DGK e.V. -Immer wieder tauchen Fragen nach möglichen gesundheitsschädigenden Wirkungen von Aluminium in Impfstoffen auf. Nicht selten sind Bedenken wegen dieses Zusatzes sogar der Grund für eine Ablehnung von Impfungen. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) – Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel – hat auf Anfragen von Patientenorganisationen und Fachverbänden reagiert und im September 2015 eine Sicherheitsbewertung von Aluminium in Impfstoffen veröffentlicht.
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Aluminium in Impfstoffen

Dezember 2015

Immer wieder tauchen Fragen nach möglichen gesundheitsschädigenden Wirkungen von Aluminium in Impfstoffen auf. Nicht selten sind Bedenken wegen dieses Zusatzes sogar der Grund für eine Ablehnung von Impfungen. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) – Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel – hat auf Anfragen von Patientenorganisationen und Fachverbänden reagiert und im September 2015 eine Sicherheitsbewertung von Aluminium in Impfstoffen veröffentlicht.


Das Fazit zeigt: Aus klinischen Studien und der Erfassung von Impfnebenwirkungen gibt es keine Hinweise für gesundheitlich schädigende Wirkungen durch Aluminiumverbindungen nach Impfungen. Der Beitrag von Impfungen zur geschätzten lebenslangen Anreicherung von Aluminium im Organismus ist im Vergleich zur kontinuierlichen Aufnahme des Elementes aus anderen Quellen wie Lebensmitteln gering und vor dem Hintergrund des Nutzens der Impfungen vertretbar.

Wieviel Aluminium können Impfstoffe enthalten?
Aluminiumverbindungen werden in Impfstoffen als Wirkverstärker (Adjuvans) eingesetzt. Wichtig ist zunächst die Frage, wieviel davon in einer Impfstoffdosis enthalten sein kann. Die Antwort findet sich im Europäischen Arzneibuch. Erlaubt ist demnach ein Aluminiumgehalt von 1,25 mg pro Impfdosis. Doch alle in Europa zugelassenen Vakzine unterschreiten diesen Wert, sie enthalten lediglich 0,125 bis 0,82 mg Aluminium pro Dosis. Die genaue Menge des Aluminiumsalzes lässt sich Fach- und Gebrauchsinforma­tionen entnehmen.

Sicherheitsbetrachtung: Wie sicher ist Aluminium als Adjuvans?
Am häufigsten (je nach Impfstoff bei ca. 10 bis 20 Prozent) kommt es im Zusammenhang mit Aluminiumsalzen zu lokalen Nebenwirkungen, vor allem Verhärtungen an der Injektionsstelle, die in der Regel nach drei Tagen verschwinden. In seltenen Fällen kommt es zu subkutanen Knötchen, Zysten oder Granulomen, die als Fremdkörperreaktion auf das Adjuvans gewertet werden. Selten können aus Granulomen sterile Abszesse oder Zysten entstehen, die in der Regel spontan abheilen.
 

Tipp: Lokalreaktionen vermeiden
Granulome können eher entstehen, wenn beim Durchstechen der Haut kleinste Mengen des Adjuvans mit der Subkutis in Kontakt kommen. Die Injektionsnadel sollte daher bei Impfungen immer „trocken“ sein (ggfs. Kanüle wechseln). Außerdem ist bei Adsorbatimpfstoffen darauf zu achten, dass sie auch tatsächlich in den Muskel gelangen, da auch eine subkutane Applikation die schmerzhaften Verhärtungen begünstigt.


Des Weiteren finden sich in der medizinischen Literatur sehr seltene Fälle von lokal eng umschriebenen entzündlichen Veränderungen der Muskulatur in der Impfregion (Makrophagische Myofaszilitis).

Am interessantesten ist sicher die Frage nach einer möglichen systemischen Toxizität von Aluminium. Man kennt toxische Wirkungen von Aluminium, sie wurden beispielsweise beobachtet bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz (gestörte Aluminium-Exkretion) oder bei langjähriger Dialyse in der Art, wie sie in den 70er-Jahren des vorherigen Jahrhunderts durchgeführt wurden (hohe Exposition). Dabei wurden teilweise extreme Aluminium-Plasmaspiegel erreicht. Als Folgen können neurotoxische Wirkungen sowie negative Effekte auf die Knochenentwicklung und die Fortpflanzung auftreten.

Bei der Frage nach der möglichen systemischen Toxizität von Aluminium in Impfstoffen muss jedoch beachtet werden:

  • Es handelt sich bei Impfungen nicht um eine intravenöse (wie bei der Dialyse früher), sondern eine intramuskuläre Zufuhr von zudem nur schwerlöslichen Aluminiumverbindungen. Daher ist zu keinem Zeitpunkt das gesamte Aluminium des Impfstoffes gleichzeitig im Blut verfügbar.
  • Der Großteil des resorbierten Aluminiums wird direkt über die Niere wieder ausgeschieden.
  • Ein kleiner Teil braucht länger, so dass Schätzungen zufolge 1 bis 2 Prozent des aus Impfstoffen resorbierten Aluminiums akkumulieren können.
  • Aluminium gelangt tagtäglich aus anderen Quelle in den Körper, wie beispielsweise durch die Nahrung, Medikamente und Kosmetika bzw. Pflegeprodukte.
  • Der Beitrag von Impfungen zur geschätzten lebenslangen Netto-Akkumulation von Aluminium ist, verglichen mit diesen anderen Quellen, gering und vor dem Hintergrund des hohen Nutzens der Impfungen laut PEI vertretbar.

Patienten, die sich Sorgen wegen der Aluminiumzufuhr durch Impfstoffe machen, kann man also Entwarnung geben. Sie können zudem darauf hinweisen werden, dass es effektiver ist, die Aufnahme von Aluminium durch die Nahrung und durch Pflegepro­dukte zu drosseln, als auf Impfungen zu verzichten.

Tipp: Alltägliche Aluminiumaufnahme verringern
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät, aluminiumhaltige Deodorants nicht unmittelbar nach der Rasur bzw. bei geschädigter Achselhaut aufzutragen. Noch besser ist es Deodorants ohne Aluminiumsalze zu benutzen. Das BfR empfiehlt zudem eine unnötige Aluminiumaufnahme bedingt durch den unsachgemäßen Gebrauch von Alufolie, Alu-Grillschalen (durch Benutzung bei säure- oder salzhaltigen Speisen) oder unbeschichtetem Alu-Geschirr zu vermeiden. Zudem ist es ratsam, auf Fertiggerichte in Aluschalen zu verzichten.

 

Den ausführlichen Text zur Sicherheitsbewertung von Aluminium in Impfstoffen finden Sie hier.


 H I N T E R G R U N D

Adjuvanzien: notwendige Helfer


In Vakzinen werden Adjuvanzien eingesetzt, um die Immunantwort auf eine verabreichte Substanz unspezifisch zu steigern. Das heißt, für die spezifische Immunantwort ist das Antigen, für die Stärke der Antwort jedoch das Adjuvans verantwortlich. Viele zur Verfügung stehende Antigene würden ohne Adjuvanzien keine wirkungsvollen Immunantworten hervorrufen.

Grundsätzlich gilt die Regel, dass zum Erzielen des erwünschten Effekts die Hilfswirkung eines Adjuvans umso mehr benötigt wird, je kleiner das in Frage kommende Antigen ist (z. B. Toxoid-Impfstoffe, oder Spalt- beziehungsweise Subunit-Vakzine). Für Lebendimpfstoffe und Impfstoffe aus bakteriellen Ganzkeimen (z. B. Cholera) trifft die Regel nicht zu, hier erzielen die Antigene allein eine ausreichende Immunantwort.

Schon seit mehr als 80 Jahren werden Aluminiumsalze (Aluminiumhydroxid, Aluminiumphosphat) als Adjuvanzien verschiedenen Impfstoffen zugesetzt, beispiels­weise denen gegen Tetanus und Diphtherie (Toxoid-Impfstoff), Keuchhusten, Hepatitis A und B. Sie bilden an der Impfstelle im Muskel ein Depot, aus dem die Impf-Antigene nach und nach freigesetzt und so dem Immunsystem über längere Zeit präsentiert werden.

 

Aluminium: die wichtigsten Fakten

 
Wo kommt Aluminium vor?
Aluminium ist ein Leichtmetall, das natürlicherweise auf der Erde vorkommt. Es ist eines der häufigsten Elemente der Erdkruste.

Was trägt zur oralen Aufnahme von Aluminium bei?
Aluminium taucht deswegen in gewissen Mengen in fast allen Nahrungsmitteln auf. Besonders hohe Dosen finden sich in getrockneten Kräutern, Tee und Gewürzen, sowie in Schokolade. Aluminium kommt als Farbstoff, Stabilisator, Backtriebmittel oder Trennmittel zum Einsatz. Zu finden ist es daher unter anderem in Fertigbackwaren, Süßigkeiten, Babynahrung und Käse. Außerdem ist das Metall im Trinkwasser enthalten und wird auch in größeren Mengen als Medikament eingenommen (z. B. zum Beispiel Antacida, also Arzneimittel zur Neutralisierung der Magensäure). Eine Aluminiumexposition besteht außerdem bei Gebrauch von Alufolie, Alu-Grillschalen usw., vor allem, wenn diese in Kontakt mit bestimmten Lebensmitteln in Kontakt kommen: Das Leichtmetall wird durch Säuren (z. B. in geschnittenen Äpfeln) und Salze (z. B. in mariniertem Grillgut) herausgelöst und mit den Speisen aufgenommen.

Wieviel nehmen wir über die Nahrung auf?
Nach einer Abschätzung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) aus dem Jahr 2008 liegt die Aluminium-Aufnahmemenge über die Nahrung zwischen 0,2 bis 1,5 mg pro Kilogramm Körpergewicht in der Woche – das entspricht für einen 60 kg schweren Erwachsenen einer täglichen Aufnahme von 1,7 bis 13 mg Aluminium. Über den Magen-Darm-Trakt wird davon jedoch nur bis zu etwa einem Prozent resorbiert.

Gibt es weitere Quellen für Aluminium in unserem Körper?
Ja, z. B. Deodorants. Sie enthalten aufgrund der schweißhemmenden Wirkung bestimmter Aluminiumverbindungen bis zu 5 Prozent des Leichtmetalls. Dieses wird teilweise über die Haut aufgenommen. Versuche haben gezeigt, dass bei einmaliger täglicher Anwendung eines Deodorants sogar etwas mehr Aluminium in den Körper gelangt, als durch Nahrungsmittel. Ist die Haut zudem z. B. durch eine Rasur geschädigt, vervielfacht sich diese Menge noch.

 

Quellen:

  1. Paul-Ehrlich-Institut: Sicherheitsbewertung von Aluminium in Impfstoffen; Bulletin zu Arzneimittelsicherheit / Informationen aus BfArM und PEI, Ausgabe 3/ September 2015 unter www.pei.de
  2. Bundesinstitut für Risikobewertung: Fragen und Antworten zu Aluminium in Lebensmitteln und verbrauchernahen Produkten; Aktualisierte FAQ des BfR vom 20. Februar 2015 unter www.bfr.bund.de
  3. Bundesinstitut für Risikobewertung: Aluminiumhaltige Antitranspirantien tragen zur Aufnahme von Aluminium bei Stellungnahme Nr. 007/2014 des BfR vom 26. Februar 2014 unter www.bfr.bund.de
  4. Quast, U., Thilo, W., Fescharek, R.: Impfreaktionen – Bewertung und Differentialdiagnose; Hippokrates Verlag Stuttgart 1997
  5. Spetrum.de vom 14.7.14: Wie gefährlich ist Aluminium? unter www.spektrum.de
  6. Pharmazeutische Zeitung online, Ausgabe 48/2007: Adjuvanzien – Hilfsstoffe für bessere Vakzine <cite>unter www.pharmazeutische-zeitung.de</cite>
  7. Pharmazeutische Zeitung online, Ausgabe 23/2011: Adjuvanzien – Wirkverstärker mit schwierigen Namen unter <cite>www.pharmazeutische-zeitung.de</cite>

 

 

 

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