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Alzheimer-Forscher diskutieren neue Behandlungsstrategien
(dgk) Die Erforschung der gefürchteten Alzheimer-Krankheit macht weiter Fortschritte. Zwar ist eine Heilung immer noch nicht in Sicht, was es aber an neuen Erkenntnissen und Behandlungsmöglichkeiten gibt, diskutierten jetzt namhafte internationale Wissenschaftler in Mainz.
Immer deutlicher wird, dass bei der Gedächtnisbildung der Botenstoff Acetylcholin eine zentrale Rolle spielt. Über diesen chemischen Vermittler tauschen die Nervenzellen Informationen untereinander aus. Damit diese Botschaften auch richtig ankommen und verstanden werden, müssen ausreichend viele Andockstellen an den Gehirnzellen vorhanden sein.
Doch gerade an diesen Andockstellen, den so genannten Acetylcholin-Rezeptoren, mangelt es den Alzheimer-Patienten. Durch verschiedene krankhafte Prozesse gehen im Verlauf der Erkrankung immer mehr davon unwiederbringlich verloren. Und auch die Gehirnzellen, die diese Rezeptoren tragen, sterben ab. Vorrangiges Ziel der Alzheimer-Forscher ist es deshalb, diesen molekularen Informationsweg so gut wie möglich zu erhalten oder wieder zu verbessern.
Mit einigen modernen Medikamenten gelingt dies inzwischen schon ganz gut. So blockieren die Acetylcholinesterase-Hemmer jenes Enzym, welches den wichtigen Botenstoff Acetylcholin normalerweise rasch wieder abbaut. Sie verlängern also dessen Lebensdauer und verstärken so seine Wirkung.
Noch interessanter ist der neue Wirkstoff Galantamin, ein Alkaloid aus dem Schneeglöckchen (Galanthus nivalis), über dessen aufregende Eigenschaften in Mainz gleich mehrere Alzheimer-Experten berichteten. "Galantamin hat eine doppelte, vielleicht sogar dreifach positive Wirkung auf den Verlauf der Alzheimer- Demenz", erklärte Alfred Maelicke vom Laboratorium für Molekulare Neurobiologie der Johannes-Gutenberg Universität Mainz, "es hemmt nicht nur den Abbau des Acetycholins, sondern macht auch die noch vorhandenen Andockstellen sensitiver für den Botenstoff. Möglicherweise hat Galantamin sogar einen schützenden Effekt für die Nervenzellen".
Ein Vergleich aus der Photographie vermag die hoch komplizierten Vorgänge etwas besser verdeutlichen: Bei Alzheimer-Patienten wird das Licht im Gehirn immer schwächer. Um noch ein gutes Photo machen zu können, kann man entweder die Belichtungszeit verlängern oder die Lichtempfindlichkeit des Films erhöhen. Galantamin könne beides, so Maelicke.
Dass dies nicht nur Theorie ist, sondern auch in der Praxis funktioniert, belegte Luc Truyen (Titusville, USA). In einer Langzeituntersuchung hatte er beobachtet, dass Galantamin den Verfall der geistigen Leistungsfähigkeit von Alzheimer-Patienten bis zu 48 Monate lang deutlich verlangsamen kann. Die Betroffenen seien durch die Therapie aufmerksamer, konzentrierter und aufnahmefähiger für neue Informationen gewesen.
Galantamin, darin waren sich die Experten in Mainz einig, stelle eine neuartige Behandlungsstrategie bei Alzheimer-Demenz dar. Insbesondere sei der Wirkstoff für die frühe Therapie der Erkrankung ideal geeignet. Denn dann ließe sich damit noch ein hohes Maß an Lebensqualität für die betroffenen Menschen sichern.
Ansprechpartner:
Dr. Ingolf Dürr
Deutsches Grünes Kreuz e. V.
c/o Initiative Altern in Würde
Schuhmarkt 4
35037 Marburg
Tel.: 0 64 21 / 293 - 174
Fax: 0 64 21 / 293 - 774
E-Mail: ingolf.duerr(à)kilian.de

