MSD GmbH, Stand der Information November 2014 und Fachinformation zum Impfstoff MMR-Priorix® von GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG, Stand der Information Juli 2015
  4. Gesundheitsberichterstattung des Bundes: Impfquote bei Schulanfängern; Tabelle erstellt am 19.01.2015 unter www.gbe-bund.de/gbe10/abrechnung.prc_abr_test_logon?p_uid=gasta&p_aid=0&p_sprache=D&p_knoten=NE2088
  5. Robert Koch-Institut: Änderung der Empfehlungen zur Impfung gegen Röteln; Epidemiologisches Bulletin Nr. 32, 16.8.2010
 

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