DGK e.V. -Das Interview entstand anlässlich der Pressekonferenz Alzheimer früh erkennen – Eine Initiative auf Tour in Hamburg am Donnerstag, 7. April 2005
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Fotos aus dem Alzheimer-Therapie Zentrum der Neurologischen Klinik Bad Aibling

Kurzbiographie Simone Rethel-Heesters

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Interview mit Simone Rethel-Heesters:
'Ich kenne die zwei Seiten des Alterns'

Das Interview entstand anlässlich der Pressekonferenz
Alzheimer früh erkennen – Eine Initiative auf Tour
in Hamburg am Donnerstag, 7. April 2005

Frage: Frau Rethel-Heesters, Sie engagieren sich als Botschafterin für das Thema Alzheimer-Demenz und in diesem Zusammenhang für die Initiative „Altern in Würde“ – warum?

Simone Rethel-Heesters: Mein Mann Jopie ist heute 101 Jahre alt. Man sagt immer, was für ein Glück, dass er so gut beieinander ist. Aber es ist nicht nur Glück. Er hat einiges dafür getan, dass er dieses Alter erreicht hat und dabei so gesund geblieben ist. Er ist jemand, der immerzu viel gearbeitet und sich durch Bewegung gesund gehalten hat, was er auch heute noch tut. Und er ist ein Mensch, der nicht zurückdenkt. Er lebt jetzt und heute und selbstverständlich auch in der Zukunft. Er hat sich die Neugier aufs Leben bewahrt. Wenn wir gerade einen Termin hinter uns gebracht haben, sitzt er schon wieder im Auto und repetiert den Text für seinen nächsten Auftritt. Genau das ist es, was ihn mit 101 Jahren geistig fit hält!

Aus eigener Erfahrung kenne ich aber auch die andere Seite des Alterns: Altwerden bedeutet manchmal auch, geistig verwirrt und sehr krank zu sein. Wichtig ist es, dass Menschen in Würde altern können. Dafür möchte ich mich einsetzen. Als Botschafterin für die Initiative „Altern in Würde“ und das Thema Alzheimer-Demenz wende ich mich an eine breite Öffentlichkeit. Ich kann Betroffenen und deren Angehörigen Mut machen, sich mit dieser Krankheit auseinander zu setzen. Mein Credo lautet: Schaut hin und unternehmt was – es gibt Hilfe und Therapiemöglichkeiten!


Frage: Welche persönlichen Erfahrungen verbinden Sie mit der anderen Seite des Altwerdens?

Simone Rethel-Heesters: Bei meiner Mutter wurde im Alter von 80 Jahren eine Alzheimer-Demenz festgestellt. Ich erinnere mich noch genau an den Tag, als ich erkannte, dass irgendetwas mit ihr nicht stimmt: Wir haben einen Überraschungsbesuch bei einem sehr guten Freund gemacht. Während der drei Stunden, die wir dort waren, hat sich meine Mutter immerzu entschuldigt, dass wir uneingeladen gekommen sind. Obwohl unser Gastgeber sich über unseren Besuch riesig gefreut hat. Da bemerkte ich, dass irgendetwas anders war als sonst.

Noch am gleichen Abend habe ich mit ihr gesprochen und einen Arztbesuch vorgeschlagen. Sie brach in Tränen aus und meinte, dass sie nun überhaupt nichts mehr sagen würde. Sie wollte die Veränderungen nicht eingestehen, was mich persönlich sehr betroffen gemacht hat. Meine Mutter war immer so weltoffen und neugierig auf das Leben und plötzlich war sie hilflos und ich auch.


Frage: Wie sind Sie mit der Krankheit Ihrer Mutter dann umgegangen?

Simone Rethel-Heesters: Das war für mich ganz und gar nicht einfach. Als die Diagnose gestellt wurde, befand sich die Krankheit meiner Mutter bereits in einem fortgeschrittenen Stadium. Eine Therapie – das Ganze liegt etwas über 10 Jahre zurück – erfolgte damals nicht.

Zuerst wollte ich es nicht wahr haben, dass diese Krankheit Ursache der Veränderungen im Denken und Verhalten meiner Mutter ist. Es dauerte eine gewisse Zeit, bis ich gelernt hatte, damit umzugehen.

Man darf den Betroffenen gegenüber nicht ungerecht werden – das ist sicherlich das Wichtigste, was man lernen muss. Das fällt vielen sehr schwer: Der Betroffene sieht ja noch genauso aus wie vorher, aber in seinem Kopf gehen plötzlich Veränderungen vor, die man nicht begreifen kann. Letztlich müssen wir uns darüber klar werden, dass Alzheimer-Demenz eine Krankheit ist, die man zunächst nicht sieht. Als Familienmitglied spürt man aber durchaus, dass irgendetwas mit der betroffenen Person nicht in Ordnung ist. Wichtig ist, dies ernst zu nehmen und nicht als normale Alterserscheinung abzutun.


Frage: Können Sie uns mehr über die ersten Anzeichen von Alzheimer-Demenz sagen?

Simone Rethel-Heesters: Es gibt ganz typische frühe Anzeichen, die auf eine Demenz hinweisen können: Wenn kurz zurück liegende Ereignisse vergessen werden, beispielsweise, was man am Morgen gefrühstückt hat. Häufig werden auch Dinge an ungewohnte bzw. unpassende Plätze gelegt: der Haustürschlüssel findet sich dann im Kühlschrank wieder, Rechnungen werden vergessen, Verabredungen einfach „verschwitzt“ und immer öfter kommt es vor, dass Namen von Bekannten einem einfach nicht mehr einfallen. Das sind Anzeichen von Gedächtnisstörungen.

Darüber hinaus kann es zu Verhaltensänderungen kommen wie Rückzug aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis, aber auch Misstrauen, Feindseligkeit und Aggression können sich zeigen.


Frage: Was können Sie Betroffenen, also Alzheimer-Patienten und deren Angehörigen mit auf den Weg geben? Was gibt es zu beachten?

Simone Rethel-Heesters: Bei meiner Mutter wurde die Krankheit leider viel zu spät festgestellt. Früherkennung ist aber das A und O bei Alzheimer-Demenz. Bei den ersten Veränderungen von Gedächtnis und Verhalten sollten Angehörige daher schnell gemeinsam mit dem Betroffenen einen Arzt aufsuchen, um einen Früherkennungstest machen zu lassen. Wird die Krankheit nämlich frühzeitig erkannt, können die Symptome gut behandelt und die Verschlimmerung der Erkrankung hinausgezögert werden.

Der Betroffene gewinnt wertvolle Zeit. Er kann viele Dinge noch selbst regeln, länger selbstständig am Alltag teilnehmen. Dadurch werden auch die Angehörigen erheblich entlastet. Heimeinweisungen können hinausgezögert und manchmal sogar ganz vermieden werden.

 

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