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Demenzkranke könnten besser behandelt werden. Kostendruck, aber auch unzureichende Ausbildung der Ärzte und dadurch Unsicherheit beim therapeutisch Machbaren stehen dem oft noch entgegen.
(dgk) In Deutschland leiden derzeit mehr als 1,2 Millionen Menschen an einer Demenz, meist handelt es sich um die Demenz vom Alzheimer-Typ. Jedes Jahr kommen etwa 200.000 Neuerkrankungen hinzu. Die Behandlung von Demenz-Patienten sollte sich eigentlich an den aktuellen wissenschaftlichen Standards orientieren. Dies geschieht aber nach Ansicht einer Expertenrunde der geriatrischen und gerontopsychiatrischen Fachgesellschaften noch nicht flächendeckend.
Eine der Ursachen sehen die Experten in der Ausbildung der Mediziner. Dort nehme das Thema Demenz nur eine nachgeordnete Stellung ein. In einem aktuellen, so genannten Konsensuspapier spricht die Expertenkommission nun Empfehlungen für eine optimale Behandlung von Demenz-Patienten aus. Vordringlichstes Ziel aller Anstrengungen müsse sein, so die Autoren, das Leid von Patienten und Angehörigen zu minimieren und ihre Lebensqualität zu maximieren.
Die wichtigsten Forderungen, wie dies zu erreichen ist, lauten im Einzelnen:
- Angehörige sollten aktiver in die Behandlung eingebunden werden, da der Erfolg von therapeutischen Maßnahmen auch vom familiären Umfeld des Patienten abhänge. Entscheidend sei dabei auch, dass durch psychosoziale Maßnahmen ein vertrauensvolles, angstfreies und wertschätzendes Milieu für den Demenzkranken geschaffen werde.
- In vielen Fällen reichten nicht-medikamentöse Maßnahmen allein nicht aus. Bei der Wahl der Medikamente müsse der Grundsatz gelten: So wenig wie möglich, so viel wie nötig. Eingesetzt werden sollten daher nur Arzneimittel, deren Wirksamkeit bei Demenz wissenschaftlich einwandfrei nachgewiesen ist.
- Als Basistherapie und Mittel der ersten Wahl bei Alzheimer-Demenz empfehlen die Experten Acetylcholinesterase-Hemmer wie Donezepil (Aricept®), Galantamin (Reminyl®) und Rivastigmin (Exelon®), da sie das geistige Leistungsvermögen des Patienten verbessern und über eine gewisse Zeit stabilisieren könnten. Die Verzögerung des Krankheitsverlaufs und der Zeitgewinn könne zum Beispiel beim Schneeglöckchen-Wirkstoff Galantamin bis zu 18 Monate betragen.
- Neben dem Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit müsse den demenzbedingten Verhaltensstörungen mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Gesteigerte Aggressivität, Unruhe und Wahnvorstellungen belasteten das Zusammenleben im häuslichen Umfeld enorm und seien häufig Grund für eine frühe Heimeinweisung. Eine angemessene und wirksame Therapie könne die Lebensqualität hier erheblich steigern. Beruhigungsmittel wie Benzodiazepine kämen dabei leider noch häufig zum Einsatz. Aufgrund der Vielzahl von unerwünschten Nebenwirkungen beurteilen die Experten diese Medikamente allerdings sehr kritisch. Ähnliche Bedenken gelten den älteren Neuroleptika, da sie zu Parkinson-Symptomen führen, das Sturzrisiko erhöhen und die geistige Leistungsfähigkeit zusätzlich schwächen können.
- Besser verträglich und daher empfehlenswert seien hingegen neuere atypische Neuroleptika. In Deutschland zugelassen sei hier nur der Wirkstoff Risperidon, der in Studien bewiesen habe, dass er demenzbedingte Verhaltenstörungen deutlich verbessern kann. Die Patienten würden dabei nicht einfach nur ruhig gestellt, sondern schliefen nachts durch, blieben tagsüber wacher und ansprechbarer, das Sturzrisiko werde erheblich verringert.
Würden diese Empfehlungen für die Behandlung von Alzheimer-Patienten breit umgesetzt, ließe sich die oftmals schwierige Situation der Betroffenen und ihrer Angehörigen deutlich entspannen. Von herausragender Bedeutung sei hierfür, dass die Aus- und Fortbildung von Ärzten und Pflegepersonal optimiert wird. Quelle: Geriatrie Journal, 5/04, 45-49 Teilnehmer der Expertenrunde: Prof. Dr. Rolf D. Hirsch, Rheinische Kliniken Bonn Prof. Dr. Ingo Füsgen, Geriatrische Kliniken der Kliniken St. Antonius, Wuppertal, Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie Privatdozent Dr. Hans Gutzmann, Abteilung für Pyschiatrie und Psychotherapie, Krankenhaus Hedwigshöhe, Berlin, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie Prof. Dr. Ekkehard Haen, Klinische Pharmakologie/Psychopharmakologie der Psychiatrischen Universitätsklinik Regensburg, Leiter der Arbeitsgemeinschaft Arzneimitteltherapie bei psychiatrischen Erkrankungen Rainer Kortus, Abteilung für Gerontopsychiatrie, Zentrum für Psychiatrie, Winnenden, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie
Das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, steigt mit dem Altern. Die Grafik kann von Redaktionen kostenlos per E-Mail (jpg-Format) angefordert werden unter: roswitha.seim(à)kilian.de

